Cloud.
2010
Cloud Computing ist ein Megatrend im digitalen Bereich. Kurz für Privatnutzer: Dabei handelt es sich um die Auslagerung von Rechen– und Speicheraufgaben vom heimischen Rechner ins Internet. Cloud Computing in seiner Urform gibt es dabei schon lange — jeder Webmail-Provider von Hotmail bis GMX fällt darunter. In letzter Zeit jedoch werden, getrieben vor allem von Google, immer mehr Services augelagert. Das mag bequem sein, klar, die Daten sind von überall zugänglich und man muss sich um nichs kümmern. Mit Google Docs brauche ich kein Office-Paket mehr, mit Dropbox keinen USB-Stick und Flickr ist ein tolles Fotoalbum, in dem ich Links zu gefühlten 2000 Babyfotos auch ignorieren kann.
Dass dieses Vorgehen natürlich datenschutzrechtlich bedenklich ist, ist auch klar. Immerhin muss ich dem Cloud-Provider so weit über den Weg trauen, dass er meine glühenden, ausgelagerten Liebesbriefe an Shakira nicht mitliest, den Inhalt verscherbelt, auf, dass mir danach per User Tracking maßgeschneiderte Werbungen für Meets, Greets and who knows?! von dubiosen chinesischen Viagra-Herstellern präsentiert werden, wenn die gute Shaki in Wien spielt.
So weit, so offensichtlich.
Was noch weniger Menschen kümmert ist, dass sie über die allermeisten Anbieter genau gar nichts wissen. Wer zum Beispiel ist zoho.com? Oder mint.com? Was garantiert, dass sich diese Anbieter seriös verhalten? Oder die nächsten Eigentümer? (Diese beiden sind nur ein Beispiel; beides sind etablierte und bis ins Detail ausgeleuchtete, vertrauenswürdige Firmen) Und was garantiert mir, dass der Anbieter meiner Wahl nicht einfach über Nacht zusperrt, seine Server verkauft und damit meine Daten unwiederbringlich verloren sind? Zugegeben, bei Microsoft oder Google ist die Gefahr des Verschwindens ohne Warnung klein, obwohl auch Große unprofitable Bereiche einfach abdrehen. Anders ist das bei besseren Garagenfirmen mit guten Ideen, die schnell wachsen, schnell investieren und dann vor einem finanziellen Problem stehen, wenn die Expansion durch nicht mehr erfolgendes Wachstum abbezahlt werden muss. Zehntausende .com-Unternehmen sind auf diese Weise schon verschwunden — natürlich auch in der ‚richtgen’ Welt, aber denen vertrauen wir nicht unsere intimsten Geheimnisse an.
Alle Bedenken, die eigentlich gegen Cloud Computing sprechen, hat Jon Stokes in einem hochinteressanten Artikel auf arstechnica zusammengefasst.
Services from a Microsoft or an Amazon are much more likely to be around for as long as I need them, and in a stable form that I can depend on.
Wie immer bietet es sich an, das eigene Hirn einzuschalten. Die Cloud hat natürlich ihre Nutzen, aber sich ausschließlich darauf zu verlassen ist in etwa so schlau, wie jede Minute seines Lebens auf Facebook breitzutreten. Bei aller Bequemlichkeit muss einem doch klar sein, dass es sich nicht um Wohltäter handelt sondern um Unternehmen, die Gewinn machen wollen. Statt Bargeld nehmen sie eben unsere Daten. Und solange uns diese Nicht-Einbahn bewusst ist, spricht eigentlich nichts dagegen.