Nach der ekelerregenden Minarett-Abstimmung in der Schweiz scheinen jetzt sogar die Grünen auf den Hetze-Geschmack zu kommen. Das Wasser testet dabei Efi Dönmez, junger türkischstämmiger Bundesrat.
Das gibts dabei zu sagen: NEIN, wir können Menschen NICHT vorschreiben, was sie anziehen dürfen oder nicht. Das ist eine sehr glatte, sehr abschüssige slippery slope. Aber das muss Dönmez natürlich nicht gesagt werden, das weiß er auch selbst. Warum sagt er dann sowas? Und warum hackt auch er auf Muslime hin, wenn es doch so viele schöne Opfer gäbe? Was ist zum Beispiel mit übergewichtigen Frauen in Leggings? Können wir die auch verbieten bitte? Die stören nämlich mich.
Er sagt es, weil er aus irgend einem Grund ebenfalls im flachen populistischen Tümpel fischen und die sich auch durch solch politische Idiotien immer mehr aufheizende Stimmung für sich nutzen will. Die Forenposts geben ihm Recht, die gesetzliche Diskrimination ist jetzt sogar in einer tendenziell linksliberalen Leserschaft salonfähig. Traurig eigentlich, dass es nicht mehr genug liberal denkende Menschen im Land zu geben scheint, wenigstens eine Zehnprozentpartei ohne die Hetzkeule am Leben zu erhalten.
Um das nochmal klar und deutlich zu sagen: Solchen Schwachfug erwarte ich von Barbara Rosenkranz. Die weiß es einfach nicht besser. Von einer Partei, der ich doch schon oft meine Stimme gegeben habe, ist eine solche Aussage indiskutabel.
Es ist schon klar, wofür eine Burka steht. ABER: Für die Grünen sollte trotz jugendlicher Rebellionswut nicht gelten, sich auf FPÖ-Territorium zu begeben und selektive Verbote für bestimmte Menschengruppen zu fordern. Hier ist eine bessere Idee: Österreich hat ein Umfeld, in dem sich Frauen sehr wohl aus der Oppression befreien können. Das muss ihnen allerdings mitgeteilt werden. Daher sollte es im Interesse aller Beteiligten sein, wenn Neuzuwanderer zuallererst eine grundlegende Schulung in ‘Österreichertum’ erhalten. Damit meine ich nicht Sudern, Schnitzelfressen und Strachewählen, sondern eine Aufklärung über Sprache, Rechte und Pflichten – wie das in allen anderen Einwanderungsländern teils schon seit Jahrhunderten funktioniert.
Die Frage ist jedoch, funktioniert das? Im Endeffekt liegt es an der Frau, diese Loslösung zu wollen. Es gibt genug echte Österreicherinnen mit Ariernachweis und allem, die jahrelang nicht von ihren prügelnden Männern loskommen, obwohl in diesem Land niemand hungern muss, wenn eine sehr einseitige Beziehung zu Ende geht. Schlimmer noch, scheinbar ist dieses Geprügeltwerden so schön, dass diese Frauen auch nach endlich vollzogener Trennung immer wieder zurückkommen. Kann man da den paar Burkaträgerinnen ohne Bildung wirklich vorwerfen, dass sie ebendies sind?
Neben den schwerwiegenden ethischen und menschenrechtlichen Konsequenzen staatlicher Kleidungsvorschriften würde ein Burkaverbot die Lage wohl nur verschlimmern: Die Frauen würden ganz einfach gar nicht mehr aus den Wohnungen gelassen werden. Wollen wir das dann auch verbieten? Gemeinschaftlicher, staatlich durchgeführter und überwachter Morgensport bietet sich an… und bin Laden reibt sich die Hände, weil seine wildesten Hasspredigten immer wahrer werden.
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2 Comments
Im wesentlichen geht es bei diesem Standard – Artikel um die Minarett – Debatte – das Thema Burka hat Dönmez nur mit zwei Sätzen aufgegriffen:
[...]
Dönmez: Die Burka hat nichts mit dem Islam zu tun, das ist Unterdrückung der Frau. Aber seien wir ehrlich: Wir reden hier über maximal eine Handvoll Burkaträgerinnen in Österreich.
[...]
Es geht eben NICHT um das Hinhauen auf den Islam. Es geht um dieses Symbol der Erniedrigung der Frau! Und da bin ich absolut auf Dönmez’ Seite – wie wohl die meisten Grünen auch, oder z.B. Alice Schwarzer, um nur eine Proponentin zu nennen …
Ein Verbot würde nur genau gar nichts bewirken, außer dass diese Frauen dann gar nicht mehr an die Öffentlichkeit kommen (dürfen). Was die Burka für ein Symbol ist, da sind wir uns vollkommen einig. Der einzige Ausweg ist, wie so oft, BILDUNG. Und zwar für alle.