Die Mächtigen der Welt haben das Internet noch immer nicht verstanden. Dabei wird gerade so schön demonstriert, wie es funktioniert: In allerbester Streisand-Manier erzwingt offensichtlich politischer Druck die Abschaltung der Wikileaks-DNS-Einträge (die Seite ist hier erreichbar), PayPal kündigt aus fadenscheinigsten Gründen das Spendenkonto, Hoster wie Amazon (die natürlich ein Interesse daran haben, das Internet zum reinen Einkaufsparadies zu machen) werfen die Seite von ihren Servern und laut einem Schweizer Geheimdienstmann ist Julian Assange nicht nur ein gejagter Mann, sondern befindet sich in akuter Lebensgefahr.
Sagen wir, Assange erleidet wirklich einen Mordanschlag bedauerlichen Unfall. Neben der ganz schlechten PR würde dann Folgendes passieren: Nach dem Vorbild der mass-mirror-Aktion, die Wikileaks auf inzwischen Hunderte Server in aller Welt spiegelt und damit unangreifbar macht, kämen Dutzende neuer Whistleblower-Seiten nach. Gehostet würden sie in Russland, in Hong Kong oder sonstwo, wo US– und europäische Politiker keinen Zugriff haben.
Die Katze ist aus dem Sack. Man kann der Hydra einen Kopf abschlagen, natürlich, und sich dadurch selbst zum Mörder stempeln. Klar ist aber auch, dass ihr deutlich mehr als zwei Köpfe nachwachsen werden. Auch wenn davon vermutlich 95 Prozent aus reiner Geltungssucht handeln… ist das trotzdem gut so. Das Internet kann eine Plattform für das Volk sein. Es kann nicht sein, dass Regierungen die totale Kontrolle übernehmen. Dagegen gilt es sich zu wehren. Sollte es doch so weit kommen: Hier gibt es ein 1,4 Gigabyte großes File mit dem Namen ‘Insurance.aes256’ herunterzuladen (Torrent-Client erforderlich). Es enthält Informationen für den Fall, dass Assange ‘etwas passiert’ und kann mit WinZip und dem in nämlichen Fall veröffentlichten Passwort entpackt werden.
Julian Assange, Gründer von Wikileaks, ist also nur wenige Tage nach dem spektakulären Leaks von über 200.000 diplomatischen Depechen ein Gejagter. Der Vorwurf: Vergewaltigung.
Warum wirft man ihm nicht gleich vor, Völkermord in Verbindung mit dem Missbrauch und dem Verspeisen von Kleinkindern begangen zu haben? Da würden vielleicht noch mehr Köpfe beifällig nicken. Vergewaltigung. Pfui. Das kann man nicht verteidigen, das ist grauslig und das muss ein ganz Böser sein, der Assange.
Natürlich ist das vollkommener Nonsens. Der Mann hat in ein Hornissennest gestochen und befördert Dinge ans Tageslicht, die nicht dafür gedacht waren. Das kann man sehen, wie man will. Gut, böse, egal – jedenfalls treibt er die Freiheit des Journalismus an die Spitze. Das tut er nicht uneigennützig. Wie bei so vielen selbsternannten Rittern der Gerechtigkeit dürfte auch bei Assange nur einer im Mittelpunkt stehen, nämlich er selbst.
Diese durch und durch transparente Hetzkampgne, die durch das Ansprechen tiefster Instinkte im ‘Volk’ vorangetrieben wird, hat allerdings sicher nichts mit dem angeblichen Verbrechen zu tun. Assange ist ein Dorn im Auge der Mächtigen. Das können sie nicht brauchen. Also wird er gejagt, und sogar der angebliche Rechtsstaat lässt sich dazu missbrauchen. So einer muss weg, wer weiß, was er sonst noch ausgräbt. Dazu muss nicht nur er hinter Gitter, dazu muss seine gesamte Reputation vernichtet werden.
Diese Aktion erinnert frappant an Orwells 1984. Auch dort reicht es nicht, einen ‘Verräter’ einfach zu erschießen. Er muss zerstört werden und dann wird alles, was an ihn erinnert, ebenfalls zerstört.
