Kann nicht.

Feb
2008
19

Frü­her war einer der belieb­tes­ten Sätze öster­rei­chi­scher Unter­neh­men ‚Hamma ned’, oft gefolgt von einem gegrum­mel­ten ‚Brauchma ned’ (das Konsumenten-Pendant war übri­gens, pas­send wie das Ying zum Yang,  ‚Hamma scho, brauchma ned’, auch wenn der Sel­bi­ges im Brust­ton der Über­zeu­gung von sich gebende Bier­trin­ker nicht ein­mal wusste, worum es eigent­lich ging).

Das war, bevor die Welt irgend wann in den 90ern anklopfte, die älple­ri­schen Mas­siv­holz­tü­ren gleich aus den Angeln riss und durch moderne aus Glas ersetzte. Heute ist das anders, und es zehrt wesent­lich mehr an den Ner­ven als die­ses KuK.-Relikt urös­ter­rei­chi­scher Grund­gran­tig­keit. Heute haben die meis­ten näm­lich Cor­po­rate Neu­sprech gelernt, und seit­dem heißt es, wenn man nicht will: ‚Wir kön­nen xxxxxx nicht.’. Ein Bei­spiel: Ein Han­dy­an­bie­ter ver­wei­gert einen neuen Anschluss, weil man vor 10 Jah­ren ein­mal 2 Rech­nun­gen nicht bezahlt hat. Tut uns leid, wir kön­nen Ihnen kein Ange­bot machen… (und es ist uns egal, dass Sie heute 10.000 Euro pro Monat ver­die­nen, weil in unse­rer Daten­bank sind sie ein böser Kunde — aber das ist ein ande­res Thema).

Wenn es etwas erns­ter ist, etwa eine Strom­rech­nung nicht bezahlt wurde, dann ist die ebenso passiv-aggressive Flos­kel ‚Wir müs­sen Ihnen den Strom abstel­len’.

Nein. Dem ist nicht so. Ihr wollt nicht und ihr wer­det. Keine äußere Macht zwingt euch dazu. Aber eines soll­tet ihr auf jeden Fall tun: Eure Wording–Spe­zia­lis­ten — nein, das soll­ten nicht die PR-Blondinen machen — mög­lichst weit von NLP–Semi­na­ren fern­hal­ten. Die­ser Sprach­müll macht den­kende Men­schen näm­lich deut­lich aggres­si­ver als jede auch noch so unan­ge­nehme, aber dafür ehr­li­che, Aussage.

Dis­clai­mer: Diese Bei­spiele sind fik­tiv. Spen­den sind nicht not­wen­dig.

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