examplarisch.

Okt
2011
26

Heute ist also ein ent­schei­den­der Tag für Europa. Am Abend kom­men die Regie­rungs­chefs zusam­men und wol­len die Pro­bleme des Euro lösen. Ver­mut­lich wird ihnen das auch gelin­gen — irgend wie, als an den Haa­ren schrei­end und tre­tend hin­ter ihnen nach­ge­schleif­ter Kom­pro­miss. Nicht etwa, weil sie so kom­pe­tent wären, son­dern des­halb, weil sie nicht als Ver­ant­wort­li­che eines ver­meid­ba­ren Wirt­schaftscrashs in die Geschichte ein­ge­hen wollen.

Immer und immer wie­der liest man jedoch von den­sel­ben Leu­ten, die der Mei­nung sind, nur Mau­ern rund um mög­lichst kleine Natio­nal­staa­ten wären die Lösung. Nur Mini­s­truk­tu­ren kön­nen uns ret­ten, wenn wir uns auf das Kleine kon­zen­trie­ren, viel­leicht über­sieht uns die große, böse Welt dann. Die Stich­worte sind immer gleich: Geld­sys­tem! Zins­sys­tem! Ewi­ges Wachs­tum! Alles wäre bes­ser, ginge es nur so, wie ich mir das vor­stelle! Zurück zum Gold, nein, bes­ser, zur Tauschwirtschaft!

Natür­lich schwingt bei die­sen ‚gut gemein­ten’ apo­kal­py­ti­schen War­nun­gen immer ein gehö­rig Maß an Dumpf-Nationalismus mit. Der Stamm­tisch hat Recht, ‚die da oben’ sind sowieso lau­ter Voll­kof­fer, die uns die Taschen aus­räu­men wol­len. Nun, das mag viel­leicht in einem engen Rah­men nicht so unrich­tig sein, aber im Gro­ßen und Gan­zen hat der Bier­bru­der am Stamm­tisch — wie meis­tens — ganz ein­fach Unrecht. Aus zwei­er­lei Gründen:

1. Weil er noch weni­ger Ahnung von irgend wel­chen Zusam­men­hän­gen hat als die ohne­hin schon kopf­los agie­ren­den Poli­ti­ker und

2. weil er ganz ein­fach, und da wie­der­hole ich mich gerne, im Durch­schnitt ein Voll­idiot ist.

Nur um ein­mal auf­zu­zei­gen, wel­che ‚Quel­len’ von den Unter­gangs­krei­sen immer und immer wie­der zitiert wer­den, neh­men wir doch stell­ver­tre­tend den inzwi­schen heiß gelieb­ten Andreas Popp her­aus. Den Mann kannte bis vor eini­gen Mona­ten noch kei­ner, dann hat jemand ein Video von ihm auf youtube gefun­den, das Geze­ter gut gefun­den und sofort recher­che­los in die Anti-Euro-Nichtargumentation ein­ge­baut.  Ja, von dem gibt es jede Menge, und es ist sehr monothematisch.

Über­rascht es eigent­lich nie­man­den, dass Andreas Popp ein rechts­ra­di­ka­ler Spin­ner ist? Mit wel­chen Gestal­ten legen sich die Euro­pa­geg­ner eigent­lich noch ins Bett, nur weil Wan­zen die­ser Art auch schon drin sind und ihnen ins Ohr flüs­tern, was sie gerne hören möch­ten? Stört es nie­man­den, dass ein ande­rer Grund­pfei­ler der Euro-Gegner, Vol­ker Pis­pers, Kaba­ret­tist und kein Wirt­schafts­for­scher ist? Oder dass der eben­falls hun­dert­fach zitierte Dirk Mül­ler sein Gehalt damit ver­dient, das Gesicht pas­send zu den aktu­el­len Bör­se­kur­sen zu verziehen?

Sorry. Man kann mich ja wirk­lich nicht gerade auto­ri­täts­hö­rig nen­nen. Aber bei die­ser Garde, die von jenen, die vom Unter­gang so sehr träu­men, als total seriöse Quel­len in jedes ver­füg­bare Forum gespammt wer­den, halte ich mich doch lie­ber an Angela Mer­kel. Und das kann sie sich ins Stamm­buch schrei­ben, dann das kommt ver­mut­lich nie wie­der vor.

 

2 comments

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  1. jahresrückblick. |
    [...] um zwei Tage spä­ter in einer ver­schäm­ten Mini­mel­dung wie­der auf­zu­er­ste­hen. Popu­lis­ti­sche Unter­gangs­schreier haben ihren ganz gro­ßen, wohl bezahl­ten  Auf­tritt ...

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