Linz-Wahl: Warum rechts auch hier gewinnen konnte.

Sep
2009
28

Auch in Linz spie­gelt sich das lan­des­weite Wahl­er­geb­nis wider. Da kann man fra­gen: Warum eigent­lich? In 21 Jah­ren Franz Dobusch und SPÖ-Absoluter hat sich Linz von einem ver­s­mog­ten schwer­in­dus­tri­el­len Drecks­loch zu einer der lebens­wer­tes­ten Städte Öster­reichs ent­wi­ckelt. Es liegt bei der Luft­qua­li­tät für Städte mit Schwer­in­dus­trie an der Euro­pa­spitze. Linz09 wird gut ange­nom­men und macht die Stadt bun­ter. Ver­dienst der ÖVP oder gar der Kleiner-Mann-zahlt-große-Oper-FPÖ ist das ganz sicher nicht.

Was diese Par­teien aller­dings per­fekt umge­setzt haben ist, den Lin­zern Angst vor ihrer eige­nen Stadt zu machen. Mes­ser und Sprit­zen an jeder Ecke, tau­sende Aus­län­der­ban­den, die nur dar­auf war­ten, echte Arie… Öster­rei­cher zu atta­ckie­ren, Fremde in der eige­nen Stadt.

Was natür­lich kom­plet­ter Schwach­sinn ist. Ebenso wie die Idee, es könne jemals irgend wo auf die­sem Pla­ne­ten eine Stadt mit null Kri­mi­na­li­tät geben. Doch die rech­ten Angst­ma­cher spe­ku­lie­ren dar­auf, dass das Wahl­vieh auf der Straße genau das­selbe sieht wie sie selbst: mehr Men­schen, die nicht wie echte Öster­rei­cher aus­se­hen (wie sieht man da eigent­lich aus?) An sich hat man damit in Linz kein Pro­blem. Doch die Paro­lendre­scher ver­ste­hen es sehr gut, eines zu erzeu­gen. Sicher gibt es da und dort — vor allem im Süden — Pro­bleme. Ich kann aller­dings den gan­zen Som­mer auch wäh­rend län­ge­rer Abwe­sen­heit meine stra­ßen­sei­tige Ter­ras­sen­tür sperr­an­gel­weit offen las­sen und nie hat sich eine der vie­len streu­nen­den Ost­ban­den erbarmt, mei­nen Sau­stall davonzutragen.

Das wahre Pro­blem besteht in der Par­al­lel­ge­sell­schaft, die sich ent­wi­ckelt. Man sieht es auf der Straße: Öster­rei­cher wie auch Migran­ten star­ren blick­los vor sich hin, bemüht, dem Ande­ren nicht in die Augen zu schauen. Im Klei­nen ist das keine Sache, da geht man gern zum Kebap­stand und zum tür­ki­schen Super­markt. Das sind ja eh brave, die kön­nen blei­ben. Schlimm sind die, die man nicht kennt.

Die Schuld dafür allein auf xeno­phobe Lin­zer zu schie­ben ist unfair und unwahr. Sicher ist die Asyl­po­li­tik eine Bun­des­an­ge­le­gen­heit, aber auch Städte kön­nen ihren Migran­ten etwas anbie­ten, um sich bes­ser inte­grie­ren zu kön­nen. Ein Bei­spiel: Kei­ner redet davon, dass diese Men­schen ihre Kul­tur und Spra­che an der Staats­grenze abge­ben müs­sen. Aber aus eige­ner Erfah­rung kann ich sagen… es ist kaum mög­lich, Urlaub in einem Land zu machen, in dem man kein Wort der Spra­che ver­steht. Das ist egal, wenn die ein­zi­gen Worte, die man in zwei Wochen am Strand flä­zen, Mar­ga­rita und Zigarre sind, kri­ti­scher wird es, wenn man in einem Land leben will. Hier kann die Stadt sehr wohl ein­grei­fen und sollte sich, wie auch der Bund, ein Bei­spiel an tra­di­tio­nel­len Ein­wan­de­rungs­län­dern neh­men. Sprach­kurse sind etwas, das jeder Ein­wan­de­rer in die USA oder Israel absol­vie­ren muss. Nicht, weil sich die Alt­ein­ge­ses­se­nen durch fremde Spra­chen gestört füh­len wür­den — eine lächer­li­che Idee für alle, die schon ein­mal zB in New York waren — son­dern um den Migran­ten das Ein­le­ben zu erleich­tern. Hier­zu­lande sind ver­pflich­tende Sprach­kurse jedoch etwas, bei dem sich die Rechte hämisch die Hände reibt und über ‚Asyl-Verschärfung’ jubelt. Die ande­ren Par­teien über­neh­men diese Denk­weise, die angeb­lich ‚aus dem Volk’ kommt. Damit wird sie zum poli­ti­schen Streit­punkt und man über­trifft sich gegen­sei­tig darin, wer die höhe­ren Hür­den auf­bauen kann. SPÖ und Grüne hal­ten dann tra­di­tio­nell dage­gen. Und weil die SPÖ nun ein­mal die Abso­lute in Linz hat, gibt es auch keine ver­pflich­ten­den Sprach­kurse im Wis­sen­sturm denn wir mögen unsere Migran­ten ja. Darum las­sen wie sie in Ruhe.

