examplarisch.
2011
Heute ist also ein entscheidender Tag für Europa. Am Abend kommen die Regierungschefs zusammen und wollen die Probleme des Euro lösen. Vermutlich wird ihnen das auch gelingen — irgend wie, als an den Haaren schreiend und tretend hinter ihnen nachgeschleifter Kompromiss. Nicht etwa, weil sie so kompetent wären, sondern deshalb, weil sie nicht als Verantwortliche eines vermeidbaren Wirtschaftscrashs in die Geschichte eingehen wollen.
Immer und immer wieder liest man jedoch von denselben Leuten, die der Meinung sind, nur Mauern rund um möglichst kleine Nationalstaaten wären die Lösung. Nur Ministrukturen können uns retten, wenn wir uns auf das Kleine konzentrieren, vielleicht übersieht uns die große, böse Welt dann. Die Stichworte sind immer gleich: Geldsystem! Zinssystem! Ewiges Wachstum! Alles wäre besser, ginge es nur so, wie ich mir das vorstelle! Zurück zum Gold, nein, besser, zur Tauschwirtschaft!
Natürlich schwingt bei diesen ‚gut gemeinten’ apokalpytischen Warnungen immer ein gehörig Maß an Dumpf-Nationalismus mit. Der Stammtisch hat Recht, ‚die da oben’ sind sowieso lauter Vollkoffer, die uns die Taschen ausräumen wollen. Nun, das mag vielleicht in einem engen Rahmen nicht so unrichtig sein, aber im Großen und Ganzen hat der Bierbruder am Stammtisch — wie meistens — ganz einfach Unrecht. Aus zweierlei Gründen:
1. Weil er noch weniger Ahnung von irgend welchen Zusammenhängen hat als die ohnehin schon kopflos agierenden Politiker und
2. weil er ganz einfach, und da wiederhole ich mich gerne, im Durchschnitt ein Vollidiot ist.
Nur um einmal aufzuzeigen, welche ‚Quellen’ von den Untergangskreisen immer und immer wieder zitiert werden, nehmen wir doch stellvertretend den inzwischen heiß geliebten Andreas Popp heraus. Den Mann kannte bis vor einigen Monaten noch keiner, dann hat jemand ein Video von ihm auf youtube gefunden, das Gezeter gut gefunden und sofort recherchelos in die Anti-Euro-Nichtargumentation eingebaut. Ja, von dem gibt es jede Menge, und es ist sehr monothematisch.
Überrascht es eigentlich niemanden, dass Andreas Popp ein rechtsradikaler Spinner ist? Mit welchen Gestalten legen sich die Europagegner eigentlich noch ins Bett, nur weil Wanzen dieser Art auch schon drin sind und ihnen ins Ohr flüstern, was sie gerne hören möchten? Stört es niemanden, dass ein anderer Grundpfeiler der Euro-Gegner, Volker Pispers, Kabarettist und kein Wirtschaftsforscher ist? Oder dass der ebenfalls hundertfach zitierte Dirk Müller sein Gehalt damit verdient, das Gesicht passend zu den aktuellen Börsekursen zu verziehen?
Sorry. Man kann mich ja wirklich nicht gerade autoritätshörig nennen. Aber bei dieser Garde, die von jenen, die vom Untergang so sehr träumen, als total seriöse Quellen in jedes verfügbare Forum gespammt werden, halte ich mich doch lieber an Angela Merkel. Und das kann sie sich ins Stammbuch schreiben, dann das kommt vermutlich nie wieder vor.
2 comments
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jahresrückblick. |
[...] um zwei Tage später in einer verschämten Minimeldung wieder aufzuerstehen. Populistische Untergangsschreier haben ihren ganz großen, wohl bezahlten Auftritt ...
Halten Sie sich ruhig an Merkel. Sie werden schon sehen was Sie davon haben. Das Problem mit diesen „Untergangs-Propheten” ist, dass wenn man ältere Bücher von den frühzeitigeren Exemplaren dieser Gattung liest, sie haargenau mit der heutigen Wirklichkeit übereinstimmen. Ich denke da an „Die Globalisierungsfalle” von H.P. Martin, der die Welt schon 1998 genau so vorhergesagt hat, wie sie heute eben ist. Ich setze auf die „Untergangs-Propheten”, wer denen nicht glaubt, ist arm dran. Politiker wie Merkel versuchen sich nur irgendwie über ihre Amtszeit zu retten und das war´s.