Medien.
2009
Ein schöner Artikel, wie es denn so intern in Österreichs Medienlandschaft zugeht. So viel sei verraten: Es ist ein Trauerspiel.
Das kann nicht im Sinne des TT-Gründers Joseph Stefan Moser gewesen sein, raunen derzeit viele, die den einstigen Medienzaren von Tirol noch persönlich kannten. Die Moser Holding ist künftig nur noch ein Anhängsel des steirischen Konzerns Styria. Die TT-Mutter geht im Imperium des Katholischen Pressevereins in der neuen Gesellschaft Regionalmedien Holding AG auf, der nach einem sich abzeichnenden „Ja“ der Kartellbehörden 68 Prozent halten wird. Die Raiffeisen Landesbank Oberösterreich bekommt fünf Prozent vom Kuchen, den Erben der Familie Moser bleiben nur noch 27 Prozent. Da helfen alle Beteuerungen von offizieller Seite nichts, dass die TT durch den Deal aufgewertet werde und jetzt Teil einer größeren Familie ist. Die Entscheidungen fallen künftig in Wien, Tirol ist nur noch eine Außenstelle der Styria.
Das große Zittern in der Wiener Außenstelle. In Tirol jubelt über diesen Deal vor allem einer, Hermann Petz. Der bisherige Vorstandsvorsitzende der Moser Holding wird künftig von Wien aus die Geschicke von TT, Bezirksblätter, Life Radio sowie Magazinbeteiligungen wie Tirolerin, Weekend oder West leiten. Während bei den knapp 1200 Moser Holding Mitarbeitern das große Zittern vor den Synergien — sprich Kündigungen umgeht — darf Petz als Lohn weiter das Zepter als CEO schwingen. Allerdings unter der Aufsicht von Horst Pirker, der natürlich Gesamtboss des Medienkonzerns Styria bleibt und auch in dieser von Petz geführten Untergesellschaft den Aufsichtsrat leitet und somit das eigentliche Sagen hat.
Die Dominanz der Styria verdeutlicht auch der künftige Vierervorstand der neuen Regionalmedienholding AG. Die drei anderen neben Petz kommen aus dem Styria-Management. Damit Petz seine Macht ausbaut, müssen seine bisherigen Co-Vorstände in der Moser Holding, Silvia Lieb und Manfred Schiechtl, die Sessel räumen. Für sie werden neue Betätigungsfelder gesucht, aber im neuen Kommandoteam ist kein Platz mehr. Petz ist seinem großen Ziel, ähnlich mächtig zu werden wie Krone-Boss Hans Dichand, ohne Zweifel einen Schritt näher gekommen. Für sich persönlich hat er das Maximum herausgeholt. Aber ob Kanzler Werner Faymann künftig wirklich statt Onkel Hans den Hermann aus Tirol anruft, darf bezweifelt werden. Im Zweifel wird der Kanzler wohl eher Styria-Chef Horst Pirker konsultieren.
Wieder ein kräftiger Bonus für Petz und Buob? Natürlich dürfte einmal mehr die Kasse beim früheren Sparkassen-Mitarbeiter kräftig klingeln. Und natürlich beim mächtigen Schweizer Wirtschaftstreuhänder Ernst Buob, der noch bis 2023 die Geschicke der Familie Moser im Alleingang lenkt. „Zwischen drei und fünf Prozent des MoHo-Umsatzes dürften Buob und Petz bekommen“, schätzt ein Wiener Investmentbanker, der Geschäfte in dieser Größenordnung mehrfach abwickelte. Zuletzt setzten diese 220 Millionen Euro um, über sechs Millionen Euro an Boni könnten somit fließen.
Wohl einer der Hauptgründe, warum Buob und Petz die Witwe des Gründers, Ursula Moser sowie die fünf Söhne Peter, Oswald, Hubert, Ivo und Stephan so massiv bedrängten, ähnlich wie beim Verkauf an Springer Ende der 90er Jahre wieder die Mehrheit am Unternehmen abzugeben. Die Familie lockte Buob vor allem damit, endlich den Geldhahn ein wenig mehr aufzudrehen. Und mitzureden hatten die Mosers schon bisher nichts.
