Terror!!!!!!
2010
Nach dem Fall jener (militanten?) Tierschützer, die zwar nicht ganz sauber sind aber auch keine mafiöse Verbindung, kommt jetzt eine neue und offenbar missliebige Gruppe ins Visier der Terrorfahnder: Die als brutale Schläger bekannten Väter, die um ihre Kinder kämpfen. Nun kann man vielleicht die Kampfrhetorik der dortigen Vereinszeitung nicht besonders mögen oder gar der Meinung sein, dass Männer und Väter bei Scheidungen gar nicht benachteiligt werden — Fakt ist aber, dass diese Männer ein legitimes Anliegen und das Recht auf Öffentlichkeit haben. Es ist auch nicht verboten, Kontakt zu den eigenen Kindern haben zu wollen.
Interessant ist, dass das jemandem ein Dorn im Auge ist. Burschenschaften und sonstige Nazispinner können verbotene Parolen skandierend durch die Straßen ziehen, die Polizei schaut weg. Ein ehemaliger Finanzminister und seine Spezis können sich an Steuergeldern bereichern, bis das Geldbörsl übergeht — bestraft werden die Seitenblicke-Zuschauer, denen diese Gestalten noch immer täglich schleimig entgegengrinsen. Die Hypo-Affäre, die dem Steuerzahler Hunderte Millionen gekostet hat, ist einen ganzen Staatsanwalt wert (oder sind es schon zwei?). Die Republik muss einen Waffenhändler laufen lassen, den zwar beim ganz offiziellen Eurofighter-Kauf kein Schwein brauchte, der aber Ehemann einer damaligen ÖVP-Ministerin war und daher wohl ein feines finanzielles Schnittchen machen musste. Skandal stapelt sich auf Skandal, den Preis bezahlen wir alle, es passiert nichts.Die EU lacht uns aus, die OECD bescheinigt Hilflosigkeit, die Wut in der Bevölkerung ob dieser Eskapaden wächst von Tag zu Tag. Was passiert? Die Justiz streikt. Aber keine Panik, die wichtigen Dinge werden sicher erledigt… Hauptsache, die gnadenlose Verfolgung von Schwarzfahrern funktioniert prächtig. Der Diebstahl eines Schokoriegels? Kann unter gewissen Umständen existenzbedrohend sein. Wehe, ein Kleinschuldner bezahlt eine Rechnung nicht pünktlich — da wird blitzartig eine ganze Eintreibermafia aktiv, und sie kann sich auf die unhinterfragte und pünktliche Unterstützung durch die Staatsgewalt verlassen (der Exekutor kommt im Extremfall nämlich, ohne dass die Legitimität einer Forderung nachgewiesen werden muss). Und offensichtlich hat man sich dort jetzt auch dem Kampf gegen Gruppen mit missliebigen Anliegen verschrieben.
Die Justiz war immer etwas, an dessen Fairness ein Großteil der Menschen glaubte. Etwas, das sich natürlich irren konnte, aber im Endeffekt für Gerechtigkeit sorgte. Als dritte unabhängige Säule des Staates stand sie immer abseits des politischen Tagesgeplänkels. Während das Vertrauen in die Politik ins Bodenlose sank, die Menschen in ihrer Verzweiflung ihr Wählervertrauen unappetitlich braunen Gestalten schenkten, arbeitete sie einfach. Doch mit jeder Woche, in der mehr Verfahren gegen Politker ‚vergessen’ werden, mit jedem Tag der Untätigkeit gegenüber jenen, die sich hemmungslos bereichern und mit jeder Stunde, in der offensichtlich wird, dass Justitias Augenbinde nicht nur verrutscht sondern abgängig ist, wird dieses Vertrauen weiter erschüttert. Das ist gefährlich. Vor allem in einer Situation wie der heutigen, in der sowieso nicht mehr viel Vertrauen in staatliche Einrichtungen — außer als verlässliche Steuergeldvernichter — vorhanden ist.
1 comment
Trackback e pingback
[...] Wo sie jedoch gefährlich wird, ist, wo sie auch tragende Säulen eines funktionierenden Staates durchsetzt. So wie etwa das ...