Unglaublich schlecht.
2010
(Das Foto ist von diesem Bloggerkollegen geklaut)
Nein, als ich das erste Mal dieses Plakat gegenüber meiner Bushaltestelle hängen gesehen habe, ist nicht der kleine Frauenversteher in mir schreiend aufgewacht. Es ist mir egal, dass es sowohl Männer als auch Frauen gleichermaßen diskriminiert (indem es die einen zu reinen Sexobjekten macht und den anderen jede Art von Triebkontrolle abspricht). Das muss Hirter eh selber wissen, ob es die verschwindend kleine Zielgruppe, der sowas gefällt, wirklich gegen den Rest der Menschheit austauschen will.
Schockierend ist, wie grottenschlecht diese ‚Kampagne’ ist und zwar auf jeder nur erdenklichen Ebene.
Zuerst die Idee. Welche Idee? Nackte Frauen, die Bier halten? Wow. Das müssen wahre Planning–Marathons gewesen sein. Man sieht die Schlafsäcke praktisch vor sich, in denen sich unruhige Kreative unter Agenturtischen ein paar Minuten lang zu entspannen suchen, bevor die nächste Session ruft.
Besonders gemein ist aber, dass, als dieses löwenverdächtige Sujet nach Wochen, nein, Monaten, geboren war — wir wollen nicht wissen, auf welchem Weg es den Körper der ‚Kreativen’ verlassen hat — etwas passiert ist. Der Grafik-Ferialpraktikant. Der hat das dann verpfuscht.
Das Plakat ist nämlich nicht nur saudumm und fantasielos, es ist auch unendlich schlundig gemacht. Es war offensichtlich zu viel Aufwand, diese drei Mädels an einem Ort zu versammeln. Enter Photoshop, stage left. Was genau ist eine Perspektive? Egal, merkt eh keiner von den Geilspechten. Tut die Körperhaltung der Schwarzhaarigen eigentlich weh? Und: Wenn sie schon offensichtlich aus verschiedenen Winkeln fotografiert und mit der Subtilität einer Rolle Tixo zusammengepappt werden, kann man den Models auch gleich die Aufgabe ersparen, die Gläser in der Hand zu halten. Folgerichtig schweben selbige nicht nur vor Rothaarigen im leeren Raum. Der Hintergrund schließlich… soll das den blauen Sommerhimmel darstellen oder wurde hier einfach vergessen, die Blue Box zu ersetzen? Kann man ja leicht übersehen…
Man wird es wohl nie erfahren. Ebensowenig, was ein gutes Unternehmen mit einem süffigen Produkt dazu geritten hat, sich mit… sowas… nach außen zu präsentieren. Oder, anders gefragt: In welcher Werbeagentur werden Kreative, die so etwas fabrizieren, nicht auf der Stelle gefeuert? Ich meine, das kann man schon herzeigen. Agenturintern. Wenn der Chef am Samstagvormittag ein Brainstorming ansetzt und man unbedingt was ironisch Gebrochenes braucht, um die Schlechtigkeit der Welt anzuprangern.
Persönlich glaube ich eher, dass der Agenturchef und der Boss von Hirter eines Abends etwas zu lang beim eigenen Produkt zusammengesessen sind. Irgend wann fallen dann unweigerlich die magischen Worte: Traust di nie…
4 comments
Trackback e pingback
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- Nachtrag Hirter.
[...] Gott, die meinen das wirklich ernst. Hier ist der TV-Spot zur übergeilen ‘Idee’. Gehts noch ein bisserl [...]

Der BP-Grafiker hat jede Menge Aufträge in letzter Zeit!
Danke ;)
Foto-Klau gestattet! :) Gute Analyse der miserablen Photoshop-„Leistung”.