Edenbridge — MyEarthDream (akzeptabel.at)
2008
Lange mussten die Fans warten, seit April ist es endlich da: Das neue Album von Edenbridge, der Linzer Bombast-Metal-Combo, die angetreten ist, um Nightwish und anderen Bands aus der Sparte female fronted Metal das Fürchten zu lehren. Bisher konnte das aufgrund eher kleiner Produktionsbudgets nicht ganz gelingen, fehlte doch das letzte Quäntchen, das ’sehr guten’ Power Metal zu ‘überragendem’ macht — ein echtes Orchester. Auf der neuen Scheibe MyEarthDream, deren Name auch Programm ist, ändert sich das alles.
Wir versuchen, jetzt erdiger zu klingen — Frontfrau Sabine Edelsbacher
Es bleibt nicht beim Versuch. Was sich im Gespräch anhört, als würden Edenbridge auf einen Folk-Zug aufspringen, erweist sich beim Anhören von MyEarthDream als die beste Idee, die die Band jemals hatte: Die einzelnen Elemente wie Gitarren, Orchester und Gesang sind klarer definiert, und exotische Instrumente geben oft einen leicht abgehobenen Touch, der zum genauer Hinhören verführt. Und natürlich entwickelt sich Sabines Stimme weiter. “Ich möchte nicht mehr 20 sein”, sagt sie selbst — und das neue Album beweist, dass das auch ganz im Sinn der Fans ist.
Song by song
The Force Within ist ein rein instrumentaler Opener, der auch als Hommage an Komponist Lanvalls musikalisches Vorbild verstanden werden kann: Anton Bruckner. Auch wenn hier noch keine krachende Gitarre zu hören ist, versetzt das einminütige Stück doch in die richtige Stimmung. Und, wie schon auf der wesentlich weniger interessanten CD ‘The Grand Design’, zeigt es Mut zum außergewöhnlichen Einstieg.
Shadowplay, der zweite Track, legt dann gleich so richtig los. Kein typischer Headbanger, aber ein komplexer Showcase für die Talente der Band. Nett anzuhören, leider fehlt ein richtig eingängiger Refrain. Der volle Umfang erschließt sich erst beim genauen Hinhören. Vergleichbar mit ‘Terra Nova’ vom Vorgängerwerk The Grand Design, aber besser produziert und durchdachter.
Der erste Hit ist Paramount. 4.20 Minuten Entführung in die Welt von Edenbridge, die keine Sekunde lang loslässt und ihre Kraft über die gesamte Laufzeit hält. Vielleicht jener Song, der stimmlich am meisten von Sabine Edelsbacher fordert — und dank der schon oben angesprochenen ständigen Weiterentwicklung schafft sie das locker.
Undying Devotion dürfte eher die Fans klassischer Goth-Kost ansprechen. Auch wenn hier (noch) die genretypischen Growls eines ‘bösen’ Charakters fehlen, ist die Verwandtschaft doch klar und eindeutig. “Wir machen nicht Gothic”, so Sabine in einem Interview vor Veröffentlichung. Nu ja, ich glaube schon
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Adamantine, Power Metal vom Feinsten ohne viele Ecken und Kanten. Feiner Refrain, ein toller Mittelpart mit viel Energie und einem der wenigen Gitarrensoli von Bandchef Lanvall. Mit über sechs Minuten Länge etwas zu lang.
Whale Rider trägt dann ganz dick Orchester auf, bevor Sabine Edelsbacher nur mit Klavierbegleitung zur Ballade ansetzen darf. Diese Nummer geht unter die Haut wie nur ‘Elsewhere’ (von der CD Shine) bisher. Vielleicht ein bisschen zu dramatisch zum Kindermachen, jedoch perfekt für einen Halloween-Abend.
Mit Remember Me kommt der erste absolute Höhepunkt des Albums und sicherlich einer der bemerkenswertesten Edenbridge-Songs. Leider hat die Band ja sehr oft ein kleines Refrain-Problem, aber dieser hat Ohrwurm-Qualitäten. Und die Kunst, einem geradlinigen Metaltrack mit allem, was dazugehört, eine melancholische Note zu geben, muss den Jungs und Mädel erst jemand nachmachen. Zusammen mit dem finalen Opus ‘MyEarthDream’ der beste Track auf dieser Scheibe!
Fallen from Grace könnte auch als neue Hymne der Linzer verwendet werden. Noch perfekter wird die Mischung aus klassischem Orchester und Metalelementen nicht. Die Gesangsspur hat ein gewisses ’schräges’ Element, das erst im eingängigen, sehr feinen Refrain verschwindet. Ein bisschen die Katze im Sack, ein bisschen konfus, im Endeffekt aber eine gute Sache.
Place of Higher Power ist etwas dick aufgetragener Schmalz, passt aber zum Ausklang dieses Teils der CD. Und Edenbridge sind doch am besten, wenn sie zu dick auftragen — das zeigten schon Stücke wie ‘Shine’, ‘Midnight at Noon’ oder ‘Velvet Eyes of Dawn’.
MyEarthDream ist der titelgebende Track und ein Geschenk an die Fans von Metal-Opern wie ‘Arcana’ oder ‘Shine’ von den jeweils gleichnamigen Alben. Der Unterschied: MED ist schärfer definiert und hält sich mit dem Schwulst mehr zurück, was es wohl auch für Metaller zugänglicher macht. Ein längerer Orchestralpart rund um Minute 4 holt den Headbanger zwar aus dem Rhythmus, leitet aber gekonnt in den 2. Akt über, der wesentlich breiter angelegt ist. Reziprok verhält es sich beim nächsten Bruch bei etwa Minute 8 — hier haben die Streicher Kaffeepause und Lanvall tobt sich an seiner neuen siebensaitigen Gitarre so richtig aus. Und so richtig schön wird es zum Abschluss: Sabine und ein zurückhaltendes Orchester lassen das Album beinahe besinnlich auslaufen.
BONUS: Auf der Limited Edition befindet sich noch die MyEarthDream-Suite, die eher auf eine Gandalf-Scheibe aus den 80ern gepasst hätte als auf dieses Album. Es überrascht wenig zu erfahren, dass Edenbridge für MED eng mit Gandalf (aka Heinz Strobl) zusammengearbeitet haben.
Glatte 9 von 10 Sternen. Ein bisschen mehr wäre noch gegangen, aber auch so mit großem Abstand das beste Edenbridge, das es je gab. Mit dieser CD klopfen die Linzer mehr denn je bei den internationalen Größen an.