Ἀνάγκᾳ δ’οὐδὲ θεοὶ μάχονται.
2010
(Auch Götter können die Notwendigkeit nicht bekämpfen)
Man könnte zum linken Schreier werden. Da treiben die Spekulanten einen Staat beinahe in den Bankrott. Dann schaut man noch einmal hin und schwenkt um auf neoliberales Monstrum. Ja, hättens halt nicht so viele Schulden gemacht!
Beide Denkweisen sind in der momentanen griechischen Lage legitim. Zur Zielscheibe für die ausufernde Spekulation gegen Griechenland (von anderer Seite als landläufig angenommen) wurde das Land, weil es von Haus aus schon eine finanzielle Schieflage aufwies. Die Details brauchen nicht mehr wiederholt zu werden, das hat die internationale Presse in den letzten Wochen schon ausführlichst erklärt. Und, dass der Europäer mit seinem hart verdienten Geld jetzt die faulen Griechen retten muss. Weil die kennt man ja, da steht am Strand von Mykonos schon seit 25 Jahren dieselbe Rohbau-Ruine. Arbeiten? Sieht man höchstens die Tavernenwirte und die nur, weils sein muss.
So weit, so populistisch.
Fakt ist, dass das heute von der EU beschlossene Hilfspaket für Griechenland notwendig ist. Nicht, weil alle die Griechen so mögen sondern deshalb, weil es ein scharfes Signal an die internationalen Finanzmärkte ist. Europa lässt die Seinen nicht fallen. 110 Milliarden Euro ist es schwer. Gehen wird es an… die Banken. Und wohlhabende Staatsanleihenbesitzer. Euorpas Regierungen finden sich between a rock and a hard place — entweder Griechenland stützen oder in ein paar Monaten die Banken, die bei einem Staatsbankrott natürlich wieder ins Schlingern kommen würden. Weiß man ja, zocken ja, Risiko nein. Und too big to fail yadda yadda bla bla.
Dieses Geld ist also quasi im Orkus. Zurückkommen wird es nie wieder, höchstens in Form von Zinsen über einen langen Zeitraum. Österreich wird zwei Milliarden mehr Schulden haben, die Rückzahlungen werden anderweitig verbrannt, auch Österreich wird es nie mehr zurückzahlen sondern nur die eigene Zinslast abarbeiten.
Man darf gespannt sein, ob die westlichen (ja, auch die USA) Regierungen eine Lehre aus diesen Vorgängen ziehen werden. Für Europa ist das jene, dass eine Währungsunion mehr erfordert als einzelne Staaten, die nach Belieben wüten können. Brüssel muss eine mächtige und zentrale Finanzaufsicht installieren, die im Notfall und bei zu viel Budgettrickserei auch eingreifen kann. Die USA und Europa müssen begreifen, dass der absolut freie Finanzverkehr eine Falle ist. Der Gedanke ist ein guter. Aber ohne Aufsicht werden schon jetzt, wo die Nachwehen der letzten Krise noch nicht einmal ausgestanden sind, wieder ganz neue finanzielle Atombomben scharfgemacht. Man denke zum Beispiel an die inzwischen notorischen CDS (credit default swaps). 600 Billionen Dollar davon sind im Umlauf. Nur zum Vergleich: Das Gesamtvermögen des ganzen Planeten beträgt rund 54 Billionen. Ja das kommt vom Buchgeld, das gar nicht wirklich existiert, keinerlei Gegenwerte besitzt und doch recht spürbar wird, sobald es vom Bürger an Banken in Not überwiesen werden muss.
Wie könnte so eine Beschränkung vor sich gehen, ohne allzu freiheitsfeindlich zu werden? Nun ja, ein Anfang wäre eine Tobin Tax. Und scheidet auch sofort wieder aus, weil die global von ausnahmslos allen Staaten eingeführt werden müsste. Verweigert Burundi, ist es morgen der einzige Finanzplatz der Welt. Eine weitere Möglichkeit ist eine weltweite Währung. Das würde einzelne Staaten unangreifbar machen. Ist aber auszuschließen, da Währungen einen stark nationalistischen Charakter haben. Ja, es gibt auch in Österreich nicht so wenige, die noch immer in Schillingen rechnen. Außerdem, wer würde so ein Gebilde kontrollieren? 190 Staaten mit eigenen Motiven gemeinsam? Nun ja. Man sieht ja, wie einig sich die 16 der Eurozone sind…
Die gangbare Variante wären wohl Beschränkungen, was genau jetzt möglich ist und was nicht. Das erfordert aber große, kompetente und unbestechliche Aussichtsbehörden, die Einblick in die intimsten Details der Finanzwirtschaft haben. Was natürlich nicht durchführbar ist, aus genannten Gründen, und weil jeder Mensch seinen Preis hat, auch die mächtigsten Politiker.
Bleibt für den Einzelnen also nur eines. Und das ist eine Rückbesinnung auf Qualitäten, die die Menschheit schon seit Jahrtausenden an den Tag legt: Anpassungsfähigkeit und Zähigkeit. Man sollte den letzten Aufschwung vor dem großen, blutigen Reset (und das wird die nächste ‚Krise’) nutzen, um in gute, alte Werte zu investieren: Eine Hütte mit Gemüsegarten in abgelegener Lage und ein gut gepflegtes Gewehr.
4 comments
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- Die zumutbare Wahrheit.
[...] in NRW trotz Herumtaktiererei abgestraft, weil den Menschen klar war, dass die ungeliebte Griechenlandhilfe zwar teuer aber auch unvermeidlich ... -
Fiánna FAIL –
[...] nicht für blöd verkaufen ließen. Jedem Kleinkind war klar, dass ein Bailout Griechenlands notwendig sein würde. Nur Merkel war ...
Danke :)
++ !!!
Pulitzerpreis für diesen Kommentar!