Oliver Uschmann — Hartmut und ich (akzeptabel.at)
2008
Was passiert, wenn zwei Männer, die das Leben nicht allzu ernst sehen, in eine gemeinsame WG ziehen? So manches, das sei schon mal verraten! Oliver Uschmann versteht es, einen zweifellos autobiographisch angehauchten WG-Wahnsinn auch noch glaubwürdig wirken zu lassen. Hartmut — der nihilistische Wohnungsco — springt einen harmlosen Radfahrer an und wird zum Helden. Hartmut führt seine ironisch gebrochenen Studienkollegen vor, an sich lustig und sehr realistisch, leider schwach in der Auflösung. Hartmut beschließt nach Ansicht von Plüsch-Handschellen, jetzt die Welt im Alleingang vor der Übersättigung zu bewahren. Hartmut ist natürlich todernst dabei, vor allem deshalb, weil es ja auch um eine Frau geht. Was tut der Ich-Erzähler inzwischen? Er legt sich in die Wanne und hört Hartmut beim gepflegten Onanieren zu, was sich nicht vermeiden lässt, weil das Bad ja ein Durchgangszimmer ist.
Autor Uschmann versteht es, das Alltägliche sanft in eine Art Wahnsinn abgleiten zu lassen, die absolut glaubwürdig wirkt. In relativ kurzen Streiflichtern wird die Figur des Hartmut, den es, wie Sven Regeners Herrn Lehmann, sicherlich irgend wo da draußen gibt, scharf konturiert und plastisch. Am Ende des relativ dünnen ersten Bändchens will man dann mehr — und zum Glück ist Uschmann schneller als Textergott Regener: ‘Hartmut und ich’ hat bereits drei Nachfolger — ‘Wandelgermanen’, ‘Voll beschäftigt’ und ‘Murp!’. Keine Lektüre für tiefsinnige Geister, aber für den Sommer perfekt geeignet. Und wer weiß, vielleicht ist man danach ein bisschen weiser.
Insgesamt 8 von 10 Sternen, da Geschichten aus dem Alltag besonders leicht (und verführerisch) sind. Außerdem, wenn schon die Science Fiction dieser Tage kein Gegengewicht zu Hunderschaften ewig gleichen Fantasy-Einheitsbreis schaffen kann, dann doch gleich lieber ganz zurück zur Erde — oder besser, ins Ruhrgebiet.