Avatar.
2009
Kurzkritik: Der zweite programmierte Blockbuster des Vorweihnachtsgeschäfts, James Camerons Avatar, ist jetzt nach langem, schwerem Hype endlich auf den Leinwänden der Welt zu sehen. Und genau dort sollte man diesen Film auch sehen. Wenn es je einen Film gegeben hat, der das Medium Kino bis zum Letzten ausreizt, dann dieser.
Wie bei anderen Blockbustern spare ich mir eine Inhaltsangabe, auch deshalb, weil nach zehn Minuten sowieso klar ist, wie alles enden wird. Der Weg dorthin ist jedoch uneingeschränkt sehenswert.
Interessant ist, wie eng sich Avatar, der ein SciFi-Film mit ganz großen Ausflügen ins Fantasy-Genre ist, vom formalen Ablauf her an Camerons Titanic anlehnt. Natürlich nicht so sehr von der Handlung, sondern von der Struktur. Stellt sich die Frage, ob das Titanic-Erfolgsrezept, für wirklich alle Kinozuschauer etwas zu bieten — von Waldgehopse und Romantik für die Frauen und kompetent inszeniertem Krachbumm für die Männer — 1:1 in eine fremde Welt übertragen lässt. Den Machern ist der Kunstgriff gelungen; man müsste einen minutengenauen Vergleich mit Camerons magnum opus anstellen, um zu sehen, ob nicht vielleicht sogar die Zeitmarken der Ereignisse gleich sind. Besonders auffallend ist das, wenn nach der obligaten Liebesnacht die bösen Bulldozer anrollen. Habe Titanic lange nicht gesehen, doch wurde der Eisberg nicht sofort nach derselben getroffen, womit dann der ‚Männerteil’ eingeleitet war? Bin fast sicher.
Und warum nicht. Titanic ist bis heute der erfolgreichste Film aller Zeiten, hat beinahe zwei Milliarden Dollar eingespielt.
Über die technischen Qualitäten von Avatar braucht man kein Wort verlieren. Hier steht die Tricktechtechnik dieser Tage und es ist glorreich. Peter Jacksons Effektfirma WETA treibt ihren Gollum auf die Spitze und erweckt teilweise Hunderschaften an überzeugend animierten Aliens zum Leben. Bei den Hauptdarstellern Zoë Saldaña und Sam Worthington funktioniert das ganz hervorragend, vor allem bei Massenszenen wähnt man sich jedoch hin und wieder in einem Animationsfilm. Schade auch, dass Saldaña nie ihre echte, menschliche Form zeigen darf. Die ist nämlich sehenswerter als alle Spezialeffekte zusammen. Das gilt übrigens auch für Sigourney Weaver, die mit ihren 60 noch lange nicht in die Rolle der weisen älteren Dame gedrängt wird und neben dem jungen Cast eine wirklich tolle Figur macht.
Hat Avatar auch Schwächen? Gute Frage. Es war mein erster 3D-Film und das ist eine Technik, die ich nicht unbedingt haben muss. Ja, der Effekt ist deutlich sichtbar, aber er ist auch überflüssig. Manche Einstellungen, gerade am Anfang, existieren nur, um Camerons eigens entwickelte Technik zu demonstrieren. Das ist ein Gimmick. Auch im Lauf des Films funktioniert 3D eigentlich nur selten — ins Auge springt ein Ausschnitt von vielleicht zwei Sekunden Länge gegen Ende, wenn die Funken eines Feuers sehr plastisch im Raum stehen. Die 3D-Tech lässt viele Szenen auch einfach künstlich und bluescreenig aussehen und macht auch die riesige Leinwand ‚kleiner’. Wers mag wird begeistert sein.
Warum Cameron ausgerechnet Michelle Rodriguez gecastet hat, weiß wohl nur er. Warum die schlechteste Schauspielerin der Welt mit ihren beiden ewig gleichen Gesichtsausdrücken noch immer Rollen bekommt und nicht Kellnerin in Kansas City ist, erschließt sich mir nicht. Zum Glück trägt sie meistens einen Helm und trifft vor dem Heldentod zwei durchaus sympathische Entscheidungen.
Ein kleiner Kritikpunkt gilt auch dem ersten Teil, in dem sich doch einige sinnlose Szenen finden, die offensichtlich nur existieren, um die tolle CGI in all ihrer Pracht zu zeigen. Das erzeugt Längen, die man aber im Gegensatz zum enttäuschenden 2012 gern auf sich nimmt.
Besonderes Lob gebührt nicht nur den CGI-Technikern, die eine sehr außerirdische Welt klischeefrei zum Leben erwecken, sondern auch den Produktionsdesignern Rick Carter und Robert Stromberg. Diese beiden Veteranen schaffen eine beinahe magische Welt, die hart mit der technisierten der menschlichen Darstellern kontrastiert. Der Kunstgriff dabei ist, dass sie dabei praktisch nie in Kitsch abgleiten. Gerade die Nachtszenen, wenn der Mond Pandora so richtig alien wird, hätte das brutal in die Hose gehen können. Tut es aber nicht, das Ergebnis ist atemberaubend.
Zusammenfassend kann gesagt werden: Endlich wieder einmal ein Film, der den gigantischen Hype im Vorfeld mehr oder weniger erfüllt. Wer drei Stunden Action erwartet, wird enttäuscht werden, aber natürlich kommen auch die Krachbumm-Fans auf ihre Kosten. Ich gebe Avatar 9/10 und schlage Herrn Cameron vor, bei der Oscarverleihung am besten mit einem Lieferwagen vorzufahren. Das sollte ein paar von den goldenen Herren einbringen.
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[...] manche Zuschauer werden dadurch zuhause sehr aus dem Film gerissen. Bei MBV ist das egal. Bei Avatar vermutlich ganz ...