Oliver Uschmann — Hartmut und ich (akzep​ta​bel​.at)

Sep
2008
26

Was pas­siert, wenn zwei Män­ner, die das Leben nicht allzu ernst sehen, in eine gemein­same WG zie­hen? So man­ches, das sei schon mal ver­ra­ten! Oli­ver Usch­mann ver­steht es, einen zwei­fel­los auto­bio­gra­phisch ange­hauch­ten WG-Wahnsinn auch noch glaub­wür­dig wir­ken zu las­sen. Hart­mut — der nihi­lis­ti­sche Woh­nungsco — springt einen harm­lo­sen Rad­fah­rer an und wird zum Hel­den. Hart­mut führt seine iro­nisch gebro­che­nen Stu­di­en­kol­le­gen vor, an sich lus­tig und sehr rea­lis­tisch, lei­der schwach in der Auf­lö­sung. Hart­mut beschließt nach Ansicht von Plüsch-Handschellen, jetzt die Welt im Allein­gang vor der Über­sät­ti­gung zu bewah­ren. Hart­mut ist natür­lich tod­ernst dabei, vor allem des­halb, weil es ja auch um eine Frau geht. Was tut der Ich-Erzähler inzwi­schen? Er legt sich in die Wanne und hört Hart­mut beim gepfleg­ten Ona­nie­ren zu, was sich nicht ver­mei­den lässt, weil das Bad ja ein Durch­gangs­zim­mer ist.

Autor Usch­mann ver­steht es, das All­täg­li­che sanft in eine Art Wahn­sinn abglei­ten zu las­sen, die abso­lut glaub­wür­dig wirkt. In rela­tiv kur­zen Streif­lich­tern wird die Figur des Hart­mut, den es, wie Sven Rege­ners Herrn Leh­mann, sicher­lich irgend wo da drau­ßen gibt, scharf kon­tu­riert und plas­tisch. Am Ende des rela­tiv dün­nen ers­ten Bänd­chens will man dann mehr — und zum Glück ist Usch­mann schnel­ler als Tex­ter­gott Rege­ner: ‘Hart­mut und ich’ hat bereits drei Nach­fol­ger — ‘Wan­del­ger­ma­nen’, ‘Voll beschäf­tigt’ und ‘Murp!’. Keine Lek­türe für tief­sin­nige Geis­ter, aber für den Som­mer per­fekt geeig­net. Und wer weiß, viel­leicht ist man danach ein biss­chen weiser.

Ins­ge­samt 8 von 10 Ster­nen, da Geschich­ten aus dem All­tag beson­ders leicht (und ver­füh­re­risch) sind. Außer­dem, wenn schon die Sci­ence Fic­tion die­ser Tage kein Gegen­ge­wicht zu Hun­der­schaf­ten ewig glei­chen Fantasy-Einheitsbreis schaf­fen kann, dann doch gleich lie­ber ganz zurück zur Erde — oder bes­ser, ins Ruhrgebiet.

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