Wahnsinn.
2008
Das kann man sich wohl nur leisten, wenn man noch immer glaubt, auf einer glücklichen, isolierten Insel der Seligen zu leben: Da lässt die schwerste Wirtschaftskrise in vielen Jahrzehnten das Gebälk der internationalen Finanz (und wohl bald auch der Realwirtschaft) krachen — und Österreich leistet sich langwierige Regierungsverhandlungen. Ein unfähiger Kanzler und ein Bauer als Finanzminister sind gelähmt, von einem Budget 2009 ist weit und breit nichts zu sehen. Von irgend woher werden Milliarden — die wir ja für eine Steuerreform nicht haben — gezaubert, um die heimischen Banken zu stützen. Der Bauer legt schockierende Zahlen für 2009 und 2010 vor, die Rede ist von 11 Milliarden Defizit und 100.000 neuen Arbeitslosen, und man nimmt sich Zeit für ausgiebige Gespräche.
Wären SPÖ und ÖVP auch nur ansatzweise staatstragend, würden sie sich selbst beim Schlafittchen nehmen, eine Expertenregierung unabhängig vom Parteibüchl bilden und sich in den Kampf gegen das drohende Ungemach stürzen. Die parteipolitischen Details können immer noch später ausverhandelt werden.
Passieren wird das natürlich nicht. Das Land fliegt auf Autopilot und hasst noch immer die EU, die sich in den letzten Wochen als erstaunlich effektiv erwiesen hat und der einzige Schutzschild ist, den Österreich im Moment hat. Die Biertrinker und Schnitzelfresser verstehen nicht, was vor sich geht und bilden sich noch immer ein, Kollege Öztürk wäre das Problem und wenn er weg wäre, bekommen wir alle Flügerl und Harfen. Es ist Zeit für die Noch-Großparteien, diesen Wahnsinn endlich zu bekämpfen und nicht auch noch durch entsprechenede Wortspenden zu unterstützen.