Ein anderer Grund soll im Schuldenstand der Moser Holding begründet sein. Horst Pirker erläuterte in einigen Hintergrundgesprächen mit Wiener Medienjournalisten, dass die MoHo 60 Prozent des Umsatzes Schulden habe. Wenn das stimmt, würde die Schuldenlast mit über 100 Millionen Euro drücken. Das wäre auch eine vernünftige Erklärung, warum die Styria beim neuen Konstrukt 68 Prozent hält und dafür nicht einmal ihre beiden Wiener Tageszeitungen, Die Presse und das Wirtschaftsblatt einbringen musste. Dafür spricht auch der in der Ing-Etzel-Straße verhängte „absolute Investitionsstopp“. Und dass Petz die Raiffeisen Bank Oberösterreich erst kürzlich mit über 14 Prozent als Aktionär in die Moser Holding lassen musste.
Petz feuerte gnadenlos alle einstigen Weggefährten. Petz ordnete seinem großen Ziel alles unter. Alle Wegbegleiter ließ er gnadenlos über die Klinge springen. Josef Propst kann ein Lied davon singen. Der von TT-Gründer Moser eingesetzte Vorstandschef hatte Petz als Nummer Zwei aufgebaut. Als Propst zu Springer nach Berlin wechselte, wurde Petz zum Nachfolger ernannt, Propst in den Aufsichtsrat der TT berufen. Doch schon kurze Zeit später mobbte er Propst aus diesem Gremium. Die beiden wechseln außer Höflichkeitsfloskeln kein Wort mehr.
Ähnlich erging es Elmar Konzett, einst Marketingvorstand der Moser Holding. Er hatte Petz gemeinsam mit Silvia Lieb als Vorstand vertreten, als dieser nach einer Herzattacke mit dem Tode rang. Als er wenige Monate später wieder zurückkehrte, setzte er Konzett vor die Tür. TT-Chefredakteur Claus Reitan, Neue-Gründungschefredakteur Peter Plaikner, Anzeigenchef Bernhard Scheiber oder die für Sonderpublikationen zuständigen Birgitt Drewes erging es nicht anders.
Letztes Opfer war TT-Chefredakteur Frank Staud, mit dem Petz den Expansionskurs der MoHo bastelte. Als Staud seine Bedenken zum Einstieg in Oberösterreich bei der konkursreifen Oberösterreichischen Rundschau, die zum Imperium des mächtigen Raiffeisen Bosses Ludwig Scharinger äußerte, fiel er in Ungnade.
In Tirol litt Petz besonders darunter, dass sein eigener Bekanntheitsgrad weit hinter jenem seines Chefredakteurs lag. Als Staud auch noch Petzs Pläne zur Umstellung der TT ins Kleinformat durchkreuzte, musste dieser trotz Vertrages bis 2012 gehen. Illoyalität lautete der Vorwurf.
In Wahrheit wollte Petz nur jenen Mitstreiter aus dem Weg räumen, der nicht alles abnickte, sondern immer kritischer hinterfragte. Und weil Petz zu diesem Zeitpunkt wusste, dass die TT in der Styria aufgeht, brauchte er keinen starken und eigenwilligen Chefredakteur mehr in Tirol. Dass ausgerechnet Petz seinem Chefredakteur zu große ÖVP-Nähe vorwarf ist grotesk. Holte doch Petz mit Ferdinand Eberle, Andreas Khol und Ernst Strasser drei ÖVP-Granden ins Boot als MoHo-Berater. Dieses Team ergänzt Heidi Glück, einst Pressechefin von Kanzler Wolfgang Schüssel. Und Bauernbundchef Toni Steixner gehört privat genauso zu den engsten Freunden von Petz, wie Tiwag-Chef Bruno Wallnöfer.
