Stammtischrhetorik für… wen eigentlich?
2010
Eigentlich ist es ja recht erfreulich: Maria Fekter macht den Mund auf und schlägt keinen Verfassungsbruch vor. Das ist eine Premiere. Unser aller Lieblings-Innenministerin sagte, sie wolle zwar Ingenieure als Zuwanderer aber keine Analphabeten aus dem Bergdorf.
Abgesehen davon, dass sie in der Sache nicht Unrecht hat, ist so eine Aussage einer Ministerin unwürdig. Es geht ihr nicht um die Sache. Es geht ihr darum, so wie der Rest der Parlamentsparteien mit Ausnahme der ebenfalls chronisch erfolglosen Grünen die allertiefste Wählerschicht anzusprechen. Solche indiskutablen Aussagen hört man normaler Weise nur nach vier, fünf Bieren an einem Sonntagvormittag in jedem beliebigen Wirtshaus. Es ist auch keine Frage von political correctness. Die Aufgabe eines Regierungsmitgliedes ist, die Gesetze zu vollziehen und nicht private Ressentiments auszuleben. Man sollte glauben, dass Menschen, die das nicht können, vor dem Aufstieg in höchste Staatsämter aussortiert werden. Doch schon in der Causa Zogaj war es Frau Fekter nicht möglich, ihre persönliche Abneigung gegen ein Teenager-Mädchen glaubwürdig in Schach zu halten. Damals konnte man es noch für einen Ausrutscher halten, dass sie sich von der Gegenwehr der Arigona persönlich angegriffen fühlte. Doch so legt sie noch ein Schäuferl nach. Vermutlich nicht ohne den Hintergedanken, diese an sich verschwindend kleine unkritische Bierzutzler-Schicht anzusprechen.
Das finden wir schade. Liberale nehmen prinzipiell an, dass jeder Mensch ein gewisses Mindestmaß an Intelligenz und Urteilsvermögen hat – nicht umsonst glauben wir, dass Eigenverantwortung besser funktioniert als staatliche Bevormundung. Aus genau diesem Grund wird es von Liberalen niemals solche Aussagen geben. Trotzdem wissen wir, dass in Migrationsfragen vielen falsch läuft und haben auch Konzepte, das zu ändern. Dabei werden wir jedoch niemals auf das tiefst mögliche Niveau, das wirklich nicht mehr allzu weit von dem entfernt ist, was bei FPÖ-Zeltfesten so gesagt wird, sinken. Mündige Wähler brauchen keine Ressentiments sondern bilden sich ihre eigene Meinung.
Vielleicht ist das der große Fehler. Vielleicht fährt man ohne Leute wie Frau Fekter in den eigenen Reihen keine 30 Prozent ein. Aber eines ist sicher: Liberale Wähler fühlen sich wohler, wenn nicht die niedrigsten Instinkte des gegeneinander Ausspielens angesprochen werden sondern konkrete und menschliche Lösungen auf den Tisch gelegt.
Auch die ÖVP war einmal eine anständige Partei und ist es in weiten Teilen auch heute noch. Es wäre angebracht, wenn sie aufhören würde, sich mit der FPÖ um den braunen Bodensatz zu balgen. Der Wähler hält sie für staatstragend. Es wäre angebracht, sich auch so zu verhalten.
3 comments
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Seien Sie doch ehrlich, Frau Fekter. –
[...] Fekter missachtet nicht nur bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Verfassung, lässt ihrem Hass auf ‘Ausländer’ jederzeit freien Lauf ... -
nachfolgefragen.
[...] Fekter. Muss zu ihr wirklich noch ein Wort verloren werden? Rechtsrechte Falkin, die viel besser bei der blaunen Konkurrenz ...
http://www.profil.at/articles/1030/568/274409/christian-rainer-fekter-analphabeten