Fantastisch.
2010
Die ÖVP in Form der Regierungsmitglieder Marek und — no na — Fekter fordert Militärpolizei auf den Straßen von Wien. Abgesehen von der offensichtlichen Frage, was genau damit bezweckt werden soll (die Hauptaufgabe des Kommando Militärstreife & Militärpolizei, so heißt das nämlich, ist, Rekruten einzusammeln, die nicht pünktlich in der Kaserne erscheinen), zeigt dieser absurde und einer Militärdiktatur würdige Vorschlag eines: Man glaubt, das geht jetzt. Jahrelang wurden von rechts, und anders kann man die ÖVP nicht mehr bezeichnen, Angst und Hass geschürt. Die Ausländer, dubiose Ostbanden, Kinderschänder und Tierquäler lauern hinter jeder Ecke. Für jeden ein maßgeschneidertes Bedrohungsszenario, wir alle sollen Angst haben und vergessen, dass Österreich eigentlich eines der sichersten Länder der Welt ist. Denn Angst ist gut für jene, die verstehen, wie man selbige schürt und dann auch gleich Lösungen auf den Tisch legt. Egal, dass es diese Bedrohungen im kommunizierten Ausmaß gar nicht gibt (jeder ‚kennt’ jemanden, nur ganz wenige sind jemals selbst betroffen — und da handelt es sich meist um Bagatellen). Egal, dass hier künstlich und auf dem ohnehin gequälten Rücken der Verfassung dem Volk zum eigenen Vorteil ins Gesicht gelogen wird und die Manipulation eines Gefühls, das ganz unten auf der Maslow’schen Pyramide angesiedelt ist, zur Kunstform erhoben wird. Oder, um es anders zu sagen: Zuerst wird Panik verbreitet, um dann mit ‚Lösungen’ zu punkten.
Und ja, es ist Wahlkampf in Wien. Das ist der einzige Umstand, der solche Entgleisungen erklären kann. Da fliegt das Absurde schon mal richtig tief. Durch das institutionalisierte Dummhalten des Volkes wird diese reine Gefühlsebene durch Fakten nicht wirklich tangiert. Angst ist eine Uremotion. Die Rechte und auch die SPÖ wissen sie zu schüren. Krone und Politik sei Dank, dass weder Frau Fekter noch Landeshauptmann Niessl mit nassen Fetzen vom Souverän aus ihren Büros gejagt werden. Die aus politischen Gründen projizierte Perzeption einer ständigen Gefahr ist in Fleisch und Blut übergegangen. Die vorgeschlagenen Mittel, sich vor der allgegenwärtig lauernden Gefahr — egal ob Schwule, Asylanten oder sonstwer — zu schützen, wirken nur mehr im Extrem.
Man wird sehen, ob es ‚schon geht’. Die einzige Replik von Verteidigungsminister Darabos auf diesen Vorschlag war, dass er nicht genug Personal hätte. Das ist eine sehr, sehr schwache. Vielleicht hätte er statt dieser dürren Aussage seiner Ministerkollegin einen Ausschnitt aus der Bundesverfassung via APA zukommen lassen sollen. Diesen hier zum Beispiel:
Artikel 79. (1) Dem Bundesheer obliegt die militärische Landesverteidigung.
(Interessant übrigens, dass man bei fast jedem Vorschlag Fekters einen Artikel der Verfassung findet, den selbiger Vorschlg verletzt. Dazu braucht man nicht einmal Jus studiert haben wie die Frau Minister).
Das Bundesheer auf die Straßen einer Großstadt zu stellen, wäre ein Zeichen von Eskalation. Ein Zeichen dafür, dass Österreich von den rechts-politischen Phantomen existenziell bedroht wird. Wird es gehen, ist das Volk schon reif für die nächste Stufe? Man weiß es nicht. Lang genug drauf hingearbeitet wurde jedenfalls. Reicht die Macht der Manipulation schon, für Landtagswahlen die politisch geschürten Ängste zum eigenen Vorteil zu potenzieren? Man wird sehen.
2 comments
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[...] die Verfassung, lässt ihrem Hass auf ‘Ausländer’ jederzeit freien Lauf und kommt mit wahrlich glorreichen Ideen daher, die sogar ...
[...] Fekter. Muss zu ihr wirklich noch ein Wort verloren werden? Rechtsrechte Falkin, die viel besser bei der blaunen Konkurrenz ...