Diese Geschichte ist aber nicht nur die Jagd nach einem einzelnen Mann (mit zugegeben vielen Fans). Sie ist auch ein Test, ob das institutionell verdummte Volk eine so durchsichtige Aktion gutheißt oder nicht. Man nehme dazu ein besonders schlimmes Verbrechen, das niemals auch nur einen Anhauch von Romantik haben kann. Dann sperre man ihn ein, denn vor der Gedankenpolizei kann man sich nicht auf Dauer verstecken. Und dann schaue man, ob das Volk auf die Straße geht und die Freiheit der Information in Massendemonstrationen verteidigt – oder doch lieber zuhause sitzt und sich vom Fernsehprogramm berieseln lässt.
Wir wissen, was passieren wird. Assange wird als Verbrecher in die Fußnoten der Geschichte eingehen. Das viel größere Verbrechen, nämlich die öffentliche Vernichtung der Freiheit, wird als Sieg gefeiert werden.
endlich ist das jugendwort 2010 gefunden und wird ab sofort im politischen diskurs durchaus passend eingesetzt werden: schließlich tanzt nicht nur die österreichische regierung durchgehend den niveaulimbo.
Na das ist aber eine Freude. Der gute, alte Blockwart geht wieder um und denunziert fleißig. Ich würde sagen… Herr Erlacher, suchen Sie sich einen Job. Oder schleichen’s Ihnen nach Nordkorea.
Die beiden Koreas schießen also wieder aufeinander. Vielleicht zieht eines den Schwanz ein (eher der Norden), vielleicht besorgen sie sichs auch richtig und der Norden wird — mit wahrscheinlich Millionen Toten — endlich Teil Südkoreas. Vielleicht setzt auch in China das Hirn aus und der 2. Koreakrieg wird wieder zu einer Konfrontation zwischen den USA und China. Der Ausgang in diesem Szenario ist unvorhersehbar, aber tendenziell schlecht für uns alle.
Die furchtbarste Facette des möglichen Krieges hat allerdings CNN aufgedeckt: Die Aktien fallen, wenn irgend wo die Granaten fallen.
Oh nein.
Ich habe es schon einmal gesagt und ich sage es noch einmal: Institutionelle Anleger sind das feigst mögliche Dreckspack, das auf der Oberfläche dieses teils noch schönen Planeten herumkriecht. Was bedeuten fallende Aktienkurse? Dass in Panik aus Anlagen Bargeld gemacht wird. Sprich, wenn in Korea scharf geschossen wird, glaubt irgend ein Börsenheini in New York, dass sein Geld bei IBM nicht mehr sicher veranlagt ist sondern eher unter seiner Matratze.
Das ist ein Trugschluss, den diese Herren und paar Damen inzwischen eigentlich verstanden haben sollten. Bargeld ist in jedem Fall weniger wert als Beteiligungen an der Realwirtschaft. Geld an sich produziert nichts, es ist ausschließlich Zahlen in Datenbanken oder im Idealfall auf einen Fetzen Papier gedruckt. Dahinter steht nichts als ein Versprechen, das jederzeit gebrochen werden kann. Der Wert von Bargeld ist vollkommen beliebig. Also warum. Warum verkauft die Wall Street wie wild Aktien, wenn in Korea geschossen wird? Im Fall der Euro-Schuldenkrise ist das noch ein bisschen verständlich, da fürchtet man sich (unnützer Weise) vor einer Staatspleite und finanzieller Kahlrasur. Doch in diesem Fall?
Doch warum fragen. Aus den Finanzmärkten ist jede Logik längst verschwunden. Man sollte sie fortan einfach ignorieren — das eigene Geld, so denn vorhanden, kann man auch anders anlegen. Hier gibts zum Beispiel jede Menge Tipps, wie man zwar Zinsgewinne einstreifen kann, jedoch ohne sich auf Gedeih und Verderb dem kollektiven Wahnsinn der rabiaten Geldmärkte auszusetzen.
