Kann nicht.
2008
Früher war einer der beliebtesten Sätze österreichischer Unternehmen ‚Hamma ned’, oft gefolgt von einem gegrummelten ‚Brauchma ned’ (das Konsumenten-Pendant war übrigens, passend wie das Ying zum Yang, ‚Hamma scho, brauchma ned’, auch wenn der Selbiges im Brustton der Überzeugung von sich gebende Biertrinker nicht einmal wusste, worum es eigentlich ging).
Das war, bevor die Welt irgend wann in den 90ern anklopfte, die älplerischen Massivholztüren gleich aus den Angeln riss und durch moderne aus Glas ersetzte. Heute ist das anders, und es zehrt wesentlich mehr an den Nerven als dieses KuK.-Relikt urösterreichischer Grundgrantigkeit. Heute haben die meisten nämlich Corporate Neusprech gelernt, und seitdem heißt es, wenn man nicht will: ‚Wir können xxxxxx nicht.’. Ein Beispiel: Ein Handyanbieter verweigert einen neuen Anschluss, weil man vor 10 Jahren einmal 2 Rechnungen nicht bezahlt hat. Tut uns leid, wir können Ihnen kein Angebot machen… (und es ist uns egal, dass Sie heute 10.000 Euro pro Monat verdienen, weil in unserer Datenbank sind sie ein böser Kunde — aber das ist ein anderes Thema).
Wenn es etwas ernster ist, etwa eine Stromrechnung nicht bezahlt wurde, dann ist die ebenso passiv-aggressive Floskel ‚Wir müssen Ihnen den Strom abstellen’.
Nein. Dem ist nicht so. Ihr wollt nicht und ihr werdet. Keine äußere Macht zwingt euch dazu. Aber eines solltet ihr auf jeden Fall tun: Eure Wording–Spezialisten — nein, das sollten nicht die PR-Blondinen machen — möglichst weit von NLP–Seminaren fernhalten. Dieser Sprachmüll macht denkende Menschen nämlich deutlich aggressiver als jede auch noch so unangenehme, aber dafür ehrliche, Aussage.
Disclaimer: Diese Beispiele sind fiktiv. Spenden sind nicht notwendig.