Lachhaft.
2010
Die Anschuldigungen des HC Strache gegen den ORF, der Skinheads für ein paar saftige ‚Sieg Heils’ auf einer seiner bekannt humanitären Veranstaltungen bezahlt haben soll, sind lachhaft. Erstens ist sich HC Strache sehr bewusst, dass genau ‚solche’ Leute im Bierzelt in der ersten Reihe stehen. Jeder, der schon einmal auf einer solchen Veranstaltung war, weiß das auch. Strache hat noch niemanden deswegen zurechtgewiesen, denn an sich ist man sich ja einig. Er auf der Bühne darf das halt nicht sagen, aber ein Bierchen oder drei mit den Jungs ohne Frisur gehen wohl immer.
Zweitens ist die Aufregung ein klassischer Fall von paranoidem Verfolgungswahn, wie ihn alle Extremisten zumindest nach außen zeigen. Egal auf welcher Seite des politischen Spektrums, ohne ‚sie sind gegen ihn, weil er für euch ist’ ist so eine Bewegung nicht komplett. Das ist historisch beobachtbar: Ohne Feind außerhalb der eigenen Gesinnungsgemeinschaft geht gar nichts, weil ohne diesen das ganze extremistische Lügengebäude in sich zusammenbricht. In Österreich 2010 ist das nur an der FPÖ zu beobachten, da Linksextremisten keine politische Rolle spielen (außer im Geist einiger, für die alles links ist, das sich nicht schon beinahe vom rechten Rand hinunterfällt). Die macht es allerdings mit Bravour und spielt die Klaviatur so vieler vor ihr perfekt. Das Establishment, die linken Medien — amüsant in einem Land, in dem 75 Prozent Krone und Heute lesen — und sowieso alle außer ihrer Klientel. Klassisch, durchschaubar und es funktioniert wie immer bestens. Der beschworene Feind schweißt zusammen, die Gemeinschaft wird gestärkt, der Druck nach innen durch Worte anstatt der konkreten Forderung nach Taten erhöht. Man sollte ein Lehrbuch darüber schreiben. Nur leider würde das wieder niemand lesen und diese Art der stupiden Volksverblendung auch in Hinkunft funktionieren.
Interessant in diesem Zusammenhang ist übrigens, wie schnell Staatsanwalt und Exekutive tätig werden, wenn es gegen vermeintliche Angriffe gegen rechte Galionsfiguren geht. Da wird nichts verlegt, da verjährt nichts, nein. Strache sagt, die Polizei stürmt den Staatsfunk in allerbester südamerikanischer Manier. Wäre man nur bei den Skandalen von Hypo über Scheuch bis Grasser I bis unendlich so schnell. Dass sofort Rufe nach der Aufhebung des Redaktionsgeheimnisses laut werden, ist nur insofern verständlich, als viele entsprechend Ungebildete nicht wissen, dass es sich dabei um DEN Grundpfeiler einer freien Presse handelt. In den Kommentaren zu oben verlinktem Artikel ist das auch sehr gut zu verfolgen. Fakt ist: Wenn der Staat endlich wie von Jörg Haider befohlen ‚die Redaktionsstuben säubert’, dann kann die freie Presse zusperren. Der Gewinner? HC Strache oder werimmer ihm dann schon das politische Hackl ins Kreuz gehauen hat. Eine unfreie, dem Staat ausgelieferte Presse bedeutet nämlich, die vierte Säule des Staates und damit die wichtigste Kontrollinstanz zu entfernen.