Call of Duty: Black Ops ist nett. Treyarch, das Entwicklerstudio, hat endlich von den Brüdern und Schwestern bei Infinity Ward gelernt, den 2. Weltkrieg mit seinen immer gleichen Schlachtfeldern hinter sich gelassen und die Handlung in die 60er-Jahre verlegt. Außerdem wirkt das Spiel ebenso cinematisch wie Modern Warfare 1 und 2 und nicht mehr so altbacken wie seine Treyarch’schen Vorgänger. Mehr braucht nicht gesagt werden, Das kann man ja nachlesen, Hunderte Reviews erzählen eh immer dasselbe.
Ein, zwei kleine Nitpicks müssen aber schon sein. Da wäre zum Beispiel die Anwesenheit von Steyr AUGs (StG77). Natürlich wurde das Gewehr schon in den 60ern entwickelt, aber die Produktion lief erst Mitte der 70er an. Dass sowohl US-Spezialeinheiten als auch die bösen Russen in Sibirien es 1968 im Einsatz gehabt haben sollen – unwahrscheinlich. Dasselbe gilt für die in derselben Mission anzutreffenden FAMAS-Sturmgewehre, die erst 1975 entwickelt wurden und 1977 in Produktion gingen. Zwei vermeidbare Anachronismen, die leicht vermieden werden hätten können. Es dürfte sich um Erbstücke aus MW handeln.
Der zweite Punkt ist, dass zwar Ansätze vorhanden sind, die Missionen für Black Ops (also verdeckte Operationen) doch etwas zu laut und spektakulär sind. Im Raumhafen Baikonur einen mittleren Krieg anzuzetteln und eine Wostok vom Himmel zu schießen dürfte nicht mehr unter ‘verdeckt’ fallen.
Langsam aber doch entwickelt sich etwas in Irland. Man ist in vorläufigen Gesprächen mit der EU über ein Rettungspaket in Höhe von mehr als 60 Milliarden Euro (und das trotz vehementer Dementi in den letzten Wochen). Die EU selbst drängt Irland, das Geld zu nehmen, bevor es wieder zu einer Situation wie in Griechenland im Mai kommt, in der Stunden über Leben und Sterben des Euro entschieden.
Wobei Irland natürlich einerseits ein viel kleinerer Brocken ist – und andererseits wirtschaftlich sicher schneller wieder auf die Beine kommen wird.
Dominique Strauss-Kahn, Chef des IMF, scheint übrigens nicht dieser Meinung zu sein. Er scheint zu glauben, dass ein Staat mit 3,5 Millionen Einwohnern und einem Bruttonationalprodukt von rund 160 Milliarden Euro (zum Vergleich: Österreich hat 8,3 Millionen Einwohner und 415 Milliarden; das BIP pro Kopf ist hier um 4000 Euro/Jahr höher) locker die ‘Rekapitalisation’ einer Bank – Anglo-Irish – stemmen kann, die sich im Bereich um rund 50 Milliarden bewegen wird. Was übrigens zu einem Rekorddefizit von 32 Prozent (!) des BNP geführt hat. Wieder zum Vergleich: Das Defizit im ebenfalls schuldengeplagten Österreich liegt bei ebenfalls rekordverdächtigen 7,7 Prozent.
Genug der Zahlen. Müßig zu sagen, dass sich Herr Strauss-Kahn, übrigens vermutlich nächster Präsident Frankreichs, täuscht. Irland kann das nicht stemmen. Der Bailout ist eine Frage von Tagen.
Oder auch nicht. Denn am 25. November findet in Irland eine wichtige Regionalwahl in der Grafschaft Donegal statt, die der herrschenden Partei Fiánna Fail gar nicht ins Konzept passt. Am 7. Dezember soll das Budget 2011 veröffentlicht werden. Womit wir wieder bei Griechenland wären,wo Regionalwahlen in Deutschland und Angela Merkels Verzögerungstaktik den Euro beinahe zum Zusammenbruch gebracht hätten.
DurchgeFAILt
Das irische Problem ist so gigantisch, dass es nicht über Nacht entstanden sein kann. Natürlich, 2009 wurde die Anglo-Irish notverstaatlicht und entpuppt sich als Fass ohne Boden. In Irland herrscht jedoch ein unvorstellbarer politischer Filz, der selbst großkoalitionär gestählten Österreichern die Schamesröte ins Gesicht treiben würde. Fiánna Faíl, die Partei des amtierenden Taoiseach Brian Cowen, ist nämlich mit Ausnahme von 19 Jahren durchgehend seit 1932 an der Macht. Dort möchte FF natürlich auch bleiben. Jedoch, wenn vor der Wahl ein Bailout bei der EU beantragt wird, ist das für das Land und vor allem die verantwortliche Partei ein Gesichtsverlust.
