Medien.

Aug
2009
17

Ein schö­ner Arti­kel, wie es denn so intern in Öster­reichs Medi­en­land­schaft zugeht. So viel sei ver­ra­ten: Es ist ein Trauerspiel.

Für 1.500 Gul­den hatte Franz Raffl einst den Tiro­ler Frei­heits­kämp­fer Andreas Hofer an die Fran­zo­sen ver­ra­ten. Genau im Hofer­ge­denk­jahr wie­der­holt sich schein­bar die Geschichte. Her­mann Petz ver­scher­belte, vor allem um sei­nen per­sön­li­chen Macht­trieb zu befrie­di­gen, Tirols bedeu­tends­ten Medi­en­kon­zern an die Styria.

Das kann nicht im Sinne des TT-Gründers Joseph Ste­fan Moser gewe­sen sein, rau­nen der­zeit viele, die den eins­ti­gen Medi­en­za­ren von Tirol noch per­sön­lich kann­ten. Die Moser Hol­ding ist künf­tig nur noch ein Anhäng­sel des stei­ri­schen Kon­zerns Sty­ria. Die TT-Mutter geht im Impe­rium des Katho­li­schen Pres­se­ver­eins in der neuen Gesell­schaft Regio­nal­me­dien Hol­ding AG auf, der nach einem sich abzeich­nen­den „Ja“ der Kar­tell­be­hör­den 68 Pro­zent hal­ten wird. Die Raiff­ei­sen Lan­des­bank Ober­ös­ter­reich bekommt fünf Pro­zent vom Kuchen, den Erben der Fami­lie Moser blei­ben nur noch 27 Pro­zent. Da hel­fen alle Beteue­run­gen von offi­zi­el­ler Seite nichts, dass die TT durch den Deal auf­ge­wer­tet werde und jetzt Teil einer grö­ße­ren Fami­lie ist. Die Ent­schei­dun­gen fal­len künf­tig in Wien, Tirol ist nur noch eine Außen­stelle der Styria.

Das große Zit­tern in der Wie­ner Außen­stelle. In Tirol jubelt über die­sen Deal vor allem einer, Her­mann Petz. Der bis­he­rige Vor­stands­vor­sit­zende der Moser Hol­ding wird künf­tig von Wien aus die Geschi­cke von TT, Bezirks­blät­ter, Life Radio sowie Maga­zin­be­tei­li­gun­gen wie Tiro­le­rin, Wee­kend oder West lei­ten. Wäh­rend bei den knapp 1200 Moser Hol­ding Mit­ar­bei­tern das große Zit­tern vor den Syn­er­gien — sprich Kün­di­gun­gen umgeht — darf Petz als Lohn wei­ter das Zep­ter als CEO schwin­gen. Aller­dings unter der Auf­sicht von Horst Pir­ker, der natür­lich Gesamt­boss des Medi­en­kon­zerns Sty­ria bleibt und auch in die­ser von Petz geführ­ten Unter­ge­sell­schaft den Auf­sichts­rat lei­tet und somit das eigent­li­che Sagen hat.
Die Domi­nanz der Sty­ria ver­deut­licht auch der künf­tige Vie­rer­vor­stand der neuen Regio­nal­me­di­en­hol­ding AG. Die drei ande­ren neben Petz kom­men aus dem Styria-Management. Damit Petz seine Macht aus­baut, müs­sen seine bis­he­ri­gen Co-Vorstände in der Moser Hol­ding, Sil­via Lieb und Man­fred Schiechtl, die Ses­sel räu­men. Für sie wer­den neue Betä­ti­gungs­fel­der gesucht, aber im neuen Kom­man­do­team ist kein Platz mehr. Petz ist sei­nem gro­ßen Ziel, ähnlich mäch­tig zu wer­den wie Krone-Boss Hans Dichand, ohne Zwei­fel einen Schritt näher gekom­men. Für sich per­sön­lich hat er das Maxi­mum her­aus­ge­holt. Aber ob Kanz­ler Wer­ner Fay­mann künf­tig wirk­lich statt Onkel Hans den Her­mann aus Tirol anruft, darf bezwei­felt wer­den. Im Zwei­fel wird der Kanz­ler wohl eher Styria-Chef Horst Pir­ker konsultieren.

