Lost — in Space.
2009
Neue Science-Fiction-Serie, die ganz vielversprechend wirkt: Defying Gravity mit Ron Livingston. Die Macher scheinen sich ihrer Sache nicht ganz sicher zu sein, denn die ersten drei Folgen gibts im Moment gratis im iTunes-Store. Wenn man weiß, wie man sich einen amerikanischen Account erschleicht ;)
Schon von den ersten Minuten an ist klar, dass es sich nicht um ein actiongeladenes Weltraumabenteuer à la Star Trek handelt. Hier die kurze Inhaltsangabe von imdb.com:
In the near future, eight astronauts from five countries (four women and four men) undertake a mysterious six-year international space mission covering thirteen billion kilometres. With the eyes of the world upon them — everything they do is monitored, and every emotion they feel, scrutinized — they soon discover that their real assignment is not at all what they thought
Der Stoff ist allerdings nicht plotgetrieben. Es geht um die Charaktere, und hier liegt auch das Problem. Es ist verzeihbar, dass vor allem die weibliche Besatzung des Raumschiffes Antares ausschließlich aus Models zu bestehen scheint, die Schauspieler mit wenigen Ausnahmen sind noch etwas zu schwach, um richtig Stimmung aufkommen zu lassen. Das kann sich natürlich nach einigen Folgen ändern, denn Schauspieler wachsen mit den Figuren, die sie verkörpern. Man versucht sich in 2001scher Ästhetik (die Antares hat doch ein ‚bisschen’ Ähnlichkeit mit der Discovery One), was aber im Medium Fernsehen nicht ganz gelingt. Die relativ kurzen Serienfolgen schreien förmlich danach, dass die Geschichte fortschreitet. Doch noch ist das kein Problem, noch ist man, ebenfalls ganz LOST, damit beschäftigt, die Hintergrundgeschichten der einzelnen Protagonisten zu zeigen. Das könnte jedoch zum Problem werden: Auch bei JJ Adams’ Mystery-Serie musste zur Halbzeit etwas geändert werden, da die Hintergründe die Zuschauer zu langweilen begannen.
Defying Gravity wird jedoch gezwungener Maßen wesentlich längere Phasen des Stillstandes haben. Das liegt an der Route, die die Astronauten durch das Sonnensystem nehmen. Sechs Jahre sind geplant, sieben Planeten sollen besucht werden. Wer sich ein bisschen in der Raumfahrt auskennt weiß, dass bei so einer Route von sechs Jahren mindestens fünf reine, ereignislose Flugzeit sein müssen. Und da man sich für einen Missionsverlauf innerhalb des Sonnensystems entschieden hat, wird es auch kaum externe Einflüsse wie Anomalien oder Außerirdische geben können, die etwas Abwechslung in den Alltag bringen. Im Verlauf der Serie wird sich wohl eher das Beziehungskarussel zwischen den Besatzungsmitgliedern fröhlich drehen. Das jedoch wird in einem Drama keine ganze Staffel interessant machen.
Bleibt ‚das Geheimnis’. Wie auch bei LOST ‚ist’ etwas an Bord der Antares, das natürlich nicht aufgeklärt wird. ‚Es’ tauscht allerdings schon in der ersten Folge zwei Besatzungsmitglieder aus. ‚Es’ heißt Beta und wir erfahren selbstverständlich nicht, was es ist. Diese Art, Spannung aufzubauen, ist leider inzwischen etwas abgedroschen.
Die positiven Seiten… die Idee an sich ist gut, die Ausführung kompetent und die wissenschaftlichen Grundlagen bis auf einige winzige Kleinigkeiten, die nur Nerds auffallen werden, absolut solide. Gerade Letzters ist selten und fällt sehr angenehm auf, da sich die Naturgesetze in Film und Fernsehen grundsätzlich den Ansprüchen der Autoren beugen müssen. Dann ist da natürlich der Sympthiefaktor von Ron Livingston, der jeder seiner Filmfiguren einen vordergründig naiven jedoch meist auch zynischen Charakter gibt. Eine lobende Erwähnung muss auch die Artdirektion erhalten, denn optisch ist die Serie einwandfrei. Die Technik scheint allerdings in den letzten 50 Jahren (die Serie spielt 2052) nicht allzu viele Fortschritte gemacht zu haben. Es wurde aber auf einen Krieg angespielt, vielleicht gibt es dafür noch eine Erklärung.
Speziell hervorzuheben ist auch Karen LeBlanc, die die zuhause zurückgebliebene Ehefrau eines Astronauten spielt und definitiv in das ‚Geheimnis’ eingeweiht ist — wie auch ihr Ehemann. LeBlanc ist die einzige, deren schauspielerische Leistung im Pilotfilm heraussticht.
Für den Pilot gibts ein 7,5/10 ‚weil die Serie viel Potenzial hat und der Erfolg ausschließlich von der Qualität der Autoren abhängt’. Diese Serie kann großartig werden — oder ein totaler Flop. Unmöglich, das jetzt schon vorherzusagen.
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[...] spätestens seit Atlantis ein Fixpunkt dieses Universums ist. Dieses Element spielt auch bei Defying Gravity eine große [...]