Da schau her, ein Testballon.

Aug
2010
31

Aha, die Daten­schüt­zer sind also besorgt. Der Anlass mag viel­leicht tri­vial sein: Für die Volks­zäh­lung 2011 wer­den nicht mehr For­mu­lare zum Aus­fül­len aus­ge­schickt, son­dern beste­hende Daten­ban­ken verknüpft.

Und das ist eine üble Sache. Da sollte man schon mehr als nur ein biss­chen besorgt sein. Denn jetzt wird offen­bar unter dem Deck­man­tel der Kos­ten­er­spar­nis — wer ist da nicht dafür — end­lich ange­gan­gen, was vom Über­wa­chungs­staat schon seit Jah­ren erträumt wird: Die Ver­knüp­fung aller ver­füg­ba­ren Daten, das per­fekte Bild des Bür­gers. Viel­leicht per unauf­fäl­lig irgend wo ein­ge­scho­be­nem Gesetz die Pri­va­ten ver­pflich­ten, ihr Schärf­lein bei­zu­tra­gen und schon steht dem abso­lut glä­ser­nen Men­schen nichts mehr im Weg. Da kann Vater Staat noch so beteu­ern, dass der Daten­schutz gewahrt bleibt. Das kann mit einem Maus­klick ein­fach abge­schal­tet wer­den, und schon steht statt die­ser mythi­schen 178-stelligen Zahl (wie kommt man eigent­lich auf so einen Schwach­sinn) ein Klar­name da. Dank Mel­de­da­ten­bank, Sozi­al­ver­si­che­run­gen und Billa-Kundenkarte ist der Mensch dem Staat dann bes­ser bekannt als dem Ehepartner.

Diese Ent­wick­lun­gen müs­sen bekämpft wer­den. Um jeden Preis. Immer, wenn Staa­ten zu neu­gie­rig wur­den, endete das im Desas­ter. Die Mög­lich­kei­ten sind heute aller­dings weit bes­ser als in der DDR, in Nazi-Deutschland oder in der UdSSR. Frü­her war da viel­leicht der Block­wart, der auf­zeich­nete, wer wann wohin das Haus ver­ließ — heute weiß der elek­tro­ni­sche Block­wart zusätz­lich, wel­che But­ter­marke man kauft, wel­che Socken man bevor­zugt und dank tota­ler Ver­knüp­fung auch, wie viele ich mir davon leis­ten kann.

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