Wie­der ein kräf­ti­ger Bonus für Petz und Buob? Natür­lich dürfte ein­mal mehr die Kasse beim frü­he­ren Sparkassen-Mitarbeiter kräf­tig klin­geln. Und natür­lich beim mäch­ti­gen Schwei­zer Wirtschafts­treuhänder Ernst Buob, der noch bis 2023 die Geschi­cke der Fami­lie Moser im Allein­gang lenkt. „Zwi­schen drei und fünf Pro­zent des MoHo-Umsatzes dürf­ten Buob und Petz bekom­men“, schätzt ein Wie­ner Invest­ment­ban­ker, der Geschäfte in die­ser Grö­ßen­ord­nung mehr­fach abwi­ckelte. Zuletzt setz­ten diese 220 Mil­lio­nen Euro um, über sechs Mil­lio­nen Euro an Boni könn­ten somit flie­ßen.
Wohl einer der Haupt­gründe, warum Buob und Petz die Witwe des Grün­ders, Ursula Moser sowie die fünf Söhne Peter, Oswald, Hubert, Ivo und Ste­phan so mas­siv bedräng­ten, ähnlich wie beim Ver­kauf an Sprin­ger Ende der 90er Jahre wie­der die Mehr­heit am Unter­neh­men abzu­ge­ben. Die Fami­lie lockte Buob vor allem damit, end­lich den Geld­hahn ein wenig mehr auf­zu­dre­hen. Und mit­zu­re­den hat­ten die Mosers schon bis­her nichts.
Ein ande­rer Grund soll im Schul­den­stand der Moser Hol­ding begrün­det sein. Horst Pir­ker erläu­terte in eini­gen Hin­ter­grund­ge­sprä­chen mit Wie­ner Medi­en­jour­na­lis­ten, dass die MoHo 60 Pro­zent des Umsat­zes Schul­den habe. Wenn das stimmt, würde die Schul­den­last mit über 100 Mil­lio­nen Euro drü­cken. Das wäre auch eine ver­nünf­tige Erklä­rung, wa­rum die Sty­ria beim neuen Kon­strukt 68 Pro­zent hält und dafür nicht ein­mal ihre bei­den Wie­ner Tages­zei­tun­gen, Die Presse und das Wirt­schafts­blatt ein­brin­gen musste. Dafür spricht auch der in der Ing-Etzel-Straße ver­hängte „abso­lute Inves­ti­ti­ons­stopp“. Und dass Petz die Raiff­ei­sen Bank Ober­ös­ter­reich erst kürz­lich mit über 14 Pro­zent als Aktio­när in die Moser Hol­ding las­sen musste.

