Stadtfest.

Aug
2010
21

An: Bür­ger­meis­ter Franz Dobusch, Stadt­rat Det­lef Wim­mer, die Chef­re­dak­teure der Krone, Nach­rich­ten und Österreich.

Sehr geehr­ter Herr Bür­ger­meis­ter,
sehr geehr­ter Herr Stadt­rat,
sehr geehrte Chefredakteure,

ich wurde gerade eben am Betre­ten eines öffent­li­chen Plat­zes gehin­dert. Nicht etwa die Poli­zei ver­wehrte mir und Hun­der­ten ande­ren Lin­zern den Zutritt zum Haupt­platz, son­dern eine Truppe teils nicht ein­mal auf den ers­ten Blick kennt­li­cher ganz klei­ner Aushilfs-Privatrambos in Kampfstiefeln.

Ich ver­stehe eine gewisse Ner­vo­si­tät ange­sichts der Men­schen­mas­sen bei die­sem Stadt­fest. Die Love­pa­rade in Duis­burg ist noch in guter Erin­ne­rung, und wenn der Platz voll ist, dann ist er eben voll. Das ver­steht wirk­lich jeder. Mich stört jedoch der Stil. Irgend wel­che pri­va­ten ‘Sicher­heits­kräfte’, die sich in Kabul an der Donau wäh­nen, haben weder die Aus­bil­dung noch das Recht, Men­schen von öffent­li­chen Plät­zen fern­zu­hal­ten. Noch weni­ger haben sie das Recht, diese Men­schen auch nur mit den klei­nen Fin­ger zu berüh­ren. Ich war Zeuge eines Zwi­schen­falls am Ein­gang altes Finanz­amt, als eine die­ser voll­kom­men über­for­der­ten Geis­tes­grö­ßen eine Frau zuerst ange­schrie und dann mit kör­per­li­cher Gewalt am Betre­ten des Haupt­plat­zes hin­derte. Ein Poli­zist – und der allein hat im Namen des Vol­kes das Gewalt­mo­no­pol – war nicht in der Nähe, son­dern stieß erst spä­ter dazu und beru­higte in pro­fes­sio­nel­ler Weise. So sollte es sein. Deputy-Sheriffs gibt es nur im Western.

Ich habe es nicht dar­auf ankom­men las­sen, um die Situa­tion nicht noch wei­ter zu ver­schär­fen. Ich garan­tiere jedoch, hätte die­ser Clown mich als 1,93-Mann statt einer bei­nahe wei­nen­den Frau ange­rührt, hätte ich von mei­nem Recht auf Not­wehr Gebrauch gemacht. Pri­vat­klage herz­lichst will­kom­men, rund 200 ver­är­gerte Zeu­gen, danke.

Als Bür­ger die­ser Stadt for­dere ich, dass sol­che Auf­ga­ben auf öffent­li­chem Grund von der Poli­zei über­nom­men wer­den. Wenn diese Möch­te­gerns halb­ohn­mäch­tig gesof­fene Teen­ager auf dem Pri­vat­grund vor diver­sen Groß­raum­dis­cos ein­schüch­tern, ist mir das egal und liegt im Ermes­sen der Betrei­ber. Nicht mit mir. Nicht mit den meis­ten Erwach­se­nen. Und ganz sicher nicht auf öffent­li­chem Grund.

Wenn die Lin­zer Poli­zei mit dem Ver­fol­gen von im Wahl­kampf erfun­de­nen Phan­tom­be­dro­hun­gen zu aus­ge­las­tet ist, wird es wohl mög­lich sein, Poli­zis­ten aus den Ver­bre­chens­me­tro­po­len im Umland anzu­for­dern. Schließ­lich han­delt es sich um ein paar Stra­ßen bei einem fried­li­chen Fest und keine Russeninvasion.

Diese Vor­ge­hens­weise reflek­tiert lei­der nicht nur auf die Orga­ni­sa­to­ren und Spon­so­ren die­ses ansons­ten schö­nen Fes­tes, son­dern auch auf die Stadt selbst. Wenn sol­che Aktio­nen diese Pla­ti­tüde vom ‘sub­jek­ti­ven Sicher­heits­ge­fühl’ stär­ken sol­len, wün­sche ich mir, es gäbe all die furcht­ba­ren Bedro­hun­gen wirk­lich, vor denen uns die Poli­tik so gerne Angst zu machen ver­sucht. Dann wäre die Poli­zei näm­lich so weit auf­ge­stockt, dass wir weder lächer­li­che Stadt­wa­chen noch ebenso lächer­li­che ‘Sicher­heits­fir­men’ bräuch­ten. Diese Ein­rich­tun­gen halte näm­lich ICH auf­grund ihrer Struk­tur, ihres Per­so­nals und ihrer Hörig­kei­ten für die wahre Gefahr.

Mit freund­li­chen Grüßen

Paul Früh­auf
4040 Linz

http://​www​.neu​mond​nacht​.at/​2​0​1​0​/​0​8​/​2​1​/​s​t​a​d​t​f​est

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