Trouble.
2008
Bisher konnte die Regierung in Österreich ja trefflich streiten, denn ansonsten war das Umfeld gut: boomende Wirtschaft, eine relativ lang anhaltende Hochkonjunktur, relativ niedrige Arbeitslosigkeit. Aber das wird nicht für immer anhalten, denn die Rezession aus den USA wird unvermeidlicher Weise auch auf Europa überschwappen. Dann ist es vorbei mit dem warmen Geldregen, den hohes Wachstum plus Preise, die durch jede Decke gehen, auslöst. Genau dann wird aber der Mittelstand verlangen, endlich auch eine effektive Steuerreform zu bekommen — es ist absehbar, dass mit großem PR-Tamtam verkündete 3 Euro 40 irgend wann vor den (regulären) Wahlen 2010 nicht ausreichen werden, einen Wähler hinter dem Ofen hervorzulocken. Die Entlastung des Mittelstandes muss diesmal spürbar ausfallen. Die glorreiche Idee, die Arbeitslosenversicherung für untere Einkommensschichten (die diese Leistungen natürlich am öftesten in Anspruch nehmen!) zu streichen und diese auch noch dem Mittelstand aufzubürden. Von der unsäglichen ‚Vermögenszuwachssteuer’ gar nicht zu reden, die, wenn sie wirklich kommt, vor allem mühsam angesparte Privatpensionen und mühsam erarbeitetes Wohn-Eigentum anknabbern wird.
Kurz gesagt, es ist an der Zeit, dass sich die beiden Großparteien gegenseitig an den Löffeln nehmen und beginnen, statt medial ausgetragenen Streites die Ausgabenseite dieses Landes zu sanieren. Dazu bedarf es scharfer, schmerzhafter Schnitte — die vor allem den eigenen Günstlingen schaden werden. Für immer und ewig nur den Mittelstand zu melken, während die Preise in nie gekannter Geschwindigkeit steigen (und die Löhne stagnieren und sogar schrumpfen), wird nicht funktionieren. Für eine gut laufende Wirtschaft braucht man nämlich auch Konsumenten, die Geld ausgeben können. Österreich ist dabei, diese Schicht im Namen der sinnlosen Umverteilung auszunehmen wie die Weihnachtsgänse.
Um aber nicht in den Verdacht des unkonstruktiven Suderantentums zu kommen, hier ein Vorschlag. Wie wäre es, einen Teil der zahllosen Transferleistungen — mit denen zB alleinerziehende Arbeitslose auf ein ähnliches Einkommen wie Berufstätige kommen können — in Bildung für eben jene Schicht zu investieren. Ich bin selbstverständlich auch dafür, die vielen Milliarden an diversen Subventionen für Großkonzerne und Bauern dafür herzunehmen. Letzters müsste natürlich international akkordiert erfolgen, obwohl es auch sehr erfolgreiche isolierte Beispiele im Agrarsektor gibt. Und wenn kein Land der Welt mehr dafür zahlt, dass Grokonzerne sich ansiedeln, kassieren und dann wieder abhauen, wenn die Förderquellen versiegen, wäre das Spielfeld wieder fair.