OÖ-Wahl: rote Namensspiele.
2009
Erich Haider ist ein unsympathischer Politiker. Die einzige Aussage von ihm, die das jemals nicht war war, kam gestern im ORF: Nämlich, dass er allein der Verantwortung am demokratischen Massaker an der SPÖ-OÖ übernimmt und auch, in guter jedoch in Österreich nicht gerade üblicher Manier, seiner Partei die Vertrauensfrage stellen wird. Das wird er wohl bekommen — und hat es sich dafür verdient, nicht anderen die Schuld zuzuschieben.
Erich Haider ist allerdings nicht das Problem. Er hat sein Handwerk vom Namensvetter aus Bad Goisern gelernt und das kann man mögen oder auch nicht. Offenbar tun das nur mehr 24 Prozent aller Oberösterreicher. Doch Haider, so sehr man ihn auch kritisieren mag, ist nicht das Problem. Wie viele Wahlen hintereinander hat die SPÖ inzwischen verloren? EU, Vorarlberg, Oberösterreich, auch die NR-Wahl im Herbst 2008 war kein glorreicher Sieg sondern mehr eine Pflichtübung, bei der die FPÖ den selben Wähleranteil einsacken konnte, den die Roten verloren haben. Die SPÖ ist österreichweit in einer veritablen Krise, die nur durch die versuchte blaue Selbstzerfleischung von Knittelfeld übertüncht wurde. Woran liegt es? Es ist viel die Rede von Konturlosigkeit, Unterordnung unter den Juniorpartner ÖVP auf Bundesebene, keine oder zumindest die falschen Themen, kaum Angebote an Wähler unterhalb des Pensionsalters.
Alles wahr. Doch es gibt noch einen anderen Punkt: Der Wähler honoriert Dynamik in einer immer dynamischer werdenden Welt. Siehe die FPÖ. So wenig liebenswert diese Partei mit ihren immer sichtbarer werdenden braunen Streifen ist, sie macht eines perfekt: Sie hat zu jedem Thema eine Meinung. Natürlich ist es nur eine Worthülse ohne den Ansatz einer Lösung dahinter, aber diese Hülse wird immer perfekt in Einklang mit den beiden einzigen klar definierten Themen der Blauen (böse Ausländer und Gratis-Geldgeschenke für alle) gebracht. Wirtschaftskrise? Ostküste. Umwelt? ‚Heimat’ schützen. Zukunftängste? Ohne Ausländer wird alles besser. Diese Vorgehensweise ist ausgezeichnte PR, da sie ständige Medienpräsenz garantiert. Hier und da ein genau kalkulierter brauner Rülpser (Frequenz steigend) und die ‚Feind’-Medien echauffieren sich plangemäß, während der Kroneleser zufrieden grunzt — er hats ja schon immer gewusst, gut, dass sich das auch mal wer sagen traut!
Oder man sieht sich die eigentlich konservative ÖVP an. Wenn man die Politik betrachtet, besteht die eigentlich nur aus Besitzstandswahrung. Die Schwarzen verhindern schon seit Jahren eine längst überfällige Reform des gesamten Bildungswesens. Sie schafft ungestraft und unter wohlwollender Abnickung der SPÖ die Erbschaftssteuer ab. Jedoch… die Partei hat sich personell erneuert. Die desaströsen Jahre unter Wolfgang Schüssel sind heute vergessen, Schüssel selbst ein Hinterbänkler im Parlament, das damalige Personal verschwunden. An seiner Stelle — der unverbrauchte Josef Pröll. Dasselbe gilt für die Ministerliste der ÖVP, mit Ausnahme des Schlachtrosses Maria Fekter. Die allerdings die Doppelfunktion hat, mit einem zutiefst unappetitlichen Ultra-Rechtskurs FPÖ-Wähler anzusprechen.
Doch wie sieht es bei der SPÖ aus? Eigene Ideen kommen keine, aber auch Themen, die sich ohne rotes Zutun offenbaren, werden vermieden wo nur möglich. Man übt sich in einer Revolutionsrhetorik-light, deren Inhalte trotz Verwässerung einfach nicht mehr zur Zeit passen. Der Kapitalismus hat gewonnen, der Sozialismus spektakulär vor genau 20 Jahren verloren. Dass das offenbar in der Wiener Löwelstraße peripher bemerkt wurde, bezeugt nur die Umbenennung von ‚sozialistisch’ auf ‚sozialdemokratisch’. Die Anpassung an die globale Welt des 21. Jahrhunderts wurde verschlafen, das Spielfeld den Schreihälsen und ihrem verlogenen Gebrüll überlassen. Und das ist kein Wunder, wenn man sich das Personal der SP ansieht. Namen wie Cap, Bures und so weiter schwirren schon seit Jahrzehnten in immer wechselnden Positionen herum. Sicher, nach jeder Wahlniederlage zieht die SPÖ einen Vorsitzenden aus dem Hut, den bis dahin niemand kannte — aber bei genauerem Hinsehen handelt es sich um Parteisoldaten, die sich brav nach oben gebuckelt haben. Die Regierungsmannschaft scheint im Gegensatz zur schwarzen nur frisch und unverbraucht, da im Hintergrund genau die selben den Ton angeben, die das schon seit dem Kalten Krieg tun. Diese Sesselkleber, seit Jahren ausgebrannt und pensionsreif, sind das große Hindernis.
Ohne frisches Blut auf allen Ebenen wird das nichts mehr. So angetan der Altlinke von einem Cap auch sein mag, einen 18-jährigen Jungwähler, der seinem Bildungsdefizit entsprechend einfache Antworten auf große Probleme in seinem Leben sucht, wird man damit kaum hinter dem Ofen hervorlocken. Der wird den Rattenfängern nachrennen — denn die sind bis heute nicht gefordert, aus ihren utopischen Versprechungen auch reale Veränderungen zu machen. Man geht eben zum Schmied, wenn der Schmiedl nur nachhechelt.
Gefragt ist, dass die SPÖ mit neuen Denkern neue Ideen präsentiert. Lasst die alten Haudegen endlich in Pension gehen, sprecht mit einer Laura Rudas die Bürgerlichen und mit einem Wolfgang Moitzi die Linken an. Hört auf, die FPÖ rechts überholen zu wollen. Und ja, bietet trotzdem einfach zu erfassende Lösungen an. Der Unterschied muss jedoch sein, dass bei einer SPÖ auch tatsächlich hinter jeder einzelnen ein Plan steht und nicht die absolute inhaltliche Leere derer, die den blauen Himmel versprechen. Dann klappts sogar mit einem Erich Haider wieder.