Neuwahlen.
2008
Es ist endlich so weit: Die Koalition hat sich aufgelöst, der Wahlkampf beginnt. Abgezeichnet hat sich das ja schon die längste Zeit und selbst der Dümmste hat es gewusst — nur die Politiker haben es so lange wie möglich hinausgezögert. Damit reißen jetzt endgültig ehemals italienische Zustände ein, wo noch vor wenigen Jahren jährlich zur Urne geschritten wurde. Und es gibt noch ein Problem: Keine einzige Partei außer einer ist noch glaubwürdig. Die SPÖ? Hat sich mit ihrem Schwenk vollkommen aus dem Rennen genommen, nicht einmal eingefleischte EU-Gegner kaufen ihr das ab (und man sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Forderung nach einer Volksabstimmung nicht ‚mehr Demokratie’ verheißt — es ist ein Trick, um sich Legitimation vom Volk für des Volkes Meinung zu holen). Die ÖVP? Eine durch und durch unsympathische Partei, die heute ausschließlich die Interessen des Großkapitals vertritt. Während so eine Partei natürlich eine Daseinsberechtigung hat, fragt sich, warum genau man sie wählen sollte. Weil sie pro-EU ist? Das ist gut, aber nicht genug. Entgegen aller konservativen Werte gab es auch noch nie eine Steuererhöhung, die der ÖVP nicht gefallen hätte. Die Grünen? Sind zur Altpartei geworden, denen man eher eine Koalition mit der ÖVP zutraut als eine gute Idee jenseits des Gender-Mainstreaming von Verkehrszeichen. Das BZÖ? Gibt’s das noch außerhalb von Kärnten?
Bleibt also die FPÖ, eine ekelhafte Ansammlung von Alt– und Neonazis, Burschenschaftlern, Ausländerhassern, Dumpf-Nationalisten und sonstigem Gesocks. Der Chef, ein Zahntechniker, der in seiner Jugend das Töten im Wald geübt hat und gerne drei Bier bestellt. Aber: Als einzige Partei ist die FPÖ ihrer Linie treu geblieben. Man kann diese Linie mögen oder auch nicht (ich tue das nicht), aber sie weicht keinen Millimeter davon ab. Law and Order, Ausländer raus, Sozialromantik, Plakate, auf denen allen Ernstes ‚national, sozial’ steht. Und trotz dieser Ekellinie sind die Blauen vielleicht die Einzigen, denen man im Moment abnimmt, dass sie auch glauben, was sie von sich geben.
Aus diesem Grund werden sie auch allerkräftigst dazugewinnen. Was mich nicht freut, aber hoffentlich endlich ein Weckruf für die anderen Parteien ist: TUT ENDLICH WAS. Weg mit den alten Gesichtern, weg mit den eingefahrenen Ideen. Mit jedem Jahr, das mit diesen Leuten vergeudet wird, werden die Probleme größer und Lösungen schmerzhafter.
Mein Tipp für den Ausgang der Nationalratswahlen in der 2. Septemberhälfte:
ÖVP 32% (minus 2%)
FPÖ 26% (plus 15%)
SPÖ 25% (minus 10%)
GRÜNE: 14% (plus 3%)
BZÖ/KPÖ/Diverse: 3%
… oder: des Horrors Fortsetzung.