Man kann die­ses Bei­spiel auf prak­tisch alle Berei­che des Zusam­men­le­bens ausweiten.

Auf der Stre­cke blei­ben Öster­rei­cher und Migran­ten. Beide Grup­pen betrach­ten sich mit von man­chen Medien geschür­tem Miss­trauen. Es kommt zu Rei­be­reien, die rech­ten Paro­len wer­den zu einer selbst­er­fül­len­den Pro­phe­zei­ung. Dum­mes Teen­ager­ge­rede wird zum ernst­haf­ten Pro­blem, wenn diese Teen­ager tür­ki­scher Her­kunft sind (auch wenn sie schon in 3. Gene­ra­tion die öster­rei­chi­sche Staats­bür­ger­schaft besit­zen). Nur ‚aus­län­di­sche’ Teen­ager machen näm­lich Dumm­hei­ten. Frü­her, als es die noch nicht gab, waren wir (im Sinne von Eltern) an sel­bi­gen schuld, daher war alles nicht so schlimm. Heute kön­nen wir pau­schal ‚die Aus­län­der’ ver­ur­tei­len und uns ganz toll dabei füh­len, dass ‚unsere’ zwar rau­chen und sau­fen wie die Löcher bevor sie sich nach dem Bier­zelt mit dem fri­sier­ten Golf GTI und drei Pro­mille auf den Weg machen, aber zumin­dest müs­sen wir uns nicht irgend wel­che dum­men Sprü­che von Frem­den anhö­ren. So ein­fach ist das.

Die Poli­tik tut nichts dagegen.

Gerade hier wäre sie jedoch gefragt. Das geht auch und vor allem an die ‚linke’ Seite der poli­ti­schen Land­schaft, so es diese abseits der 1,7-Prozent-Partei KPÖ über­haupt noch gibt. Inte­gra­tion heißt nicht, sich in aller Ruhe eine abge­schot­tete Par­al­lel­ge­sell­schaft ent­wi­ckeln zu las­sen. Gelun­gene Inte­gra­tion bedeu­tet, zuge­wan­derte Kul­tu­ren zu erhal­ten und gleich­zei­tig einen gesun­den Österreich-Patriotismus zu säen (das ist kein böses Wort, Natio­na­lis­mus ist). Bil­dung und ein moder­nes, inte­gra­ti­ves Bil­dungs­sys­tem, ein kla­rer Weg zur Staats­bür­ger­schaft sowie eine Arbeits­er­laub­nis so bald wie mög­lich sind hier auf Bun­des­ebene gefragt, Sprach­kurse und eine grund­le­gende staats­bür­ger­schaft­li­che Bil­dung auf Kom­mu­nen­ebene. Für die­ses Niveau des fried­li­chen Zusam­men­le­bens wür­den wohl die meis­ten Lin­zer mit Freude auf gegen­derte Ver­kehrs­schil­der und auch den einen oder ande­ren Reprä­sen­ta­ti­ons­bau verzichten.

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