Missbrauch.

Mrz
2010
13

In der katho­li­schen Kir­che gärt es wie­der. Wei­tere Miss­brauchs­fälle an Kin­dern gelan­gen, Jahr­zehnte nach dem Gesche­hen, an die Öffent­lich­keit. Das hat­ten wir doch schon ein­mal — ein gewis­ser Kar­di­nal Groer wurde jedoch recht fix in ein Klos­ter abge­scho­ben, anstatt wie jeder nor­male Staats­bür­ger vor Gericht zu lan­den. Dann folgte ein eben­sol­cher Skan­dal in den USA, dann in Irland. Heute sind wir wie­der in Öster­reich ange­langt, die Kir­che steht unter Beschuss. Es wird wie­der über den Zöli­bat diskutiert.

Doch diese erzwun­gene Ehe­lo­sig­keit ist nicht der Grund für diese Fälle. Viel­mehr han­delt es sich um eine noch immer tief im (west­li­chen) Katho­li­zis­mus ver­wur­zelte  All­machts­fan­ta­sie. So posi­tiv die Kir­che hin und wie­der über­ra­schen kann, im Kern steckt sie nach wie vor im Mit­tel­al­ter fest. Das beginnt mit der stän­di­gen Ein­mi­schung in die Poli­tik des Lan­des über den schwar­zen Block, geht über die nach wie vor vor­han­dene Angst vor Macht­ver­lust durch offe­ne­ren Umgang mit der Sexua­li­tät und endet mit der kri­mi­nel­len Aus­übung der­sel­ben in ver­schwie­ge­nen Buben­in­ter­na­ten. Dro­hun­gen mit Hölle und Schwe­fel sowie die Scham, von einer Ver­trau­ens­per­son miss­braucht wor­den zu sein, wirkt nicht nur bei Kin­dern, son­dern trau­ma­ti­siert fürs ganze Leben. Nach­weis­bar ist, dass sexu­el­ler Miss­brauch auch eine Macht­de­mons­tra­tion gegen­über dem Opfer sein kann. Der Schluss, dass es sich um sol­che Fälle han­delt, liegt nahe. Ohne Ehe leben viele Men­schen, im Gegen­satz zu vie­len Kle­ri­kern auch gänz­lich ohne Sex. Diese Men­schen erhe­ben aller­dings nicht den Anspruch, die allei­nige mora­li­sche Instanz zu sein. Etwas Beschei­den­heit und ein Rück­zug auf ihre alten Grund­werte — und sei es nur als Atem­pause — täte dem römi­schen Chris­ten­tum gut.  Auch der Staat muss sich über­le­gen, was er mit sei­ner so-gut-wie-Staatsreligion anfängt. Das Kon­kor­dat end­lich in der Luft zu zer­rei­ßen wäre ein guter Anfang. Die­ser Rechts­bruch von­sei­ten der Repu­blik wäre auf vie­len Ebe­nen mehr als nur ver­tret­bar und würde auf lange Sicht — die man der katho­li­schen Kir­che wahr­lich nicht abspre­chen kann — wahr­schein­lich auch zuträglich.

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