Skandal ohne Gewöhnungseffekt.
2010
Um endlich einmal von den braunen Machenschaften und der Korruption im Land wegzukommen (obwohl, das ist eigentlich ein Thema…): Hier ein Klassiker der österreichischen Skandalgeschichte, bevor der Skandal alltäglich wurde und tatsächlich noch etwas war, das Menschen interessierte, schockierte und zum Diskutieren anregte. Es ist nämlich exakt 25 Jahre her, dass in Österreich der sogenannte Weinskandal publik wurde. Vielleicht erinnern sich manche noch: Da haben österreichische und ein paar deutsche Winzer das Frostschutzmittel Glykol in ihre Weine geschüttet, um sie süß und süffig zu machen. Beigaben zum Wein sind nicht nur verboten, dieser spezielle ist auch noch hochgifitig.
In den österreichischen Medien wird der Glykolskandal so gar nicht thematisiert und das, obwohl er zum Ende und der schillernden Wiedergeburt des österreichischen Weinbaus führte (und auch zu einem der strengsten Lebensmittelgesetze der Welt). Dank der Süddeutschen gibts aber zumindest eine schöne Zusammenfassung.
Süßes Gift
Vor 25 Jahren wurde bekannt, wie die österreichischen Winzer ihre Tropfen so süß bekamen: Durch Zugabe von Frostschutzmittel. Der Skandal führte zu einer wundersamen Auferstehung des österreichischen Weins.
„Verachtet mir nicht den Grünen aus Meißen.” So ermahnte einst Geheimrat Goethe seine überheblichen Frankfurter Freunde. Die meinten, nur am Rhein wachse schöner, „süßer” Wein, aber an der Elbe? Die Sucht nach süßem Wein in Deutschland — und das war der aus Sachsen nicht — sollte lange Zeit beinahe eine ganze Weinnation in den Abgrund reißen. Vor 25 Jahren, im August 1985, erreichte der sogenannte Glykolskandal seinen Höhepunkt: Das bundesdeutsche Gesundheitsministerium in Bonn präsentierte eine Warnliste von 803 österreichischen und 27 deutschen Weinen, deren Verzehr wegen hohen Anteils von Diäthylenglykol gefährlich sei. Diäthylenglykol, ein handelsübliches Frostschutzmittel, ist süß und verleiht allem, dem man es beimengt, geschmeidige Lieblichkeit. Und es ist hochgiftig.