Petz feu­erte gna­den­los alle eins­ti­gen Weg­ge­fähr­ten. Petz ord­nete sei­nem gro­ßen Ziel alles unter. Alle Weg­be­glei­ter ließ er gna­den­los über die Klinge sprin­gen. Josef Propst kann ein Lied davon sin­gen. Der von TT-Gründer Moser ein­ge­setzte Vor­stands­chef hatte Petz als Num­mer Zwei auf­ge­baut. Als Propst zu Sprin­ger nach Ber­lin wech­selte, wurde Petz zum Nach­fol­ger ernannt, Propst in den Auf­sichts­rat der TT beru­fen. Doch schon kurze Zeit spä­ter mobbte er Propst aus die­sem Gre­mium. Die bei­den wech­seln außer Höf­lich­keits­flos­keln kein Wort mehr.
Ähnlich erging es Elmar Kon­zett, einst Mar­ke­ting­vor­stand der Moser Hol­ding. Er hatte Petz gemein­sam mit Sil­via Lieb als Vor­stand ver­tre­ten, als die­ser nach einer Herz­at­ta­cke mit dem Tode rang. Als er wenige Monate spä­ter wie­der zurück­kehrte, setzte er Kon­zett vor die Tür. TT-Chefredakteur Claus Rei­tan, Neue-Gründungschefredakteur Peter Plaik­ner, Anzei­gen­chef Bern­hard Schei­ber oder die für Son­der­pu­bli­ka­tio­nen zustän­di­gen Bir­gitt Dre­wes erging es nicht anders.
Letz­tes Opfer war TT-Chefredakteur Frank Staud, mit dem Petz den Expan­si­ons­kurs der MoHo bas­telte. Als Staud seine Beden­ken zum Ein­stieg in Ober­ös­ter­reich bei der kon­kurs­rei­fen Ober­ös­ter­rei­chi­schen Rund­schau, die zum Impe­rium des mäch­ti­gen Raiff­ei­sen Bos­ses Lud­wig Scha­rin­ger äußerte, fiel er in Ungnade.
In Tirol litt Petz beson­ders dar­un­ter, dass sein eige­ner Bekannt­heits­grad weit hin­ter jenem sei­nes Chef­re­dak­teurs lag. Als Staud auch noch Petzs Pläne zur Umstel­lung der TT ins Klein­for­mat durch­kreuzte, musste die­ser trotz Ver­tra­ges bis 2012 gehen. Illoya­li­tät lau­tete der Vor­wurf.
In Wahr­heit wollte Petz nur jenen Mit­strei­ter aus dem Weg räu­men, der nicht alles abnickte, son­dern immer kri­ti­scher hin­ter­fragte. Und weil Petz zu die­sem Zeit­punkt wusste, dass die TT in der Sty­ria auf­geht, brauchte er kei­nen star­ken und eigen­wil­li­gen Chef­re­dak­teur mehr in Tirol. Dass aus­ge­rech­net Petz sei­nem Chef­re­dak­teur zu große ÖVP-Nähe vor­warf ist gro­tesk. Holte doch Petz mit Fer­di­nand Eberle, Andreas Khol und Ernst Stras­ser drei ÖVP-Granden ins Boot als MoHo-Berater. Die­ses Team ergänzt Heidi Glück, einst Pres­se­che­fin von Kanz­ler Wolf­gang Schüs­sel. Und Bau­ern­bund­chef Toni Steix­ner gehört pri­vat genauso zu den engs­ten Freun­den von Petz, wie Tiwag-Chef Bruno Walln­öfer.
Als nächs­tes trifft das Petz­sche Macht­stre­ben seine bei­den MoHo Vor­stände Lieb und Schiechtl. Beide haben ihre Schul­dig­keit getan. Im neuen Vor­stand mit Sitz in Wien ist kein Platz mehr, denn Tirol stellt nur einen der vier Vor­stände. Den besetzt Petz selbst. Daher dür­fen Lieb und Schiechtl Vor­stände der Dru­cke­reien von Moho und Sty­ria wer­den. Lieb wird zudem Nie­der­las­sungs­lei­te­rin in Tirol.

