verantwortung.

Mai
2011
07

Ent­we­der leis­tete sich der Spie­gel ges­tern ein unver­ant­wort­li­ches Stück Jour­na­lis­mus — oder er wurde ganz ein­fach für einen Zweck miss­braucht. Die Wahr­schein­lich­keit ist, bei aller nicht vor­han­de­ner Ver­trau­ens­wür­dig­keit der Politk, eher auf der Seite von Ers­te­rem. Denn lei­der hat der Spie­gel eine Geschichte, den Euro schlecht­zu­schrei­ben. In rie­si­gen roten Let­tern wurde ver­kün­det, dass Grie­chen­land aus der Euro­zone aus­stei­gen würde. Man berief sich auf unge­nannte Quel­len und wollte es ganz genau wis­sen: Ent­we­der geht Grie­chen­land, es kommt zu einer sofor­ti­gen Umschul­dung mit Hair­cut oder gar bei­dem. Egal, dass ein rei­ner Aus­stieg ohne Schul­den­schnitt voll­kom­men idio­tisch wäre (die Schul­den blie­ben ja in Euro erhal­ten), Haupt­sa­che, die Story fetzt ordent­lich. Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen: keine. Es folg­ten wütende Dementi von allen Sei­ten. Bei genaue­rer Betrach­tung frag­li­chen Arti­kels fal­len jede Menge Unschär­fen auf — hätte, mög­li­cher­weise, könnte. Immer ein kla­res Zei­chen für schlecht recher­chierte Geschichten.

Heute ist Grie­chen­land noch immer Mit­glied, und umge­schul­det wurde auch nicht über Nacht. Doch eine Geschichte wie diese zieht natür­lich Kreise. Reu­ters berich­tete, die ande­ren News-Agenturen folg­ten. Der Euro fiel (was ihm nicht allzu schlecht tut, er ist auch noch immer viel zu hoch). Auf der Start­seite kein Wort mehr von der gest­ri­gen Panik­ma­che, nur mehr ein ver­schäm­tes klei­nes Nach­set­zen ziem­lich weit unten.

Nun ist es natür­lich legi­tim, sol­che schein­bar brand­hei­ßen Geschich­ten zu brin­gen. Was man aber von einem Qua­li­täts­me­dium ver­lan­gen muss ist, gesteckte Infor­ma­tio­nen auf Herz und Nie­ren zu über­prü­fen. Von wem kam der Tipp? Einem undich­ten Dol­met­scher? Einem Prak­ti­kan­ten? Gar einem PR-Kollegen in spe­zi­el­ler Mis­sion von der EZB? Der Zeit­druck ist natür­lich enorm, ein Infor­mant kann auch mit ande­ren Medien plau­dern und nur der Schnellste zählt. Es ist eigent­lich egal, ob es sich um schlechte Infor­ma­tio­nen oder eine gezielte PR-Aktion mit dem Ziel, den Euro zumin­dest kurz­fris­tig auf ein der Export­wirt­schaft erträg­li­che­res Maß cras­hen zu las­sen. Einem Medium wie dem Spie­gel darf so ein Faux­pas nicht pas­sie­ren. Damit macht er sich nicht nur selbst lächer­lich, der Scha­den geht weit über die Redak­tion hin­aus. Bei Geschich­ten mit mög­li­cher­weise glo­ba­len Fol­gen dür­fen nicht Sekun­den über eine Ver­öf­fent­li­chung entscheiden.

3 comments

  1. Valerius
  2. Milo

Trackback e pingback

  1. doom!
    [...] Sorte zu betrei­ben. Warum? Das wisst nur ihr. Jeden­falls hat es euch dabei schon ziem­lich oft auf die Schnauze ...

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