Dunkelbraun.
2009
Jeder, der in den letzten Stunden schlaue Forumspostings gelesen hat weiß, dass orange und blau zusammen braun ergeben. Auch wenns inzwischen inflationär ist: Interessant, wie das im Zusammenhang mit dem dritten Lager immer wieder schön passt.
Viel interessanter sind jedoch die weiterführenden Implikationen des heute aus der Taufe gehobenen ‚Kärntner Clubs’ im Parlament, die durch die Wiedervereinigung der FP mit dem Kärntner Teil des BZÖ zustande kommen. Hier ein wilder Verdacht: Die Rechten wollens wissen. Ohne jetzt den Teufel an die Wand malen zu wollen tut sich hier eine politisch und auch geografisch interessante Möglichkeit auf. Könnte es sein, dass sich das Dritte Lager seinen eigenen (Frei-)Staat zu zimmern versucht?
Bevor das als paranoides Hirngespinst abgetan wird, sollte man sich Folgendes vor Augen führen: Obwohl die FPÖ stetig im Aufwind ist, gibt es doch keine Chance für sie, jemals eine absolute Mehrheit im Nationalrat zu erringen. Soviel Intelligenz und Integrität unterstelle ich den Österreichern minus Kärnten jetzt. Sie wäre also immer maximal zweite Geige und auch eine immer weiter nach rechts rückende ÖVP wird kaum alle rassistischen, hetzerischen Wünsche dieser braunen Suppe erfüllen.
In Kärnten selbst ist das was Anderes. Hier hat das BZÖ und jetzt eben die FPÖ satte 44 Prozent der Wählerstimmen, Tendenz trotz Hypo-Wahnsinn, geistesgestörten Akteuren vom Landeshauptmann abwärts und gigantischen Schulden steigend. Was, wenn sich das rechte Lager jetzt mit vereinten Kräften auf dieses merkwürdige Bundesland stürzt? Den Staub ein bisschen setzen lässt und dann ein Volksbegehren startet, das die Loslösung von Österreich zum Ziel hat? Kann man Strache und Konsorten so ein Husarenstück zutrauen? Schwer zu sagen. Es wäre gewagt, das ist klar — denn geht es schief, ist diese FPÖ für Jahrzehnte weg vom Fenster.
Geht es gut, hat sie ihren eigenen Kleinstaat.
Dass es gut gehen könnte, dafür sprechen manche Indizien. Aus irgend einem Grund fällt zum Beispiel beinahe die Hälfte der Kärntner auf die transparenten Versprechungen, Verblendungen und Almosen von Jörg Haider und seinen Stellvertretern auf Erden herein. Schulden sieht man nicht, einen Hunderter in der Hand schon. Die Populismusschiene wirkt in Kärnten wie nirgends sonst. Und die dortigen Politiker können wenig, aber das schon.
Die Kärntner sehen sich nach jahrelangem entsprechendem politischem Trommelfeuer als ewig Benachteiligte in der Republik Österreich. Das wird politisch so gut gemacht, dass man Leuten wie Dörfler und dem feixenden Uwe Scheuch, der sich über die Retter seiner Landesbank auch noch lustig macht, direkt glauben könnte. Die wissen natürlich, dass dem nicht so ist. Weiß es der Bürger?
Was hätte solch ein Wahnsinn für Folgen? Oder, haben die Rechten die cojones, alles zu riskieren und Deutsch-Kärnten mittels gnadenlosem Populismus in die Unabhängigkeit zu führen und einen Versuch für ihr eigenes kleines Reich zu starten? Man weiß es nicht. Vielleicht interpretiere ich auch zu viel in das Verhalten dieser Leute. Genau genommen hoffe ich das sogar…