In diesen Stunden läuft in Kärnten der Parteitag des rechten Sumpfes. Auf dem Spiel steht nichts weniger, als ob sich Uwe Scheuch durchsetzt (und mit einer merkwürdigen FPK ein Wurmfortsatz der Bundes-FPÖ wird) oder Josef Bucher (und damit das BZÖ erhalten bleibt). Die Vorgänge rund um den Parteitag sind hochdemokratisch und nicht im geringsten lächerlich. Da wird ‘feindlichen’ Rednern vom BZÖ das Mikro leiser gestellt, da werden Plakate mit Beschwörungen auf Jörg Haider gehisst und Delegierte, die sich von vornherein für ein Weiterbestehen des BZÖ ausgesprochen hatten, gar nicht eingelassen.
Thomas Fian am 16.01.2010 um 14:02 Uhr
Sprachlos!
Seppi Bucher wurde das Mikro leiser gedreht, die Kameramänner haben keinen Ton mehr… (www.kleinezeitung.at, die dankenswerter Weise einen Liveticker zum Ereignis hat)
Thomas Fian am 16.01.2010 um 14:06 Uhr
Skurrilität
Was derzeit abläuft ist an Skurrilität wohl nicht mehr zu überbieten. Nachdem Bucher mit seiner Rede angefangen hat, haben viele Leute den Raum verlassen und der Ton ist leiser geworden…
Thomas Fian am 16.01.2010 um 10:50 Uhr
Petzner und Bucher sind da
Begleitet von rund 100 "Fans" sind Seppi Bucher und Stefan Petzner gerade beim Konzerthaus angekommen. Mit im "Gepäck": Viele Spruchbänder mit Aufschriften á la "Lieber Jörg, bitte hilf uns, diese Verräter zu verscheuchen".
Strenge Kontrollen gibt es beim Eintritt in den Festsaal. Ohne Delgierten- oder Pressekarte kommt man nicht hinein, verschiedene BZÖ-Sympathisanten darunter. Dem orangen Abgeordneten Stefan Markowitz und dem BZÖ-Pressesprecher Heimo Lepuschitz wurde der Eintritt in den Festsaal verwehrt.
Gelebte Demokratie. Und die übliche rechte Paranoia darf auch nicht fehlen:
Abseits des Tagesplans bittet Scheuch anschließend die anwesenden Medien um "faire Berichterstattung", "gerade ich", sagt er, der sich in den nämlichen in den vergangenen Tagen wohl nicht gut vertreten gefühlt hat. (derstandard.at)
Unfassbar. Na ja, wenn Scheuch an der Macht ist, dann weht eh ein anderer Wind. Da werden sich die Schreiberlinge dann anschauen, wenn sie sich auf der Saualm wiederfinden!
Anschließend beginnt Dörfler mit seiner Rede – Er werde immer ein Oranger bleiben, aber "mit freiheitlicher Politik", sagt er. Dann weist er auf den Bruch zwischen Kärnten und den anderen Bundesländern hin. Diese "Ostregierung" in Wien hat "ja null Herz für Kärnten", sagt er. Er erntet lauten Applaus, "Jawoll" und "Bravo"-Rufe. (derstandard.at)…
In seiner Rede widmet sich der Landeshauptmann außerdem den Medien. Gerüchte gegen Scheuch seien gestreut worden, "diese journalistische Unkultur gegen die Kärntner wird nichts bringen", sagt er. "Wir Kärntner sind zusammengeschweißt". Und nicht nur Scheuch sei falsch behandelt worden oder die Sache rund um das Hypo-Debakel, "mich haben sie wegen eines kleinen Witzchens wochenlang durch die Medien gehetzt", sagt er. Aber heute sei der Tag der Abrechnung da, der Tag der Bilanz. (derstandard.at)…
Hat euch die ‘Ostregierung’ nicht gerade vor dem Bankrott gerettet? Egal, Dörfler ist irrelevant. Wie dieser Grenzdebile jemals mehr werden konnte als Gemeinderat in einer Gurktaler Kleinstgemeinde ist wohl ein Fall, den sich Historiker in kommenden Jahrzehnten noch genau anschauen werden.
Kurz gesagt: Uwe Scheuch erfüllt seine gottgegebene Aufgabe als größtmögliches Arschgeigerl der heimischen Politik. Bei aller Antipathie: Wenn man sich den Bauern aus dem Mölltal so anschaut, wirken plötzlich sogar Strache oder Petzner wie ein sympathische Demokraten. Gnade uns Allah, Jahwe, Gott oder Ganesha, wenn in Ungarn strafrechtlich gesuchte Autoschieber Mensch jemals in die Nähe vom wirklich großen (Bundes-)Geld kommt. Da werden dann fünf bis zehn Prozent nimmer ausreichen.
Den Reaktionen der Delegierten nach zu urteilen, die später mit großer Mehrheit Scheuch wählen werden, schätzen die Kärntner diese Art der ‘Politik’. Die nächsten Wahlen sind noch weit, das Chaos bald vergessen und der verklärte Blick auf Jörg Haider wahrscheinlich einmal mehr der ausschlaggebende Punkt. Dazu muss nun wirklich nichts mehr gesagt werden. Vielleicht schaffen aber ÖVP und SPÖ, eine Neuwahl durchzuboxen. Die Wahrscheinlichkeit ist gering. So viel demokratisches Bewusstsein existiert im ‘System Kärnten’ einfach nicht, denn von einem Abgang der ehemaligen Haider-Partie hätte niemand was. Trotz aller komödiantischen Ereignisse rund um FPÖ, FPK und BZÖ bedienen sich nämlich sehr wohl alle dort am Topf. Kommt was auf, wird es den Teflon-Braunen in die Schuhe geschoben, die dann nur Haider plakatieren müssen, um wieder reingewaschen zu sein. So einfach ist das im Karawankenland.
Wahldebakel
Interessant auch die aktulle OGM-Umfrage, wie die Kärntner heute abstimmen würden, wären Wahlen:
Seit 31 Jahren macht das OGM-Institut politische Umfragen. "So etwas Ungewöhnliches", wie in den letzten Tagen in Kärnten, hat Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer aber "noch nie erlebt". Die Mehrheit der Befragten sagte von sich aus, "ich würde gar nicht wählen gehen". Jeder vierte Befragte konnte sich für keine der vorgegebenen Parteien entscheiden. Eine "derart tief sitzende politische Frustration" ist als Zeichen "der größten Unzufriedenheit mit dem Parteienangebot" zu erklären. Ein Parteienförderungsskandal im Sommer, Finanz- und Hypo-Desaster im Herbst und zuletzt der Bruderkrieg im bisherigen BZÖ ist den Kärntnern zu viel. OGM hat gleichfalls erstmals in einem Bundesland eine mehrheitlich negative wirtschaftliche Grundstimmung erhoben. 57 Prozent der Kärntner sind der Meinung, ihr Bundesland "bleibt zurück". Im Oktober 2007 – noch unter Landeshauptmann Jörg Haider – zeigte sich ein völlig konträres Bild: damals sahen 59 Prozent Kärnten auf dem richtigen Weg. (www.kleinezeitung.at)
Faszinierend ist eigentlich nicht die Halbierung der Scheuch-Partie, sondern dass nach jahrelangen Skandalen, Umfärbelungen und generellem Chaos noch immer knapp ein Viertel der Kärntner glaubt, diese Leute wären in irgend einer Weise Heilsbringer. Außerdem, liebe OGM… wer profitiert eigentlich?