Sieg!
2010
Der kleinste anzunehmende Geist hat gewonnen. Arigona Zogaj und ihre Familie müssen aus Österreich ausreisen. Die erbärmlichsten Elemente in der Gesellschaft können sich so richtig stark fühlen, eine hilflos-gehässige Innenministerin kann sich jetzt wieder verfassungswidrigen Vorschlägen zu ‚Sicherheit’ der reinrassigen Österreicher widmen. Der Stammtischpöbel kann sich mit bestellter richterlicher Rückendeckung wieder ein Stückchen sicherer fühlen, jetzt, wo diese pfuigack-Elemente endlich weg sind. Mia san mia! Und unsere Pensionen kommen dann eh aus dem Bankomaten.
Abgesehen von der unterirdischen Qualität der ganzen Diskussion und dem Faktum, dass hier eine gut integrierte Familie dank Politik ausschließlich für die allerunterste Schicht aus dem Leben gerissen wird, ist die Causa Zogaj ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie man politische Diskussionen nicht führt. Die Schuld daran kann man nicht dem Volk geben. Jahrelange Erziehung zu Intoleranz und gemeinschaftlichen Sichstarkfühlens, wenn es noch Schwächeren an den Kragen geht, sorgt eben für das gewünscht niedrige Niveau. Die Schuld liegt bei der Innenministerin. Nicht nur, dass sie ihren Hass auf dieses Mädchen nicht im Zaum halten konnte und auch noch hämisch nachsticheln muss wie beim Tussenkrieg auf dem Schulhof, nein. Sie hat verabsäumt (bzw will einfach keine), eine Diskussion über das Asylrecht und generell den Weg zur Staatsbürgerschaft auch nur zu führen. Das wäre ja anstrengend, kontroversiell und könnte zu einem unerwünschten Ergebnis führen. Härte, Härte, Härte, schließlich liegt die Erlösung der Frau Fekter in ganz vielen Stimmen von ganz braun. Und so sind die einzig demokratischen Beteiligten wieder einmal jene, die möglichst wenig Horizont oder Ahnung haben. Sie sind offensichtlich die einzigen, die wert sind, politisch umworben zu werden: jene Trottel, die man politisch gezielt über Jahrzehnte gezüchtet hat. Gratulation, the chicken’s come home to roost.
Die Schuld liegt auch bei den anderen Parteien. Ein Machtwort von Kanzler Faymann? Nie im Leben. Von den Grünen? Nichts. Aus den liberaleren Schichten der ÖVP? Schweigen.
Während die Abschiebung juristisch sicher in Ordnung geht — ebenso übrigens wie viele VfGh-Urteile, die einfach ignoriert werden, Stichwort Ortstafeln — ist sie menschlich allerunterste Schublade. In bester österreichischer Manier gibt es Dutzende Wege, wie diese Familie hierbleiben könnte. Beschreiten will sie niemand, da alle ausschließlich auf den Kleingeist spitzen. Die Politik dürfte inzwischen sicher sein, dass nur noch dieser Stimmen bringt.
Persönlich wünsche ich Arigona und ihrer Familie alles Gute. Leider war euer Kampf vergeblich. Ich würde mir trotzdem mehr von eurem Schlag wünschen als von jenen, die die eigene Armseligkeit als Macht empfinden.
Hier noch ein schönes Filmchen, das das Thema sehr gut behandelt.
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[...] Fekter. Muss zu ihr wirklich noch ein Wort verloren werden? Rechtsrechte Falkin, die viel besser bei der blaunen Konkurrenz ...