Als nächstes trifft das Petzsche Machtstreben seine beiden MoHo Vorstände Lieb und Schiechtl. Beide haben ihre Schuldigkeit getan. Im neuen Vorstand mit Sitz in Wien ist kein Platz mehr, denn Tirol stellt nur einen der vier Vorstände. Den besetzt Petz selbst. Daher dürfen Lieb und Schiechtl Vorstände der Druckereien von Moho und Styria werden. Lieb wird zudem Niederlassungsleiterin in Tirol.
1,8 Millionen Euro Bonus für Petz bei Telesystem-Verkauf. Was Petz vom Teilen mit seiner Eigentümerfamlie Moser, seinen Vorstandskollegen Lieb und Schiechtl bzw. seinen Mitarbeitern hält, bewies er nachhaltig bei einem seiner Meisterstücke, dem Verkauf von Kabelbetreiber Telesystem an die UPC.
Denn kassiert sollen dem Vernehmen nach vor allem Buob und Petz haben. Obwohl der lukrative Verkauf über 80 Millionen Euro einbrachte, wurde der Wunsch nach einer Sonderausschüttung an die Familie Moser von Buob mit den Worten abgetan, „nicht so geldgierig zu sein“, wie ein Familienmitglied berichtet.
Familie und Mitarbeiter der Moser Holding staunten nicht schlecht, als Hermann Petz in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Trend seine Gier nach Anerkennung eindrucksvoll unter Beweis stellte. „Der Vorstand der Moser Holding bekam einen Bonus in Höhe von zwei Millionen Euro“, ließ sich Petz zitieren und löste damit nicht nur intern ein Erdbeben aus. Während er den Mitarbeitern ein Sparpaket nach dem anderen abverlangte, sahnte er ab und brachte seine beiden Mitvorstände Silvia Lieb und Manfred Schiechtl in Bedrängnis.
Denn Petz vergaß im Trend zu erwähnen, dass Lieb und Schiechtl knapp 200.000 Euro vom Kuchen abbekamen und er selbst rund 1,8 Millionen einstreifte. Kein Wunder, dass kurze Zeit später eine mondäne Villa am Stadtrand von Wien angeschafft wurde, als Ergänzung zum Traumhaus in Patsch. Schon vor einem Jahr wusste Petz, dass er bald von Wien aus agieren würde. Daher brauchte er eine entsprechende Bleibe.
TT muss ins Kleinformat. Was Insider lange vermuteten, wurde mit der Bekanntmachung des TT-Verscherbelns an die Styria offiziell. Jetzt wird auch deutlich, warum die Tiroler Tageszeitung, Flagschiff und nach wie vor Cash Cow des Konzerns, mit aller Gewalt in ein Kleinformat umgewandelt wird. Anfang November erscheint die TT im selben Format wie die Kleine Zeitung, sprich im Krone-Format. Und auch die Oberösterreichische Rundschau wurde nach der Restrukturierung (über 100 Kündigungen) in ein Kleinformat umgewandelt. Petz will künftig Personal und Kosten sparen. Innen– und Außenpolitik, überregionaler Sport, Wirtschaft und Kultur werden künftig nur noch ein Mal hergestellt und dann an TT und Oberösterreichische Rundschau verteilt. In Salzburg will Petz noch Ende des Jahres nach Vorbild von Oberösterreich mit einer Sonntagsrundschau starten.
Petz träumt von einem Gegengewicht zur Krone. Dazu braucht er aber unbedingt eine starke Präsenz im Osten Österreichs. Der Kurier steht am Speiseplan. Doch ob Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad zuschaut, wie sein Erzfeind, Oberösterreichs Raiffeisenboss Ludwig Scharinger, Miteigentümer vom Kurier wird, darf bezweifelt werden. Auch die Dichands haben von Petz‘s Großmannsucht langsam die Nase voll. Ab sofort dürfte jenem Mann, welchem das Fachblatt „Journalist“ die Auszeichnung „Medienmanager des Jahres“ nach Bekanntwerden von Petzs Kündigungswellen in Oberösterreich wieder aberkannte, ein eisiger Wind entgegenblasen.