verantwortung.
2011
Entweder leistete sich der Spiegel gestern ein unverantwortliches Stück Journalismus — oder er wurde ganz einfach für einen Zweck missbraucht. Die Wahrscheinlichkeit ist, bei aller nicht vorhandener Vertrauenswürdigkeit der Politk, eher auf der Seite von Ersterem. Denn leider hat der Spiegel eine Geschichte, den Euro schlechtzuschreiben. In riesigen roten Lettern wurde verkündet, dass Griechenland aus der Eurozone aussteigen würde. Man berief sich auf ungenannte Quellen und wollte es ganz genau wissen: Entweder geht Griechenland, es kommt zu einer sofortigen Umschuldung mit Haircut oder gar beidem. Egal, dass ein reiner Ausstieg ohne Schuldenschnitt vollkommen idiotisch wäre (die Schulden blieben ja in Euro erhalten), Hauptsache, die Story fetzt ordentlich. Hintergrundinformationen: keine. Es folgten wütende Dementi von allen Seiten. Bei genauerer Betrachtung fraglichen Artikels fallen jede Menge Unschärfen auf — hätte, möglicherweise, könnte. Immer ein klares Zeichen für schlecht recherchierte Geschichten.
Heute ist Griechenland noch immer Mitglied, und umgeschuldet wurde auch nicht über Nacht. Doch eine Geschichte wie diese zieht natürlich Kreise. Reuters berichtete, die anderen News-Agenturen folgten. Der Euro fiel (was ihm nicht allzu schlecht tut, er ist auch noch immer viel zu hoch). Auf der Startseite kein Wort mehr von der gestrigen Panikmache, nur mehr ein verschämtes kleines Nachsetzen ziemlich weit unten.
Nun ist es natürlich legitim, solche scheinbar brandheißen Geschichten zu bringen. Was man aber von einem Qualitätsmedium verlangen muss ist, gesteckte Informationen auf Herz und Nieren zu überprüfen. Von wem kam der Tipp? Einem undichten Dolmetscher? Einem Praktikanten? Gar einem PR-Kollegen in spezieller Mission von der EZB? Der Zeitdruck ist natürlich enorm, ein Informant kann auch mit anderen Medien plaudern und nur der Schnellste zählt. Es ist eigentlich egal, ob es sich um schlechte Informationen oder eine gezielte PR-Aktion mit dem Ziel, den Euro zumindest kurzfristig auf ein der Exportwirtschaft erträglicheres Maß crashen zu lassen. Einem Medium wie dem Spiegel darf so ein Fauxpas nicht passieren. Damit macht er sich nicht nur selbst lächerlich, der Schaden geht weit über die Redaktion hinaus. Bei Geschichten mit möglicherweise globalen Folgen dürfen nicht Sekunden über eine Veröffentlichung entscheiden.
3 comments
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doom!
[...] Sorte zu betreiben. Warum? Das wisst nur ihr. Jedenfalls hat es euch dabei schon ziemlich oft auf die Schnauze ...
Absolut. Habe ich auch angesprochen — wäre eine geschickte aber letztlich ebenso verantwortungslose PR-Aktion. Ich glaube, das Kalkül ist, es dann ‚doch nicht so schlimm’ kommen zu lassen. Die Kommunikationspolitik lässt, ebenso wie im Fall Osama, sehr zu wünschen übrig und beflügelt leider die Verschwörungsspinner sehr.
Ich will ja hier keine Verschwörungstheorien heraufbeschwören, aber vielleicht ist die undichte Stelle ja mit Absicht platziert worden, um eben den Euro schwächer werden zu lassen? Kann durchaus eine WiPol Maßnahme sein. Medienmissbrauch um diese Reaktionen bei der Bevölkerung auszulösen sind doch durchaus denkbar?