Lost — in Space.

Aug
2009
22

Neue Science-Fiction-Serie, die ganz viel­ver­spre­chend wirkt: Defy­ing Gra­vity mit Ron Livings­ton. Die Macher schei­nen sich ihrer Sache nicht ganz sicher zu sein, denn die ers­ten drei Fol­gen gibts im Moment gra­tis im iTunes-Store. Wenn man weiß, wie man sich einen ame­ri­ka­ni­schen Account erschleicht ;)

Schon von den ers­ten Minu­ten an ist klar, dass es sich nicht um ein actionge­la­de­nes Welt­rauma­ben­teuer à la Star Trek han­delt. Hier die kurze Inhalts­an­gabe von imdb​.com:

In the near future, eight astro­nauts from five coun­tries (four women and four men) under­take a mys­te­rious six-year inter­na­tio­nal space mis­sion cove­r­ing thir­teen bil­lion kilo­me­tres. With the eyes of the world upon them — ever­y­thing they do is moni­to­red, and every emo­tion they feel, scru­ti­ni­zed — they soon dis­co­ver that their real assi­gn­ment is not at all what they thought

Der Stoff ist aller­dings nicht plot­ge­trie­ben. Es geht um die Cha­rak­tere, und hier liegt auch das Pro­blem. Es ist ver­zeih­bar, dass vor allem die weib­li­che Besat­zung des Raum­schif­fes Ant­ares aus­schließ­lich aus Models zu beste­hen scheint, die Schau­spie­ler mit weni­gen Aus­nah­men sind noch etwas zu schwach, um rich­tig Stim­mung auf­kom­men zu las­sen. Das kann sich natür­lich nach eini­gen Fol­gen ändern, denn Schau­spie­ler wach­sen mit den Figu­ren, die sie ver­kör­pern. Man ver­sucht sich in 2001scher Ästhe­tik (die Ant­ares hat doch ein ‚biss­chen’ Ähnlich­keit mit der Dis­co­very One), was aber im Medium Fern­se­hen nicht ganz gelingt. Die rela­tiv kur­zen Seri­en­fol­gen schreien förm­lich danach, dass die Geschichte fort­schrei­tet. Doch noch ist das kein Pro­blem, noch ist man, eben­falls ganz LOST, damit beschäf­tigt, die Hin­ter­grund­ge­schich­ten der ein­zel­nen Prot­ago­nis­ten zu zei­gen. Das könnte jedoch zum Pro­blem wer­den: Auch bei JJ Adams’ Mystery-Serie musste zur Halb­zeit etwas geän­dert wer­den, da die Hin­ter­gründe die Zuschauer zu lang­wei­len begannen.

Defy­ing Gra­vity wird jedoch gezwun­ge­ner Maßen wesent­lich län­gere Pha­sen des Still­stan­des haben. Das liegt an der Route, die die Astro­nau­ten durch das Son­nen­sys­tem neh­men. Sechs Jahre sind geplant, sie­ben Pla­ne­ten sol­len besucht wer­den. Wer sich ein biss­chen in der Raum­fahrt aus­kennt weiß, dass bei so einer Route von sechs Jah­ren min­des­tens fünf reine, ereig­nis­lose Flug­zeit sein müs­sen. Und da man sich für einen Mis­si­ons­ver­lauf inner­halb des Son­nen­sys­tems ent­schie­den hat, wird es auch kaum externe Ein­flüsse wie Ano­ma­lien oder Außer­ir­di­sche geben kön­nen, die etwas Abwechs­lung in den All­tag brin­gen. Im Ver­lauf der Serie wird sich wohl eher das Bezie­hungs­ka­rus­sel zwi­schen den Besat­zungs­mit­glie­dern fröh­lich dre­hen. Das jedoch wird in einem Drama keine ganze Staf­fel inter­es­sant machen.

Bleibt ‚das Geheim­nis’. Wie auch bei LOST ‚ist’ etwas an Bord der Ant­ares, das natür­lich nicht auf­ge­klärt wird. ‚Es’ tauscht aller­dings schon in der ers­ten Folge zwei Besat­zungs­mit­glie­der aus. ‚Es’ heißt Beta und wir erfah­ren selbst­ver­ständ­lich nicht, was es ist. Diese Art, Span­nung auf­zu­bauen, ist lei­der inzwi­schen etwas abgedroschen.

Die posi­ti­ven Sei­ten… die Idee an sich ist gut, die Aus­füh­rung kom­pe­tent und die wis­sen­schaft­li­chen Grund­la­gen bis auf einige win­zige Klei­nig­kei­ten, die nur Nerds auf­fal­len wer­den, abso­lut solide. Gerade Letz­ters ist sel­ten und fällt sehr ange­nehm auf, da sich die Natur­ge­setze in Film und Fern­se­hen grund­sätz­lich den Ansprü­chen der Auto­ren beu­gen müs­sen. Dann ist da natür­lich der Sym­pt­hief­ak­tor von Ron Livings­ton, der jeder sei­ner Film­fi­gu­ren einen vor­der­grün­dig nai­ven jedoch meist auch zyni­schen Cha­rak­ter gibt. Eine lobende Erwäh­nung muss auch die Art­di­rek­tion erhal­ten, denn optisch ist die Serie ein­wand­frei. Die Tech­nik scheint aller­dings in den letz­ten 50 Jah­ren (die Serie spielt 2052) nicht allzu viele Fort­schritte gemacht zu haben. Es wurde aber auf einen Krieg ange­spielt, viel­leicht gibt es dafür noch eine Erklärung.

Spe­zi­ell her­vor­zu­he­ben ist auch Karen LeBlanc, die die zuhause zurück­ge­blie­bene Ehe­frau eines Astro­nau­ten spielt und defi­ni­tiv in das ‚Geheim­nis’ ein­ge­weiht ist — wie auch ihr Ehe­mann. LeBlanc ist die ein­zige, deren schau­spie­le­ri­sche Leis­tung im Pilot­film heraussticht.

Für den Pilot gibts ein 7,5/10 ‚weil die Serie viel Poten­zial hat und der Erfolg aus­schließ­lich von der Qua­li­tät der Auto­ren abhängt’. Diese Serie kann groß­ar­tig wer­den — oder ein tota­ler Flop. Unmög­lich, das jetzt schon vorherzusagen.

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  1. - Stargate: Universe
    [...] spätestens seit Atlantis ein Fixpunkt dieses Universums ist. Dieses Element spielt auch bei Defying Gravity eine große [...]

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