Edenbridge — MyEarthDream (akzep​ta​bel​.at)

Sep
2008
26

Lange muss­ten die Fans war­ten, seit April ist es end­lich da: Das neue Album von Eden­bridge, der Lin­zer Bombast-Metal-Combo, die ange­tre­ten ist, um Night­wish und ande­ren Bands aus der Sparte female fron­ted Metal das Fürch­ten zu leh­ren. Bis­her konnte das auf­grund eher klei­ner Pro­duk­ti­ons­bud­gets nicht ganz gelin­gen, fehlte doch das letzte Quänt­chen, das ’sehr guten’ Power Metal zu ‘über­ra­gen­dem’ macht — ein ech­tes Orches­ter. Auf der neuen Scheibe MyE­arth­Dream, deren Name auch Pro­gramm ist, ändert sich das alles.

Wir ver­su­chen, jetzt erdi­ger zu klin­gen — Front­frau Sabine Edelsbacher

Es bleibt nicht beim Ver­such. Was sich im Gespräch anhört, als wür­den Eden­bridge auf einen Folk-Zug auf­sprin­gen, erweist sich beim Anhö­ren von MyE­arth­Dream als die beste Idee, die die Band jemals hatte: Die ein­zel­nen Ele­mente wie Gitar­ren, Orches­ter und Gesang sind kla­rer defi­niert, und exo­ti­sche Instru­mente geben oft einen leicht abge­ho­be­nen Touch, der zum genauer Hin­hö­ren ver­führt. Und natür­lich ent­wi­ckelt sich Sabi­nes Stimme wei­ter. “Ich möchte nicht mehr 20 sein”, sagt sie selbst — und das neue Album beweist, dass das auch ganz im Sinn der Fans ist.

Song by song

The Force Wit­hin ist ein rein instru­men­ta­ler Opener, der auch als Hom­mage an Kom­po­nist Lan­valls musi­ka­li­sches Vor­bild ver­stan­den wer­den kann: Anton Bruck­ner. Auch wenn hier noch keine kra­chende Gitarre zu hören ist, ver­setzt das ein­mi­nü­tige Stück doch in die rich­tige Stim­mung. Und, wie schon auf der wesent­lich weni­ger inter­es­san­ten CD ‘The Grand Design’, zeigt es Mut zum außer­ge­wöhn­li­chen Einstieg.

Shadow­play, der zweite Track, legt dann gleich so rich­tig los. Kein typi­scher Head­ban­ger, aber ein kom­ple­xer Show­case für die Talente der Band. Nett anzu­hö­ren, lei­der fehlt ein rich­tig ein­gän­gi­ger Refrain. Der volle Umfang erschließt sich erst beim genauen Hin­hö­ren. Ver­gleich­bar mit ‘Terra Nova’ vom Vor­gän­ger­werk The Grand Design, aber bes­ser pro­du­ziert und durchdachter.

Der erste Hit ist Para­mount. 4.20 Minu­ten Ent­füh­rung in die Welt von Eden­bridge, die keine Sekunde lang los­lässt und ihre Kraft über die gesamte Lauf­zeit hält. Viel­leicht jener Song, der stimm­lich am meis­ten von Sabine Edels­ba­cher for­dert — und dank der schon oben ange­spro­che­nen stän­di­gen Wei­ter­ent­wick­lung schafft sie das locker.

Undy­ing Devo­tion dürfte eher die Fans klas­si­scher Goth-Kost anspre­chen. Auch wenn hier (noch) die gen­re­ty­pi­schen Growls eines ‘bösen’ Cha­rak­ters feh­len, ist die Ver­wandt­schaft doch klar und ein­deu­tig. “Wir machen nicht Gothic”, so Sabine in einem Inter­view vor Ver­öf­fent­li­chung. Nu ja, ich glaube schon ;)

Ada­man­tine, Power Metal vom Feins­ten ohne viele Ecken und Kan­ten. Fei­ner Refrain, ein tol­ler Mit­tel­part mit viel Ener­gie und einem der weni­gen Gitar­ren­soli von Band­chef Lan­vall. Mit über sechs Minu­ten Länge etwas zu lang.