1,8 Mil­lio­nen Euro Bonus für Petz bei Telesystem-Verkauf. Was Petz vom Tei­len mit sei­ner Eigen­tü­mer­fam­lie Moser, sei­nen Vor­stands­kol­le­gen Lieb und Schiechtl bzw. sei­nen Mit­ar­bei­tern hält, bewies er nach­hal­tig bei einem sei­ner Meis­ter­stü­cke, dem Ver­kauf von Kabel­be­trei­ber Tele­sys­tem an die UPC.
Denn kas­siert sol­len dem Ver­neh­men nach vor allem Buob und Petz haben. Obwohl der lukra­tive Ver­kauf über 80 Mil­lio­nen Euro ein­brachte, wurde der Wunsch nach einer Son­der­aus­schüt­tung an die Fami­lie Moser von Buob mit den Wor­ten abge­tan, „nicht so geld­gie­rig zu sein“, wie ein Fami­li­en­mit­glied berich­tet.
Fami­lie und Mit­ar­bei­ter der Moser Hol­ding staun­ten nicht schlecht, als Her­mann Petz in einem Inter­view mit dem Wirt­schafts­ma­ga­zin Trend seine Gier nach Aner­ken­nung ein­drucks­voll unter Beweis stellte. „Der Vor­stand der Moser Hol­ding bekam einen Bonus in Höhe von zwei Mil­lio­nen Euro“, ließ sich Petz zitie­ren und löste damit nicht nur intern ein Erd­be­ben aus. Wäh­rend er den Mit­ar­bei­tern ein Spar­pa­ket nach dem ande­ren abver­langte, sahnte er ab und brachte seine bei­den Mit­vor­stände Sil­via Lieb und Man­fred Schiechtl in Bedräng­nis.
Denn Petz ver­gaß im Trend zu erwäh­nen, dass Lieb und Schiechtl knapp 200.000 Euro vom Kuchen abbe­ka­men und er selbst rund 1,8 Mil­lio­nen ein­streifte. Kein Wun­der, dass kurze Zeit spä­ter eine mon­däne Villa am Stadt­rand von Wien ange­schafft wurde, als Ergän­zung zum Traum­haus in Patsch. Schon vor einem Jahr wusste Petz, dass er bald von Wien aus agie­ren würde. Daher brauchte er eine ent­spre­chende Bleibe.

TT muss ins Klein­for­mat. Was Insi­der lange ver­mu­te­ten, wurde mit der Bekannt­ma­chung des TT-Verscherbelns an die Sty­ria offi­zi­ell. Jetzt wird auch deut­lich, warum die Tiro­ler Tages­zei­tung, Flag­schiff und nach wie vor Cash Cow des Kon­zerns, mit aller Gewalt in ein Klein­for­mat umge­wan­delt wird. Anfang Novem­ber erscheint die TT im sel­ben For­mat wie die Kleine Zei­tung, sprich im Krone-Format. Und auch die Ober­ös­ter­rei­chi­sche Rund­schau wurde nach der Restruk­tu­rie­rung (über 100 Kün­di­gun­gen) in ein Klein­for­mat umge­wan­delt. Petz will künf­tig Per­so­nal und Kos­ten spa­ren. Innen– und Außen­po­li­tik, über­re­gio­na­ler Sport, Wirt­schaft und Kul­tur wer­den künf­tig nur noch ein Mal her­ge­stellt und dann an TT und Ober­ös­ter­rei­chi­sche Rund­schau ver­teilt. In Salz­burg will Petz noch Ende des Jah­res nach Vor­bild von Ober­ös­ter­reich mit einer Sonn­tags­rund­schau star­ten.
Petz träumt von einem Gegen­ge­wicht zur Krone. Dazu braucht er aber unbe­dingt eine starke Prä­senz im Osten Öster­reichs. Der Kurier steht am Spei­se­plan. Doch ob Raiffeisen-Generalanwalt Chris­tian Kon­rad zuschaut, wie sein Erz­feind, Ober­ös­ter­reichs Raiff­ei­sen­boss Lud­wig Scha­rin­ger, Mit­ei­gen­tü­mer vom Kurier wird, darf bezwei­felt wer­den. Auch die Dichands haben von Petz‘s Groß­mann­sucht lang­sam die Nase voll. Ab sofort dürfte jenem Mann, wel­chem das Fach­blatt „Jour­na­list“ die Aus­zeich­nung „Medi­en­ma­na­ger des Jah­res“ nach Bekannt­wer­den von Petzs Kün­di­gungs­wel­len in Ober­ös­ter­reich wie­der aber­kannte, ein eisi­ger Wind entgegenblasen.

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