Da schau her, ein Testballon.
2010
Aha, die Datenschützer sind also besorgt. Der Anlass mag vielleicht trivial sein: Für die Volkszählung 2011 werden nicht mehr Formulare zum Ausfüllen ausgeschickt, sondern bestehende Datenbanken verknüpft.
Und das ist eine üble Sache. Da sollte man schon mehr als nur ein bisschen besorgt sein. Denn jetzt wird offenbar unter dem Deckmantel der Kostenersparnis — wer ist da nicht dafür — endlich angegangen, was vom Überwachungsstaat schon seit Jahren erträumt wird: Die Verknüpfung aller verfügbaren Daten, das perfekte Bild des Bürgers. Vielleicht per unauffällig irgend wo eingeschobenem Gesetz die Privaten verpflichten, ihr Schärflein beizutragen und schon steht dem absolut gläsernen Menschen nichts mehr im Weg. Da kann Vater Staat noch so beteuern, dass der Datenschutz gewahrt bleibt. Das kann mit einem Mausklick einfach abgeschaltet werden, und schon steht statt dieser mythischen 178-stelligen Zahl (wie kommt man eigentlich auf so einen Schwachsinn) ein Klarname da. Dank Meldedatenbank, Sozialversicherungen und Billa-Kundenkarte ist der Mensch dem Staat dann besser bekannt als dem Ehepartner.
Diese Entwicklungen müssen bekämpft werden. Um jeden Preis. Immer, wenn Staaten zu neugierig wurden, endete das im Desaster. Die Möglichkeiten sind heute allerdings weit besser als in der DDR, in Nazi-Deutschland oder in der UdSSR. Früher war da vielleicht der Blockwart, der aufzeichnete, wer wann wohin das Haus verließ — heute weiß der elektronische Blockwart zusätzlich, welche Buttermarke man kauft, welche Socken man bevorzugt und dank totaler Verknüpfung auch, wie viele ich mir davon leisten kann.