Nur eine Theorie.

Jul
2010
31

Nach­dem ja diverse Ver­schwö­rungs­theo­rien inzwi­schen durch­aus auch in seriö­sen Dis­kus­si­ons­fo­ren ange­kom­men sind und viele Men­schen auf reaktionär-dubiose Sei­ten wie den Kopp-Verlag ver­wei­sen, wenn sie ein ent­spre­chen­des Argu­ment unter­mau­ern möch­ten, biete ich hier­mit auch eine an. Sie dürfte vor allem jenen gefal­len, die die Bil­der­ber­ger für die geheime Welt­re­gie­rung hal­ten und glau­ben, dass sowieso alle Medien vom CIA betrie­ben werden.

Was, wenn das Leak der Tau­sen­den Kriegs­do­ku­mente aus Afgha­nis­tan keine Panne, kein Zufall war? Vor allem zwei Punkte spre­chen dafür:

1. Wer hat Zugang zu ALL die­sen need-to-know–Doku­men­ten? Ver­mut­lich nur Mili­tärs im Gene­ral­stab, die in Afgha­nis­tan tätig sind; und natür­lich Regie­rungs­stel­len. Das engt den mög­li­chen Täter­kreis schon ziem­lich ein. Und wer in sol­chen Posi­tio­nen hat so wenig Pflicht­be­wusst­sein und/oder Selbst­er­hal­tungs­trieb, sie auch zu ver­öf­fent­li­chen? Eine Per­son, die diese Eigen­schaf­ten besitzt, müsste doch schon auf­ge­fal­len sein?

2. The Lady doth pro­test too much, methinks. Die US-Regierung von Barack Obama abwärts über­schlägt sich förm­lich mit Ver­dam­mun­gen des Leaks und kon­zen­triert sich dabei vor allem auf den Über­mitt­ler. Die ande­ren ISAF-Partner schwei­gen oder zucken höchs­tens mit den Schul­tern. Was auch die ‘rich­tige’ Reak­tion ist – immer­hin wur­den keine lau­fen­den Ope­ra­tio­nen aus­ge­plau­dert, die Daten rei­chen nur bis 2009. Wenn also etwa Admi­ral Mul­len meint, Wiki­Leaks hätte ‘Blut an den Hän­den’, dann weiß auch er, dass das eine hys­te­ri­sche Über­trei­bung ohne Rea­li­täts­be­zug ist.

Die Ver­schwö­rungs­theo­rie ist fol­gende: Was, wenn diese Doku­mente ver­öf­fent­licht wur­den, um die Bevöl­ke­rung auf einen bal­di­gen Abzug vor­zu­be­rei­ten? Ein sol­cher würde Afgha­nis­tan wie­der in die Arme der Tali­ban trei­ben, der Wes­ten wie schon die UdSSR in die­sem Land eine herbe Nie­der­lage ein­ste­cken. Die Doku­mente um die wahre Situa­tion dort könn­ten eine will­kom­mene Erklä­rung sein, warum ein Abzug not­wen­dig ist. So in die Rich­tung, sehr her, es geht nicht anders, wenn wir keine toten Sol­da­ten und Zivi­lis­ten mehr ris­kie­ren wollen.

In Wahr­heit braucht der Wes­ten die­sen Abzug. Das US-Militär ist über­stra­pa­ziert, in Europa gibt es auch für den ‘guten’ Krieg von George Bush keine Unter­stüt­zung in der Bevöl­ke­rung. Ter­ror­re­gime wie die im Iran oder Nord­ko­rea kön­nen, solange die NATO der­art gebun­den ist, prak­tisch tun und las­sen was sie wol­len, ohne sich allzu sehr fürch­ten zu müs­sen. In Afgha­nis­tan ist auch nichts zu holen, weder Ruhm und Ehre noch Greif­ba­re­res. Selbst wenn das Land mor­gen magisch zur fried­li­chen Demo­kra­tie mutie­ren würde, wären noch immer Aber­mil­li­ar­den Dol­lar nötig, um zumin­dest eine grund­le­gende Infra­struk­tur wie­der­her­zu­stel­len. Und schließ­lich muss Barack Obama im Novem­ber Wah­len über­ste­hen. Ver­lie­ren seine Demo­kra­ten, ist er schon nach nicht ein­mal zwei Jah­ren im Amt kalt­ge­stellt und könnte mit einem Kon­gress vol­ler rechts­ra­bia­ter Repu­bli­ka­ner nur mehr seine Rest­zeit absit­zen. Ein Abzug noch vor Novem­ber würde wohl beim Wäh­ler posi­tiv aufgenommen.

Sollte die­ser Abzug bis dahin zumin­dest ange­kün­digt wer­den, kann man wohl davon aus­ge­hen, dass es sich bei die­ser Theo­rie um eine ganz ohne Ver­schwö­rung handelt.

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