FF hat also nichts von Merkel gelernt: Madame Non hat ihre Wahl auch haushoch verloren, da sich dank umfassender Information in den Medien die Wähler nicht für blöd verkaufen ließen. Jedem Kleinkind war klar, dass ein Bailout Griechenlands notwendig sein würde. Nur Merkel war nicht klar, wie klar. Schlecht beraten, kein Gespür, egal. Fakt ist, in Irland wiederholt eine Partei mit Allmachtsanspruch genau den selben Fehler und ist nicht bereit, Verantwortung für ihr eigenes Versagen zu übernehmen und das Wohl des Landes und seiner Bürger über das eigene zu stellen. FF wird die Donegal-Wahlen verlieren. So sehr, wie die ansonsten entspannte irische Volksseele kocht, könnte sie sogar ihre Sitze im Parlament verlieren. Wenn nämlich die angekündigten Großproteste am Budgettag 7. Dezember durch monetäre Einschnitte bei den Kleinsten so überkochen, dass Leinster House (das Parlamentsgebäude in Dublin) gestürmt wird. Ist das vorstellbar? Natürlich. Es wäre schon die 5. Republik seit 1919. Was allerdings an den Mächtigen im Land nicht wirklich viel geändert hat.
Poster Maximus Cynicus auf politics.ie bringt es auf den Punkt, egal, wie sehr sich FF wehrt: We are where we are and it is now necessary to pull on the green jersey while saluting the European flag. Eine Partei, die ihr ganzes Land und die gemeinsame Währung in Gefahr bringt, nur um sich weiter an die Macht zu klammern, gehört als Teil der Bailout-Auflagen von selbiger entfernt.
Heute war das Christkind da. Und es hat ein Geschenk gebracht, nämlich das hier:
Sehr hübsch. Die Sony NEX-3 vereint das Beste aus zwei Welten: Die Bildqualität einer SLR mit der (Fast-) Mobilität eines x-beliebigen Schnappschusskamerachens. Der Formfaktor ist eigentlich absurd, liegt aber sehr gut in der Hand.
Hier ein paar Testfotos, die ich schnell am Nachhauseweg vom Büro geschossen habe. Bilder sind mit dem Automatikmodus gemacht worden, volle manuelle Kontrolle ist aber auch möglich. Leichte Farbkorrekturen in Adobe Lightroom, ansonsten keine Nachbearbeitung. Klick für größere Ansicht.
(man beachte den einen messerscharf sichtbaren Spinnwebfaden im Vordergrund)
Hier wird’s bald mehr geben: http://www.flickr.com/photos/neumondnacht
Seit sein Herrl und Meister nicht mehr ist, dürfte Peter Gnam, Innenpolitikchef der Kronen Zeitung, in Trauer untergehen. In solchen Extremsituationen setzt schon gerne mal das Hirn aus, wie jeder weiß, der schon einmal einen Lebensmenschen verloren hat. Anders sind solche Ergüsse schwer erklärbar:
Haider kassierte 2002 in Bagdad fünf Millionen Dollar von Saddam Hussein: So lautet das neueste Märchen aus 1000 und einer Nacht — „profil” erzählt es in seiner neuesten Ausgabe und beruft sich auf ein Dossier vom Mai 2008. (…) Haider ist tot und kann nichts mehr sagen. (…) ist für die außer Rand und Band geratene Medienmeute ungemein praktisch: Sie kann dem verstorbenen Kärntner Landeshauptmann zig Millionen andichten, und der kann sich nicht mehr dagegen wehren. (…) Und was ist, wenn Haider tatsächlich heimlich über so viele Millionen verfügt hat? Und wenn schon, werden viele Leute sagen. Ist ja nicht verboten, sich Geld schenken zu lassen.”
Danke an die KollegInnen vom Krone-Blog für diesen Fund!