Burka.

Dez
2009
01

Nach der ekel­er­re­gen­den Minarett-Abstimmung in der Schweiz schei­nen jetzt sogar die Grü­nen auf den Hetze-Geschmack zu kom­men. Das Was­ser tes­tet dabei Efi Dön­mez, jun­ger tür­kisch­stäm­mi­ger Bundesrat.

Das gibts dabei zu sagen: NEIN, wir kön­nen Men­schen NICHT vor­schrei­ben, was sie anzie­hen dür­fen oder nicht. Das ist eine sehr glatte, sehr abschüs­sige slip­pery slope. Aber das muss Dön­mez natür­lich nicht gesagt wer­den, das weiß er auch selbst. Warum sagt er dann sowas? Und warum hackt auch er auf Mus­lime hin, wenn es doch so viele schöne Opfer gäbe? Was ist zum Bei­spiel mit über­ge­wich­ti­gen Frauen in Leg­gings? Kön­nen wir die auch ver­bie­ten bitte? Die stö­ren näm­lich mich.

Er sagt es, weil er aus irgend einem Grund eben­falls im fla­chen popu­lis­ti­schen Tüm­pel fischen und die sich auch durch solch poli­ti­sche Idio­tien immer mehr auf­hei­zende Stim­mung für sich nut­zen will. Die Foren­posts geben ihm Recht, die gesetz­li­che Dis­kri­mi­na­tion ist jetzt sogar in einer ten­den­zi­ell links­li­be­ra­len Leser­schaft salon­fä­hig. Trau­rig eigent­lich, dass es nicht mehr genug libe­ral den­kende Men­schen im Land zu geben scheint, wenigs­tens eine Zehn­pro­zent­par­tei ohne die Hetz­keule am Leben zu erhalten.

Um das noch­mal klar und deut­lich zu sagen: Sol­chen Schwach­fug erwarte ich von Bar­bara Rosen­kranz. Die weiß es ein­fach nicht bes­ser. Von einer Par­tei, der ich doch schon oft meine Stimme gege­ben habe, ist eine sol­che Aus­sage indiskutabel.

Es ist schon klar, wofür eine Burka steht. ABER: Für die Grü­nen sollte trotz jugend­li­cher Rebel­li­ons­wut nicht gel­ten, sich auf FPÖ-Territorium zu bege­ben und selek­tive Ver­bote für bestimmte Men­schen­grup­pen zu for­dern. Hier ist eine bes­sere Idee: Öster­reich hat ein Umfeld, in dem sich Frauen sehr wohl aus der Opp­res­sion befreien kön­nen. Das muss ihnen aller­dings mit­ge­teilt wer­den. Daher sollte es im Inter­esse aller Betei­lig­ten sein, wenn Neu­zu­wan­de­rer zual­ler­erst eine grund­le­gende Schu­lung in ‚Öster­rei­cher­tum’ erhal­ten. Damit meine ich nicht Sudern, Schnit­zel­fres­sen und Stra­che­wäh­len, son­dern eine Auf­klä­rung über Spra­che, Rechte und Pflich­ten — wie das in allen ande­ren Ein­wan­de­rungs­län­dern teils schon seit Jahr­hun­der­ten funktioniert.

Die Frage ist jedoch, funk­tio­niert das? Im End­ef­fekt liegt es an der Frau, diese Los­lö­sung zu wol­len. Es gibt genug echte Öster­rei­che­rin­nen mit Ari­er­nach­weis und allem, die jah­re­lang nicht von ihren prü­geln­den Män­nern los­kom­men, obwohl in die­sem Land nie­mand hun­gern muss, wenn eine sehr ein­sei­tige Bezie­hung zu Ende geht. Schlim­mer noch, schein­bar ist die­ses Geprü­gelt­wer­den so schön, dass diese Frauen auch nach end­lich voll­zo­ge­ner Tren­nung immer wie­der zurück­kom­men. Kann man da den paar Bur­ka­trä­ge­rin­nen ohne Bil­dung wirk­lich vor­wer­fen, dass sie eben­dies sind?

Neben den schwer­wie­gen­den ethi­schen und men­schen­recht­li­chen Kon­se­quen­zen staat­li­cher Klei­dungs­vor­schrif­ten würde ein Bur­ka­ver­bot die Lage wohl nur ver­schlim­mern: Die Frauen wür­den ganz ein­fach gar nicht mehr aus den Woh­nun­gen gelas­sen wer­den. Wol­len wir das dann auch ver­bie­ten? Gemein­schaft­li­cher, staat­lich durch­ge­führ­ter und über­wach­ter Mor­gen­sport bie­tet sich an… und bin Laden reibt sich die Hände, weil seine wil­des­ten Hass­pre­dig­ten immer wah­rer werden.

2 comments

  1. admin
  2. Grünes Stricherl statt Blaues Stracherl

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