Cloud.

Jun
2010
11

Cloud Com­pu­ting ist ein Mega­trend im digi­ta­len Bereich. Kurz für Pri­vat­nut­zer: Dabei han­delt es sich um die Aus­la­ge­rung von Rechen– und Spei­cher­auf­ga­ben vom hei­mi­schen Rech­ner ins Inter­net. Cloud Com­pu­ting in sei­ner Urform gibt es dabei schon lange — jeder Webmail-Provider von Hot­mail bis GMX fällt dar­un­ter. In letz­ter Zeit jedoch wer­den, getrie­ben vor allem von Google, immer mehr Ser­vices auge­la­gert. Das mag bequem sein, klar, die Daten sind von über­all zugäng­lich und man muss sich um nichs küm­mern. Mit Google Docs brau­che ich kein Office-Paket mehr, mit Drop­box kei­nen USB-Stick und Flickr ist ein tol­les Foto­al­bum, in dem ich Links zu gefühl­ten 2000 Baby­fo­tos auch igno­rie­ren kann.

Dass die­ses Vor­ge­hen natür­lich daten­schutz­recht­lich bedenk­lich ist, ist auch klar. Immer­hin muss ich dem Cloud-Provider so weit über den Weg trauen, dass er meine glü­hen­den, aus­ge­la­ger­ten Lie­bes­briefe an Shakira nicht mit­liest, den Inhalt ver­scher­belt, auf, dass mir danach per User Tracking maß­ge­schnei­derte Wer­bun­gen für Meets, Greets and who knows?! von dubio­sen chi­ne­si­schen Viagra-Herstellern prä­sen­tiert wer­den, wenn die gute Shaki in Wien spielt.

So weit, so offensichtlich.

Was noch weni­ger Men­schen küm­mert ist, dass sie über die aller­meis­ten Anbie­ter genau gar nichts wis­sen. Wer zum Bei­spiel ist zoho​.com? Oder mint​.com? Was garan­tiert, dass sich diese Anbie­ter seriös ver­hal­ten? Oder die nächs­ten Eigen­tü­mer? (Diese bei­den sind nur ein Bei­spiel; bei­des sind eta­blierte und bis ins Detail aus­ge­leuch­tete, ver­trau­ens­wür­dige Fir­men) Und was garan­tiert mir, dass der Anbie­ter mei­ner Wahl nicht ein­fach über Nacht zusperrt, seine Ser­ver ver­kauft und damit meine Daten unwie­der­bring­lich ver­lo­ren sind? Zuge­ge­ben, bei Micro­soft oder Google ist die Gefahr des Ver­schwin­dens ohne War­nung klein, obwohl auch Große unpro­fi­ta­ble Berei­che ein­fach abdre­hen. Anders ist das bei bes­se­ren Gara­gen­fir­men mit guten Ideen, die schnell wach­sen, schnell inves­tie­ren und dann vor einem finan­zi­el­len Pro­blem ste­hen, wenn die Expan­sion durch nicht mehr erfol­gen­des Wachs­tum abbe­zahlt wer­den muss. Zehn­tau­sende .com-Unternehmen sind auf diese Weise schon ver­schwun­den — natür­lich auch in der ‚richt­gen’ Welt, aber denen ver­trauen wir nicht unsere intims­ten Geheim­nisse an.

Alle Beden­ken, die eigent­lich gegen Cloud Com­pu­ting spre­chen, hat Jon Sto­kes in einem hoch­in­ter­es­san­ten Arti­kel auf ars­tech­nica zusammengefasst.

Ser­vices from a Micro­soft or an Ama­zon are much more likely to be around for as long as I need them, and in a sta­ble form that I can depend on.

Wei­ter­le­sen!

Wie immer bie­tet es sich an, das eigene Hirn ein­zu­schal­ten. Die Cloud hat natür­lich ihre Nut­zen, aber sich aus­schließ­lich dar­auf zu ver­las­sen ist in etwa so schlau, wie jede Minute sei­nes Lebens auf Face­book breit­zu­tre­ten. Bei aller Bequem­lich­keit muss einem doch klar sein, dass es sich nicht um Wohl­tä­ter han­delt son­dern um Unter­neh­men, die Gewinn machen wol­len. Statt Bar­geld neh­men sie eben unsere Daten. Und solange uns diese Nicht-Einbahn bewusst ist, spricht eigent­lich nichts dagegen.

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