Ἀνάγκᾳ δ’οὐδὲ θεοὶ μάχονται.

Mai
2010
03

(Auch Göt­ter kön­nen die Not­wen­dig­keit nicht bekämpfen)

Man könnte zum lin­ken Schreier wer­den. Da trei­ben die Spe­ku­lan­ten einen Staat bei­nahe in den Bank­rott. Dann schaut man noch ein­mal hin und schwenkt um auf neo­li­be­ra­les Mons­trum. Ja, hät­tens halt nicht so viele Schul­den gemacht!

Beide Denk­wei­sen sind in der momen­ta­nen grie­chi­schen Lage legi­tim. Zur Ziel­scheibe für die aus­ufernde Spe­ku­la­tion gegen Grie­chen­land (von ande­rer Seite als land­läu­fig ange­nom­men) wurde das Land, weil es von Haus aus schon eine finan­zi­elle Schief­lage auf­wies. Die Details brau­chen nicht mehr wie­der­holt zu wer­den, das hat die inter­na­tio­nale Presse in den letz­ten Wochen schon aus­führ­lichst erklärt. Und, dass der Euro­päer mit sei­nem hart ver­dien­ten Geld jetzt die fau­len Grie­chen ret­ten muss. Weil die kennt man ja, da steht am Strand von Myko­nos schon seit 25 Jah­ren die­selbe Rohbau-Ruine. Arbei­ten? Sieht man höchs­tens die Taver­nen­wirte und die nur, weils sein muss.

So weit, so populistisch.

Fakt ist, dass das heute von der EU beschlos­sene Hilfs­pa­ket für Grie­chen­land not­wen­dig ist. Nicht, weil alle die Grie­chen so mögen son­dern des­halb, weil es ein schar­fes Signal an die inter­na­tio­na­len Finanz­märkte ist. Europa lässt die Sei­nen nicht fal­len. 110 Mil­li­ar­den Euro ist es schwer. Gehen wird es an… die Ban­ken. Und wohl­ha­bende Staats­an­lei­hen­be­sit­zer. Euor­pas Regie­run­gen fin­den sich bet­ween a rock and a hard place — ent­we­der Grie­chen­land stüt­zen oder in ein paar Mona­ten die Ban­ken, die bei einem Staats­bank­rott natür­lich wie­der ins Schlin­gern kom­men wür­den. Weiß man ja, zocken ja, Risiko nein. Und too big to fail yadda yadda bla bla.

Die­ses Geld ist also quasi im Orkus. Zurück­kom­men wird es nie wie­der, höchs­tens in Form von Zin­sen über einen lan­gen Zeit­raum. Öster­reich wird zwei Mil­li­ar­den mehr Schul­den haben, die Rück­zah­lun­gen wer­den ander­wei­tig ver­brannt, auch Öster­reich wird es nie mehr zurück­zah­len son­dern nur die eigene Zins­last abarbeiten.

Man darf gespannt sein, ob die west­li­chen (ja, auch die USA) Regie­run­gen eine Lehre aus die­sen Vor­gän­gen zie­hen wer­den. Für Europa ist das jene, dass eine Wäh­rungs­union mehr erfor­dert als ein­zelne Staa­ten, die nach Belie­ben wüten kön­nen. Brüs­sel muss eine mäch­tige und zen­trale Finanz­auf­sicht instal­lie­ren, die im Not­fall und bei zu viel Bud­gettrick­se­rei auch ein­grei­fen kann. Die USA und Europa müs­sen begrei­fen, dass der abso­lut freie Finanz­ver­kehr eine Falle ist. Der Gedanke ist ein guter. Aber ohne Auf­sicht wer­den schon jetzt, wo die Nach­we­hen der letz­ten Krise noch nicht ein­mal aus­ge­stan­den sind, wie­der ganz neue finan­zi­elle Atom­bom­ben scharf­ge­macht. Man denke zum Bei­spiel an die inzwi­schen noto­ri­schen CDS (credit default swaps). 600 Bil­lio­nen Dol­lar davon sind im Umlauf. Nur zum Ver­gleich: Das Gesamt­ver­mö­gen des gan­zen Pla­ne­ten beträgt rund 54 Bil­lio­nen. Ja das kommt vom Buch­geld, das gar nicht wirk­lich exis­tiert, kei­ner­lei Gegen­werte besitzt und doch recht spür­bar wird, sobald es vom Bür­ger an Ban­ken in Not über­wie­sen wer­den muss.

Wie könnte so eine Beschrän­kung vor sich gehen, ohne allzu frei­heits­feind­lich zu wer­den? Nun ja, ein Anfang wäre eine Tobin Tax. Und schei­det auch sofort wie­der aus, weil die glo­bal von aus­nahms­los allen Staa­ten ein­ge­führt wer­den müsste. Ver­wei­gert Burundi, ist es mor­gen der ein­zige Finanz­platz der Welt. Eine wei­tere Mög­lich­keit ist eine welt­weite Wäh­rung. Das würde ein­zelne Staa­ten unan­greif­bar machen. Ist aber aus­zu­schlie­ßen, da Wäh­run­gen einen stark natio­na­lis­ti­schen Cha­rak­ter haben. Ja, es gibt auch in Öster­reich nicht so wenige, die noch immer in Schil­lin­gen rech­nen. Außer­dem, wer würde so ein Gebilde kon­trol­lie­ren? 190 Staa­ten mit eige­nen Moti­ven gemein­sam? Nun ja. Man sieht ja, wie einig sich die 16 der Euro­zone sind…
Die gang­bare Vari­ante wären wohl Beschrän­kun­gen, was genau jetzt mög­lich ist und was nicht. Das erfor­dert aber große, kom­pe­tente und unbe­stech­li­che Aus­sichts­be­hör­den, die Ein­blick in die intims­ten Details der Finanz­wirt­schaft haben. Was natür­lich nicht durch­führ­bar ist, aus genann­ten Grün­den, und weil jeder Mensch sei­nen Preis hat, auch die mäch­tigs­ten Politiker.

Bleibt für den Ein­zel­nen also nur eines. Und das ist eine Rück­be­sin­nung auf Qua­li­tä­ten, die die Mensch­heit schon seit Jahr­tau­sen­den an den Tag legt: Anpas­sungs­fä­hig­keit und Zähig­keit. Man sollte den letz­ten Auf­schwung vor dem gro­ßen, blu­ti­gen Reset (und das wird die nächste ‚Krise’) nut­zen, um in gute, alte Werte zu inves­tie­ren: Eine Hütte mit Gemü­se­gar­ten in abge­le­ge­ner Lage und ein gut gepfleg­tes Gewehr.

4 comments

  1. admin
  2. kraut

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  1. - Die zumutbare Wahrheit.
    [...] in NRW trotz Herumtaktiererei abgestraft, weil den Menschen klar war, dass die ungeliebte Griechenlandhilfe zwar teuer aber auch unvermeidlich ...
  2. Fiánna FAIL –
    [...] nicht für blöd verkaufen ließen. Jedem Kleinkind war klar, dass ein Bailout Griechenlands notwendig sein würde. Nur Merkel war ...

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