Linz-Wahl: Warum rechts auch hier gewinnen konnte.
2009
Auch in Linz spiegelt sich das landesweite Wahlergebnis wider. Da kann man fragen: Warum eigentlich? In 21 Jahren Franz Dobusch und SPÖ-Absoluter hat sich Linz von einem versmogten schwerindustriellen Drecksloch zu einer der lebenswertesten Städte Österreichs entwickelt. Es liegt bei der Luftqualität für Städte mit Schwerindustrie an der Europaspitze. Linz09 wird gut angenommen und macht die Stadt bunter. Verdienst der ÖVP oder gar der Kleiner-Mann-zahlt-große-Oper-FPÖ ist das ganz sicher nicht.
Was diese Parteien allerdings perfekt umgesetzt haben ist, den Linzern Angst vor ihrer eigenen Stadt zu machen. Messer und Spritzen an jeder Ecke, tausende Ausländerbanden, die nur darauf warten, echte Arie… Österreicher zu attackieren, Fremde in der eigenen Stadt.
Was natürlich kompletter Schwachsinn ist. Ebenso wie die Idee, es könne jemals irgend wo auf diesem Planeten eine Stadt mit null Kriminalität geben. Doch die rechten Angstmacher spekulieren darauf, dass das Wahlvieh auf der Straße genau dasselbe sieht wie sie selbst: mehr Menschen, die nicht wie echte Österreicher aussehen (wie sieht man da eigentlich aus?) An sich hat man damit in Linz kein Problem. Doch die Parolendrescher verstehen es sehr gut, eines zu erzeugen. Sicher gibt es da und dort — vor allem im Süden — Probleme. Ich kann allerdings den ganzen Sommer auch während längerer Abwesenheit meine straßenseitige Terrassentür sperrangelweit offen lassen und nie hat sich eine der vielen streunenden Ostbanden erbarmt, meinen Saustall davonzutragen.
Das wahre Problem besteht in der Parallelgesellschaft, die sich entwickelt. Man sieht es auf der Straße: Österreicher wie auch Migranten starren blicklos vor sich hin, bemüht, dem Anderen nicht in die Augen zu schauen. Im Kleinen ist das keine Sache, da geht man gern zum Kebapstand und zum türkischen Supermarkt. Das sind ja eh brave, die können bleiben. Schlimm sind die, die man nicht kennt.
Die Schuld dafür allein auf xenophobe Linzer zu schieben ist unfair und unwahr. Sicher ist die Asylpolitik eine Bundesangelegenheit, aber auch Städte können ihren Migranten etwas anbieten, um sich besser integrieren zu können. Ein Beispiel: Keiner redet davon, dass diese Menschen ihre Kultur und Sprache an der Staatsgrenze abgeben müssen. Aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen… es ist kaum möglich, Urlaub in einem Land zu machen, in dem man kein Wort der Sprache versteht. Das ist egal, wenn die einzigen Worte, die man in zwei Wochen am Strand fläzen, Margarita und Zigarre sind, kritischer wird es, wenn man in einem Land leben will. Hier kann die Stadt sehr wohl eingreifen und sollte sich, wie auch der Bund, ein Beispiel an traditionellen Einwanderungsländern nehmen. Sprachkurse sind etwas, das jeder Einwanderer in die USA oder Israel absolvieren muss. Nicht, weil sich die Alteingesessenen durch fremde Sprachen gestört fühlen würden — eine lächerliche Idee für alle, die schon einmal zB in New York waren — sondern um den Migranten das Einleben zu erleichtern. Hierzulande sind verpflichtende Sprachkurse jedoch etwas, bei dem sich die Rechte hämisch die Hände reibt und über ‚Asyl-Verschärfung’ jubelt. Die anderen Parteien übernehmen diese Denkweise, die angeblich ‚aus dem Volk’ kommt. Damit wird sie zum politischen Streitpunkt und man übertrifft sich gegenseitig darin, wer die höheren Hürden aufbauen kann. SPÖ und Grüne halten dann traditionell dagegen. Und weil die SPÖ nun einmal die Absolute in Linz hat, gibt es auch keine verpflichtenden Sprachkurse im Wissensturm denn wir mögen unsere Migranten ja. Darum lassen wie sie in Ruhe.
Man kann dieses Beispiel auf praktisch alle Bereiche des Zusammenlebens ausweiten.
Auf der Strecke bleiben Österreicher und Migranten. Beide Gruppen betrachten sich mit von manchen Medien geschürtem Misstrauen. Es kommt zu Reibereien, die rechten Parolen werden zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Dummes Teenagergerede wird zum ernsthaften Problem, wenn diese Teenager türkischer Herkunft sind (auch wenn sie schon in 3. Generation die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen). Nur ‚ausländische’ Teenager machen nämlich Dummheiten. Früher, als es die noch nicht gab, waren wir (im Sinne von Eltern) an selbigen schuld, daher war alles nicht so schlimm. Heute können wir pauschal ‚die Ausländer’ verurteilen und uns ganz toll dabei fühlen, dass ‚unsere’ zwar rauchen und saufen wie die Löcher bevor sie sich nach dem Bierzelt mit dem frisierten Golf GTI und drei Promille auf den Weg machen, aber zumindest müssen wir uns nicht irgend welche dummen Sprüche von Fremden anhören. So einfach ist das.
Die Politik tut nichts dagegen.
Gerade hier wäre sie jedoch gefragt. Das geht auch und vor allem an die ‚linke’ Seite der politischen Landschaft, so es diese abseits der 1,7-Prozent-Partei KPÖ überhaupt noch gibt. Integration heißt nicht, sich in aller Ruhe eine abgeschottete Parallelgesellschaft entwickeln zu lassen. Gelungene Integration bedeutet, zugewanderte Kulturen zu erhalten und gleichzeitig einen gesunden Österreich-Patriotismus zu säen (das ist kein böses Wort, Nationalismus ist). Bildung und ein modernes, integratives Bildungssystem, ein klarer Weg zur Staatsbürgerschaft sowie eine Arbeitserlaubnis so bald wie möglich sind hier auf Bundesebene gefragt, Sprachkurse und eine grundlegende staatsbürgerschaftliche Bildung auf Kommunenebene. Für dieses Niveau des friedlichen Zusammenlebens würden wohl die meisten Linzer mit Freude auf gegenderte Verkehrsschilder und auch den einen oder anderen Repräsentationsbau verzichten.