iPad.

Apr
2010
04

Die Apple-Hypemaschine lief in den letz­ten Mona­ten auf Hoch­tou­ren. Schon seit Jah­ren (!) wird durch gezielt gestreute Gerüchte dar­auf hin­ge­ar­bei­tet, und in den letz­ten Tagen vor dem end­gül­ti­gen Ver­kaufs­start am Sams­tag erreichte die Erre­gung einen kaum mehr erträg­li­chen Höhe­punkt. Apple geht dabei ebenso geschickt wie pro­fes­sio­nell vor. In Europa gibt es für das iPad so gut wie keine klas­si­sche Wer­bung (in den USA schon). Die Arbeit erle­di­gen sämt­li­che Medien vom Pro­vinz­blatt Nach­rich­ten bis hin zur Zeit und BBC.

Von einem Mar­ke­ting­stand­punkt muss man Apple gra­tu­lie­ren. Die­ser abso­lute Zenit einer Mar­ke­ting­stra­te­gie, die ihres­glei­chen sucht, ist wahr­schein­lich Mil­li­ar­den Euro wert, wäre das alles über klas­si­sche Ein­schal­tun­gen gelau­fen. Aber der Apfel aus Cuper­tino hat sich eine fana­ti­sche Fan­ge­meinde auf­ge­baut, die ebenso kauf­kräf­tig wie laut­starkt ist — der Ide­al­fall. Wie schon beim iPhone erreichte die Fie­ber­kurve genau zum Ver­kaufs­start ihren Höhe­punkt mit vor Apple-Stores cam­pie­rende Fans, die teil­weise sogar extra in die USA geflo­gen sind, um das Ding wirk­lich am ers­ten Tag zu bekom­men. Da spie­len die Medien gerne mit und dru­cken auch die letzte Pres­se­mel­dung brav ab. Im größ­ten Online-Medium des Lan­des, auf der​stan​dard​.at/​web, fin­den sich im Moment rund zehn gleich­zei­tig, alle aus der letz­ten Woche allein. Nicht viel anders sieht es auf ande­ren Web­sites aus, die sich, wie etwa das ansons­ten sehr les­bare wired​.com, in Jubel­hym­nen überschlagen

Natür­lich ist wie immer voll­kom­men egal, dass die erste Ver­sion in rund einem hal­ben Jahr wesent­lich bil­li­ger wer­den wird und auch tech­ni­sche Män­gel auf­weist, die dann zum klei­ne­ren Preis aus­ge­bes­sert wer­den. Kennt man eben­falls, siehe iPhone, das erst in der 3. Gene­ra­tion rich­tig gut wurde. Und zu Anfang so teuer war und so schnell bil­li­ger wurde, dass Apple an die treuen early adop­ters 100-Dollar-Gutscheine ver­schi­cken musste, um einen Auf­stand zu vermeiden.

Es ist müßig, über die Vor– und Nach­teile zu dis­ku­tie­ren. Das wurde tau­send­fach in den Wochen seit Steve Jobs’ stark reli­giös ange­hauch­ter Prä­sen­ta­tion gemacht. Im End­ef­fekt ist das iPad eine Kauf– und Kon­sum­ma­schine, die es eigent­lich gra­tis zu einem Zeit­schrif­ten­abo geben müsste und wohl bald wird. Einen tie­fe­ren Sinn hat sie eigent­lich nicht; ist halt schön anzu­se­hen und auf dem Sofa recht prak­tisch. Von Hun­der­schaf­ten ande­rer Tablets unter­schei­det es sich nur im gigan­ti­schen Mar­ke­ting und darin, dass Apple bestimmt, was dar­auf lau­fen darf und nicht der ‚Eigentümer’.

Nun ja.

Scheint’s als hät­ten poten­zi­elle Käu­fer abseits der Fan­boys das begrif­fen. Aus­ver­kauft schon vor Ver­kaufs­start? Ken­nen wir schon. Und ganz offen­sicht­lich nicht wahr… denn die iPads lie­gen abseits des ers­ten Anstur­mes ziem­lich unver­käuf­lich in den Rega­len herum. So schnell kann sich der übli­che Hype mit (bezahl­ten?) Schlan­gen vor den Stores selbst als die selbst­ge­machte Chi­märe ent­lar­ven die er ist — wenn näm­lich eine Straße wei­ter genau gar nichts passiert.

1 comment

Trackback e pingback

No trackback or pingback available for this article

Leave a Reply

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken &handeln! Willst du auch an der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien