Wien.

Jul
2008
26

Ich war ja nun doch in eini­gen Welt­städ­ten, die die­sen Namen auch ver­die­nen. Sehr zu mei­ner Schande muss ich aller­dings geste­hen, dass ich bis letzte Woche nie län­ger als zwei Tage in Wien war (die obli­gate Wien­wo­che im Matura­jahr aus­ge­nom­men, aber das zählt nicht, dann da waren wir eigent­lich in Vösen­dorf, beim Heu­ri­gen und bei Schlum­ber­ger, so gese­hen war die Wie­ner Net­to­zeit doch kür­zer), und da meist aus Grün­den des sozia­len Zusam­men­seins mit ent­spre­chen­den Schlaf­pha­sen und Erin­ne­rungs­lü­cken. Letzte Woche nun war ich aller­dings dort, auf Ein­schu­lung. Ich wohnte mit­ten im ‚Pro­blem­be­zirk’ Otta­kring, Wien 16.
Nur, von Pro­ble­men keine Spur. Ja, es gibt dort viele Kebap­stände. Na und?

Die Sache ist, nach einer Woche Wien ist mir der am Ana­to­lischs­ten aus­se­hende Jung­türke der 4. Gene­ra­tion deut­lich sym­pa­thi­scher als der ‚echte Wie­ner’, wenn sel­bi­ger im Rudel auf­tritt. Die Art von Wie­ner, die sich mit einem unwir­schen (die­ses Unwir­sche ist eine kul­tu­relle Eigen­heit, die eigent­lich in ein Museum gehört) Remp­ler und einem Grun­zen, das im letz­ten Leben viel­leicht ein ‚tschul­di­gung’ war, auf den letz­ten paar Metern der Roll­treppe zur U4 noch vor­beid­rängt, nur um sich genau 3 Sekun­den spä­ter wie­der genau dort zu fin­den, wo ich relax­tes Pro­vin­zei auch bin — ohne Drän­geln. Oder die Matrone, die auf eine bös­ar­tig in ihrem Weg ste­hende Rei­se­ta­sche drauf– statt drü­ber­steigt, ohne etwas zu sagen — bis sie, ver­meint­lich, außer Hör­weite ist und sich bei ihren ebenso gewal­ti­gen Freun­din­nen über den Fakt, dass eben jene Rei­se­ta­sche sich in ihrem Weg zu ste­hen traut, auf­regt, so hin­ten­rum. Oder jene, die zwar vor lau­ter Alter­na­tiv­sein in uni­for­mer Sack und Asche geklei­det sind, sich aber trotz­dem in schöns­tem Schön­brun­ner­deutsch hoch­nä­sig unterhalten.

Nein, ich habe viele Freunde in Wien. Aber ‚den Wie­ner’, den man offen­bar nur auf der Straße oder am Pau­schalstrand von Myko­nos trifft, der ist mir unsym­pa­thisch. Sich für das Zen­trum der Welt zu hal­ten und doch gene­rell so klein­ka­riert zu sein, das ist eine sehr eigene Kunst­form. Im Gegen­satz dazu ver­hal­ten sich die all­ge­gen­wär­ti­gen Immi­gran­ten gera­dezu vor­bild­lich. Ja, sicher wird es Pro­bleme geben. Aber ob die nicht am gol­de­nen Wie­ner Herz lie­gen, das sich so gerne homo­gen angran­teln würde?

DISCLAIMER: Ich habe nichts gegen Wien und die meis­ten Wie­ne­rIn­nen. Idio­ten gibt es über­all. Der Grund für die­sen Ein­trag liegt ver­mut­lich darin, dass ich heute in der rush hour durch die Stadt het­zen durfte. Und meine Güte, wünscht man sich da nach Lon­don oder New York. Dort ist man sich zumin­dest einig: rüde auf der Straße, aber daheim ist dann alles ver­ges­sen. In Wien bin ich mir da nicht so sicher.

2 comments

  1. Valerius
  2. a.

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