Whale Rider trägt dann ganz dick Orches­ter auf, bevor Sabine Edels­ba­cher nur mit Kla­vier­be­glei­tung zur Bal­lade anset­zen darf. Diese Num­mer geht unter die Haut wie nur ‘Else­where’ (von der CD Shine) bis­her. Viel­leicht ein biss­chen zu dra­ma­tisch zum Kin­der­ma­chen, jedoch per­fekt für einen Halloween-Abend.

Mit Remem­ber Me kommt der erste abso­lute Höhe­punkt des Albums und sicher­lich einer der bemer­kens­wer­tes­ten Edenbridge-Songs. Lei­der hat die Band ja sehr oft ein klei­nes Refrain-Problem, aber die­ser hat Ohrwurm-Qualitäten. Und die Kunst, einem gerad­li­ni­gen Metal­track mit allem, was dazu­ge­hört, eine melan­cho­li­sche Note zu geben, muss den Jungs und Mädel erst jemand nach­ma­chen. Zusam­men mit dem fina­len Opus ‘MyE­arth­Dream’ der beste Track auf die­ser Scheibe!

Fal­len from Grace könnte auch als neue Hymne der Lin­zer ver­wen­det wer­den. Noch per­fek­ter wird die Mischung aus klas­si­schem Orches­ter und Metal­ele­men­ten nicht. Die Gesangs­spur hat ein gewis­ses ’schrä­ges’ Ele­ment, das erst im ein­gän­gi­gen, sehr fei­nen Refrain ver­schwin­det. Ein biss­chen die Katze im Sack, ein biss­chen kon­fus, im End­ef­fekt aber eine gute Sache.

Place of Hig­her Power ist etwas dick auf­ge­tra­ge­ner Schmalz, passt aber zum Aus­klang die­ses Teils der CD. Und Eden­bridge sind doch am bes­ten, wenn sie zu dick auf­tra­gen — das zeig­ten schon Stü­cke wie ‘Shine’, ‘Mid­night at Noon’ oder ‘Vel­vet Eyes of Dawn’.

MyE­arth­Dream ist der titel­ge­bende Track und ein Geschenk an die Fans von Metal-Opern wie ‘Arcana’ oder ‘Shine’ von den jeweils gleich­na­mi­gen Alben. Der Unter­schied: MED ist schär­fer defi­niert und hält sich mit dem Schwulst mehr zurück, was es wohl auch für Metal­ler zugäng­li­cher macht. Ein län­ge­rer Orches­tral­part rund um Minute 4 holt den Head­ban­ger zwar aus dem Rhyth­mus, lei­tet aber gekonnt in den 2. Akt über, der wesent­lich brei­ter ange­legt ist. Rezi­prok ver­hält es sich beim nächs­ten Bruch bei etwa Minute 8 — hier haben die Strei­cher Kaf­fee­pause und Lan­vall tobt sich an sei­ner neuen sie­ben­sai­ti­gen Gitarre so rich­tig aus. Und so rich­tig schön wird es zum Abschluss: Sabine und ein zurück­hal­ten­des Orches­ter las­sen das Album bei­nahe besinn­lich auslaufen.

BONUS: Auf der Limited Edi­tion befin­det sich noch die MyEarthDream-Suite, die eher auf eine Gandalf-Scheibe aus den 80ern gepasst hätte als auf die­ses Album. Es über­rascht wenig zu erfah­ren, dass Eden­bridge für MED eng mit Gan­dalf (aka Heinz Strobl) zusam­men­ge­ar­bei­tet haben.

Glatte 9 von 10 Ster­nen. Ein biss­chen mehr wäre noch gegan­gen, aber auch so mit gro­ßem Abstand das beste Eden­bridge, das es je gab. Mit die­ser CD klop­fen die Lin­zer mehr denn je bei den inter­na­tio­na­len Grö­ßen an.

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