Hoppla.
2008
Wieder einmal eine jahrelang eingesperrte Frau. Wieder Inzucht mit dem eigenen Vater, nicht freiwillig, dafür mit vier Kindern (von sechs, interessante Frage, wer der Vater der anderen zwei ist). Viele schöne Kampusch-Witze, wobei nach dem momentanen Wissensstand die Fälle nicht direkt vergleichbar sind. Irgend wie lässt einem die Vermutung nicht los, dass sich die Frau aus diesem Artikel nicht so erfangen wird — und wahrscheinlich keine Talkshow im Fernsehen und fette Medienverträge bekommen wird.
Schlimmer ist aber der schon Minuten nach der ersten Meldung aufkommende Ruf nach der Todesstrafe für den 73-jährigen Vater. Die Zivilisation ist wirklich nur eine dünne Patina, und dass der Mann eine tiefgreifende geistige Störung aufweisen muss, ist irrelevant. Kaum ist das Verbrechen schwer genug oder ekelhaft genug, blättert die dünne Schicht ab und entblößt das Tier im Menschen. Er will Blut sehen, weil er sich durch die breite Masse unterstützt fühlt. Homo homini lupus, und die Aussicht, dass dieser gestörte Mann wahrscheinlich nie wieder Tageslicht sehen wird, ist komplett irrelevant neben den Tötungsfantasien, die so logisch erscheinen.
Und nein, das ist kein Mitleid mit dem Täter.
Das ist Mitleid mit einer Gesellschaft, deren einziger Fortschritt größere Fernseher zu sein scheinen.