Lachhaft.

Mrz
2010
25

Die Anschul­di­gun­gen des HC Stra­che gegen den ORF, der Skin­heads für ein paar saf­tige ‚Sieg Heils’ auf einer sei­ner bekannt huma­ni­tä­ren Ver­an­stal­tun­gen bezahlt haben soll, sind lach­haft. Ers­tens ist sich HC Stra­che sehr bewusst, dass genau ‚sol­che’ Leute im Bier­zelt in der ers­ten Reihe ste­hen. Jeder, der schon ein­mal auf einer sol­chen Ver­an­stal­tung war, weiß das auch. Stra­che hat noch nie­man­den des­we­gen zurecht­ge­wie­sen, denn an sich ist man sich ja einig. Er auf der Bühne darf das halt nicht sagen, aber ein Bier­chen oder drei mit den Jungs ohne Fri­sur gehen wohl immer.

Zwei­tens ist die Auf­re­gung ein klas­si­scher Fall von para­no­idem Ver­fol­gungs­wahn, wie ihn alle Extre­mis­ten zumin­dest nach außen zei­gen. Egal auf wel­cher Seite des poli­ti­schen Spek­trums, ohne ‚sie sind gegen ihn, weil er für euch ist’ ist so eine Bewe­gung nicht kom­plett. Das ist his­to­risch beob­acht­bar: Ohne Feind außer­halb der eige­nen Gesin­nungs­ge­mein­schaft geht gar nichts, weil ohne die­sen das ganze extre­mis­ti­sche Lügen­ge­bäude in sich zusam­men­bricht. In Öster­reich 2010 ist das nur an der FPÖ zu beob­ach­ten, da Links­ex­tre­mis­ten keine poli­ti­sche Rolle spie­len (außer im Geist eini­ger, für die alles links ist, das sich nicht schon bei­nahe vom rech­ten Rand hin­un­ter­fällt). Die macht es aller­dings mit Bra­vour und spielt die Kla­via­tur so vie­ler vor ihr per­fekt. Das Esta­blish­ment, die lin­ken Medien — amü­sant in einem Land, in dem 75 Pro­zent Krone und Heute lesen — und sowieso alle außer ihrer Kli­en­tel. Klas­sisch, durch­schau­bar und es funk­tio­niert wie immer bes­tens. Der beschwo­rene Feind schweißt zusam­men, die Gemein­schaft wird gestärkt, der Druck nach innen durch Worte anstatt der kon­kre­ten For­de­rung nach Taten erhöht. Man sollte ein Lehr­buch dar­über schrei­ben. Nur lei­der würde das wie­der nie­mand lesen und diese Art der stu­pi­den Volks­ver­blen­dung auch in Hin­kunft funktionieren.

Inter­es­sant in die­sem Zusam­men­hang ist übri­gens, wie schnell Staats­an­walt und Exe­ku­tive tätig wer­den, wenn es gegen ver­meint­li­che Angriffe gegen rechte Gali­ons­fi­gu­ren geht. Da wird nichts ver­legt, da ver­jährt nichts, nein. Stra­che sagt, die Poli­zei stürmt den Staats­funk in aller­bes­ter süd­ame­ri­ka­ni­scher Manier. Wäre man nur bei den Skan­da­len von Hypo über Scheuch bis Gras­ser I bis unend­lich so schnell. Dass sofort Rufe nach der Auf­he­bung des Redak­ti­ons­ge­heim­nis­ses laut wer­den, ist nur inso­fern ver­ständ­lich, als viele ent­spre­chend Unge­bil­dete nicht wis­sen, dass es sich dabei um DEN Grund­pfei­ler einer freien Presse han­delt. In den Kom­men­ta­ren zu oben ver­link­tem Arti­kel ist das auch sehr gut zu ver­fol­gen. Fakt ist: Wenn der Staat end­lich wie von Jörg Hai­der befoh­len ‚die Redak­ti­ons­stu­ben säu­bert’, dann kann die freie Presse zusper­ren. Der Gewin­ner? HC Stra­che oder werim­mer ihm dann schon das poli­ti­sche Hackl ins Kreuz gehauen hat. Eine unfreie, dem Staat aus­ge­lie­ferte Presse bedeu­tet näm­lich, die vierte Säule des Staa­tes und damit die wich­tigste Kon­troll­in­stanz zu entfernen.

Leave a Reply

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken &handeln! Willst du auch an der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien