autsch.

Jun
2011
22

Es tut so rich­tig weh, wenn der ein­zige (!) Kom­men­tar zu den inzwi­schen berühm­ten Tiro­ler Berg­gip­feln, der auch Sinn ergibt und sich nicht in OMG AUSVERKAUF!!!111elfeins!!-Rhetorik ergeht, aus­ge­rech­net vom neo­li­be­ra­len Über­schrei­hals Andreas Unter­ber­ger kommt. So sel­ten ich dem Mann zustimme, mit die­sem Blog­ein­trag hat er sich Bei­fall verdient.

Come get some!

 

Im Stu­den­ten­heim war das so: Lange, bevor es sowas wie ‘LAN-Buchsen’ gab, hat­ten wir Tele­fon­buch­sen und blanke Drähte von unse­ren 56k-Modems. Und damit konn­ten wir – jeweils zu zweit – Duke Nukem 3D spie­len. Nach 14 Jah­ren Absti­nenz ist der Duke zurück und eigent­lich eh so wie immer.

Natür­lich über­schla­gen sich die Kri­ti­ker mit nega­ti­ven Bewer­tun­gen. Sexis­tisch sei er, vul­gär, bru­tal, hirn­los und überhaupt.

Ach ne, wirk­lich. Kann schon sein, dass die Kri­ti­ker Mitte der 90er Jahre noch in die Win­deln gekackt haben und keine Ahnung haben, wofür der Duke steht. Das ist nicht Recht und Ord­nung unter dem Ster­nen­ban­ner, son­dern Spaß. Auf tiefs­tem Niveau und das ist gut so. In einer Game­welt, in der Shoo­ter aus­schließ­lich tod­ernste Patrio­tis­musmes­sa­ges mit dem Holz­ham­mer in die Köpfe ihrer min­der­jäh­ri­gen Spie­ler dre­schen, ist der Duke ein ange­neh­mer Rück­schritt in die inzwi­schen schon gute, alte Zeit. Tech­ni­sche Män­gel, Gra­fik nicht auf dem Stand von 2011? Fuck yeah, na und? Haupt­sa­che, die Babes haben nicht nach­ge­las­sen und sehen jetzt deut­lich bes­ser aus als die Pixel­hau­fen von anno dazumal.

Duke Nukem Fore­ver wird nie­mals eines der bes­ten Spiele aller Zei­ten sein. Aber für uns, die 14 Jahre auf seine Rück­kehr war­ten muss­ten, ist er ein ver­reg­ne­tes Wochen­ende im Ges­tern. Für alle Kri­ti­ker, die dach­ten, es würde ein 2D-Spiel in Schwarz­weiß mit lehr­rei­chen Inhal­ten für die Ziel­gruppe von 6 bis 12 und einem avant­gar­dis­ti­schen Oboen-Soundtrack: Die haben wohl nicht auf­ge­passt. Für das, was es ist, ist DNF her­vor­ra­gend gelun­gen und eine schöne kleine Ablen­kung von den ach so ernst­haf­ten Gewalt­or­gien all der Call of Duties, Batt­le­fields und Medal of Honors.

Der Duke würde das sei­nen Kri­ti­kern wohl anders sagen:  My boot, your face; the per­fect couple.

Was den­ken sich Mäd­chen, die gerade der Puber­tät ent­wach­sen sind, wenn der sola­ri­ums­ge­bräunte 18-jährige Pro­let mit dem nagel­neuen BMW vor der Bau­ern­disco auf­fährt? Wohl kaum, dass die­ser Lehr­ling im 2. Lehr­jahr den noch 20 Jahre abzah­len wird, nach­dem er ihn an der nächs­ten Haus­wand tota­li­siert hat. Doch offen­sicht­lich ist es nicht nur in ‘die­sen’ Krei­sen so. Dazu gibt es jetzt eine inter­es­sante Stu­die: Youth debt, mas­tery, and self-esteem: Class-stratified effects of indebted­ness on self-concept (Deutsch). Kurz gesagt für alle, die nicht so viel lesen wol­len – junge Men­schen füh­len sich nicht unwohl, wenn sie für den schnel­len Kon­sum Schul­den machen. Eigent­lich ganz im Gegen­teil, die ‘Werte’, die den lang­fris­ti­gen Schul­den gegen­über­ste­hen, heben das Selbstwertgefühl.

Es ist ver­mut­lich nicht ver­mes­sen zu sagen, dass das nicht die Schuld von bekannt mäßig zurech­nungs­fä­hi­gen Jugend­li­chen und auch jun­gen Erwach­se­nen ist. Im Gegen­teil, es ist das End­pro­dukt einer Kam­pa­gne, die seit Jahr­zehn­ten läuft. Zusam­men­ge­fasst kann man die mit ‘Kon­sum­ver­blö­dung’ umschrei­ben. Dabei arbei­ten zwei große Indus­trien Hand in Hand: die Finanz und die Medien. Die einen ver­sen­den den schnel­len Kre­dit in Form von bun­ten Kar­ten zumin­dest in den USA wahl­los an alle, die selbst­stän­dig auf­recht ste­hen kön­nen. Die ande­ren zei­gen nicht nur eine bunte Fan­ta­sie­welt, son­dern erhe­ben Dumm­heit und Null­leis­tung in Form von Paris Hil­ton und Kon­sor­ten zur begeh­rens­wer­ten Kar­riere. Man darf nicht den Feh­ler machen, die Ver­füg­bar­keit von Kon­sum­ar­ti­keln ver­ant­wort­lich zu machen. Die gab es auch in den letz­ten 4000 Jah­ren. Nein. Es ist die Kul­tur, die Dumm­heit zur benei­dens­wer­ten Qua­li­tät erhebt, die an sol­chen Ent­wick­lun­gen maß­geb­lich betei­ligt ist.

Gewin­nen tun natür­lich alle — außer den zu lebens­läng­li­chen Schul­den Ange­füt­ter­ten. Und zuge­ge­ben, es ist nicht ganz leicht, den Ver­lo­ckun­gen zu wider­ste­hen. Hier sind, im Gegen­satz zur ansons­ten hier ver­tre­te­nen libe­ra­len Grund­ein­stel­lung, die Staa­ten gefor­dert, regle­men­tie­rend ein­zu­grei­fen (denn die Eltern sind offen­sicht­lich nicht mehr in der Lage dazu). Wenn ein Staat wie die USA in man­chen Bun­des­staa­ten das offene Tra­gen von Alko­hol ver­bie­ten kann und auch die Zur­schau­stel­lung von zu viel Haut auf Wer­be­pla­ka­ten, dann kann er sehr wohl auch ver­bie­ten, dass 14-Jährige Kre­dit­kar­ten bekom­men. Das Pro­blem ist jedoch, dass auch die Staa­ten bes­tens daran ver­die­nen, wenn das Schuld­ver­hält­nis mög­lichst ein gan­zes Leben lang dauert.

goodbye endeavour.

Jun
2011
01

Wir sehen uns im Museum.

Es ist wie­der ein­mal Pfings­ten. Zeit für Wal­ter Eichel­burg, auf sei­ner Seite hart​geld​.com den all­jähr­li­chen Tod des Euro in hys­te­rischs­ten Far­ben aus­zu­ma­len. Wie schon 2010, als über­ra­schen­der Weise seine Vor­her­sa­gen nicht ein­tra­fen, beflei­ßigt sich die­ses Würst­chen wie­der der­sel­ben Metho­den wie schon öfters: Selbst ver­fasse ‚Leser­zu­schrif­ten’, übelst mit MS Paint zusam­men­ge­stop­pelte ‚Kari­ka­tu­ren’ (teil­weise grenz­wer­tig) und die Erschaf­fung irgend wel­cher Indi­zien aus noch lee­re­rer Luft als Ban­ken das Geld. Das dabei demons­trierte Ego, näm­lich sich selbst im Ton­fall des wirt­schaft­li­chen Hohe­pries­ters zu ant­wor­ten, ist ent­we­der benei­dens­wert oder auch ein Zei­chen fort­schrei­ten­der para­no­ider Schi­zo­phre­nie. Klar, Eichel­burg. Weil dich irgend wel­che Inves­to­ren um Rat fra­gen :D

Doch das ist alles nicht neu. Eichel­burg steckt bis zur Hals­krause im Anus der Gold­händ­ler, und umso mehr Panik er zu schü­ren ver­sucht, desto höher steigt bei den Leser­zah­len von hart​geld​.com der Gold­preis an der ca. 42. Stelle hin­ter dem Komma.

Bemer­kens­wert ist aber — abge­se­hen davon, dass sich die Medien die­ses Jahr nicht von der Pfingst­pre­digt beein­flus­sen las­sen — dass ihn die ver­gan­ge­nen Totalb­la­ma­gen nicht davon abhal­ten, es wie­der zu pro­bie­ren. Und zwar nach genau dem sel­ben, selbst von leicht zurück­ge­blie­be­nen Drei­jäh­ri­gen zu durch­schau­en­den, Strick­mus­ter. Die­ser Wal­ter Eichel­burg ist ein inter­es­san­ter Cha­rak­ter, der ganz locker in drei ver­schie­dene Rol­len schlüp­fen kann:

1. Der Geschäfts­mann hin­ter hart​geld​.com. Diese Seite ist eine kom­mer­zi­elle, und ihr Geschäft ist der mit Panik ein­her­ge­hende stei­gende Gold­preis. Sie wird sel­bige also schü­ren, wo sie nur kann. Nur, es hört kei­ner (mehr) zu.
2. Der Leser(briefschreiber). Allzu viele echte wird hart­geld kaum mehr haben, nach­dem vor genau einem Jahr nicht die DM2 ein­ge­führt wurde, trotz voll­kom­men unwi­der­leg­ba­rer Beweise wie einem zufäl­li­gen Auf­tau­chen der Buch­sta­ben­kom­bi­na­tion ATS auf einer Tank­stel­len­rech­nung in Blu­denz.
3. Der Pries­ter. Sei­nen eige­nen ‚Zuschrif­ten’ ant­wor­tet Eichel­burg kurz, knapp, in blauer Schrift und voll­kom­men ex cathe­dra.

Man fragt sich… warum sich mit die­sem Spin­ner abge­ben? Es gibt Tau­sende Sei­ten wie seine, eine wil­der als die nächste, von mil­der 3-Prozent-Inflation bis hin zum Total­crash und der Über­nahme der Erde durch Inves­to­ren vom bis­lang unbe­kann­ten Jupi­ter­mond La-La-Land ist alles dabei. Aber Eichel­burg ist ein Spe­zi­al­fall. Im Gegen­satz zu den Betrei­bern ande­rer Ver­schwö­rungs– und Panik­sei­ten ist er greif­bar, gibt sogar TV-Interviews. Angeb­lich tra­fen vor Jah­ren einige sei­ner ‚Vor­her­sa­gen’ sogar ein, daher wurde er als eine Art Experte ange­se­hen. Im Jahr 2010 spe­ku­lier­ten sogar einige Medien auf­grund sei­ner Aus­sa­gen auf eine Wie­der­ein­füh­rung von Schil­ling und D-Mark über das Pfingst­wo­chen­ende. Diese Expo­nie­rung macht ihn gefähr­li­cher als andere sei­nes Schla­ges. Denn offen­bar gibt es noch immer wel­che, die das alles glau­ben. Womit wir bei der Crux der Geschichte wer­den: Wenn jemand eine Geschichte des Panik­ma­chens mit dem Hin­ter­grund der eige­nen Berei­che­rung hat… warum genau hört dem eigent­lich noch jemand zu? Oder bes­ser, warum nimmt jemand die­sen Men­schen eigent­lich ernst?

Das ist nicht unin­ter­es­sant. Ein indi­scher For­scher will eine 8000 Jahre alte Mauer gefun­den haben. Das wäre ein Zei­chen für eine Hoch­kul­tur zu einer Zeit, als es sol­che nach bis­he­ri­gen Infor­ma­tio­nen noch nir­gends gab. Die Veri­fi­ka­tion ist natür­lich irgend wo zwi­schen schwie­rig und unmög­lich ange­sie­delt, und dass es nur eine Quelle gibt, macht die Sache nicht recht viel bes­ser. Sollte aber was dran sein, müsste wohl die Mensch­heits­ge­schichte in die­sem Teil der Erde umge­schrie­ben wer­den. Die Frage ist nur… wo ist der Rest der Bauten?

Mal wei­ter­se­hen.

Gesich­tert hat sich Indien aller­dings eines: Die Gold­me­daille für die längste Hecke aller Zei­ten. Wer sagt, dass die East India Com­pany kei­nen Humor hatte?

(Bild geklaut von Robert Len­der)

Da krümmt sich doch die Gurke vor Lachen. Gerade das Lieb­lings­ge­müse aller Hunger-Models (ver­braucht mehr Kalo­rien bei der Ver­dau­ung, als drin sind! Super!) und noch dazu in Bio-Ausführung bringt uns jetzt um. Wie, so fragt sich der kleine Bobo, kommt aber die unter bekannt wenig appe­tit­li­chen Umstän­den durch Skla­ven­hände gezo­gene spa­ni­sche Gurke in unse­ren Bio­han­del? Sind das nicht eigent­lich jene Vege­ta­rier, die mit blo­ßen Hän­den jede ein­zelne Tomate auf Schad­stoffe abklop­fen, bevor sie sel­bige zum Preis von Mas­siv­gold an jene ver­kau­fen, die lei­der zu beschäf­tigt und dort­selbst auch zu unsicht­bar sind, um Sams­tag­vor­mit­tag ‚ihren’ total gehei­men aber dafür hand­zah­men Waldviertel-Bauern aufzusuchen?

Kann man nicht ein­mal mehr dem BIO!-Preispickerl trauen, das da doch min­des­tens dop­pelt so viele Stel­len auf­weist wie die Glas­haus­frucht gleich dane­ben, die dafür aber nicht dre­cking, ver­schrum­pelt und daher natur­nah ist?

Offen­sicht­lich nicht. Wäh­rend sich die ein­zel­nen Unter­neh­men und Staa­ten die Ver­ant­wor­tung für das EHEC-Problem zuschie­ben, muss sich der geneigte Bio­käu­fer und sol­che, die es bei Ein­tritt der finan­zi­el­len Erwach­sen­heit noch wer­den wol­len, fra­gen: Hat man mich betro­gen und lacht sich der Händ­ler krum­mer als die Gurke? Ist Bio viel­leicht das viele Geld, das man dafür ver­langt, gar nicht wert? Warum kann ich im Dezem­ber eine schmack­hafte Glashaus-Erdbeere aus Peru zu einem Vier­tel des Prei­ses bekom­men, den sel­bige in einem sehr engen früh­som­mer­li­chen Zeit­fens­ter kos­tet, wenn sie denn aus Öster­reich ist und mit BIO! ver­se­hen im Regal steht?

Die Ant­wort ist wohl rela­tiv ein­fach. Bio bedeu­tet eigent­lich, dass eine schlaue Min­der­heit eine dumme, aber wohl­mei­nende, Mehr­heit nach Strich und Faden aus­nimmt wie die garan­tiert zwang­los gefüt­ter­ten und mit Mozart beschall­ten Bio-Weihnachtsgänse. Und zwar auch dann, wenn diese Mehr­heit nicht Bio ein­kauft. Sub­ven­tio­nen heißt das Zau­ber­wort und lässt Bio­bau­ern sprie­ßen wie die Palm­katzerln im März. Die sprit­zen dann, um alle Auf­la­gen für’s Abkas­sie­ren zu erfül­len, in Spa­nien wie Öster­reich Kuh­scheiße auf ihre Fel­der statt die­sem bösen Dün­ger aus dem hygie­ni­schen Plas­tik­beu­tel. Nun ent­zieht sich mir die Kennt­nis, was an Letz­te­rem so schlimm sein soll, aber mein Instinkt sagt mir, dass ich man­che Dinge eben nicht unbe­dingt im Essen haben muss. Ist zwar schon seit Jahr­tau­sen­den so, aber wenn ein­mal was pas­siert, dann ist sofort von einer Seu­che die Rede und ein gan­zer — wenn auch über­flüs­si­ger aber hey, alles ist bes­ser als am AMS ste­hen — Geschäfts­zweig wird prak­tisch vernichtet.

Die Bio-Händler soll­ten bei aller berech­tig­ter Trauer einen Blick 25 Jahre in die Ver­gan­gen­heit wer­fen. Damals setz­ten viele Wein­bau­ern ihren sau­ren Trop­fen süßes Frost­schutz­mit­tel zu, was sie kon­se­quen­ter Weise nach Auf­flie­gen mehr oder weni­ger zer­störte. Heute brin­gen Bio­händ­ler ihre Kun­den um, zumin­dest in der öffent­lich Per­zep­tion, was rein vom Image her auch nicht beson­ders gut ist. Die Wein­bau­ern haben den Neu­start geschafft. Warum sollte es nicht auch allen, die BIO! am Revers tra­gen, gelin­gen. Dazu gehört, dass man in den sau­ren Apfel beißt und die zwar um nichts schlech­te­ren, doch auch wesent­lich weit gereis­te­ren spa­ni­schen Bio-Gurken eben nicht mehr ein­kauft. Dann gibt’s im Win­ter halt nur mehr Bio-Rüben, Bio-Kraut, Bio-Kartoffeln und ver­schrum­pelte, kleine, zähe Bio-Äpfel, die leicht nach Most schme­cken. Was soll’s, zumin­dest wäre das ehrlich.

Ob man Ehr­lich­keit von die­ser Bran­che erwar­ten kann, ist natür­lich die ganz andere Frage.

Dis­clai­mer: Natür­lich ist der Autor die­ser Zei­len ‚für’ gesunde Lebens­mit­tel. Er ist bei­spiels­weise auch ‚für’ gesün­dere Medi­ka­mente und sich gleich­zei­tig bewusst, dass es wenige Men­schen gibt, die das anders sehen. Trotz­dem hält er sowohl bio als auch Homöo­pa­thie für eine Aus­nut­zung der Kom­bi­na­tion aus Dumm­heit mit guten Inten­tio­nen im Sinne der eige­nen Gewinnmaximierung.

Man kann sehr gut ohne Fern­se­her leben. Ich habe das in den letz­ten acht Jah­ren auch so prak­ti­ziert. Damals, nach ein­wö­chi­ger Selbst­be­trach­tung, die prak­tisch aus abend­li­chem, sinn­lo­sen Her­um­zap­pen bestand, ist das Ding in hohem Bogen raus­ge­flo­gen. Das war einer­seits gut für die Ein­rich­tung der dama­li­gen Klein­woh­nung, die ab dato nicht mehr auf den Fern­se­her aus­ge­rich­tet sein musste. Ande­rer­seits war plötz­lich rela­tiv viel Zeit vor­han­den. Um jetzt aller­dings nicht in die links-alternativ-ironischgebrochene Ecke gestellt zu wer­den — im Tausch legte ich mir eine arm­di­cke Inter­net­lei­tung zu. Das ver­blö­det zwar auch, aber zumin­dest interaktiv.

Ab heute bekommt TV eine neue Chance. Zwar nicht ganz, aber immer­hin in 42 Zoll. Keine Chance, dass es jemals wie­der ein Kabel­an­schluss mit 300 Sen­dern wer­den wird, aber ein gro­ßer Bild­schirm tut der DVD-Sammlung schon recht gut. Mal sehen, wie wir uns ver­ste­hen, der Fern­se­her und ich.

42.

Mai
2011
25

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skandal!

Mai
2011
19

Lars von Trier, schwerst über­schätz­tes Lieb­lings­kind des Film­fes­ti­vals in Can­nes, ist nicht mehr. Ein Eklat sei es gewe­sen, was er über Hit­ler gesagt hat. Und wurde dafür aus­ge­schlos­sen. Gefal­len sind fol­gende Worte:

„Natür­lich, er hat fal­sche Dinge getan, aber ich kann ihn auch sehen, wie er da am Ende in sei­nem Bun­ker hockt. Ich glaube, ich ver­stehe den Mann. Er ist nicht unbe­dingt das, was man einen guten Kerl nennt. Aber ich ver­stehe vie­les an ihm und kann mich sogar ein biss­chen in ihn ein­füh­len.„
[…]
Ich bin nicht für den Zwei­ten Welt­krieg, und ich bin nicht gegen Juden. Ich bin sogar sehr für die Juden. Oder nein, so doll nun auch wie­der nicht. Schließ­lich geht einem Israel wirk­lich auf die Ner­ven
[…]
OK, ich bin ein Nazi.

Die Ein­stel­lung die­ses Blog­tip­pers in Rich­tung Rechts dürfte ja hin­läng­lich bekannt sein. Diese Aus­sage, wenn sie denn kom­plett ist, macht aller­dings sicher­lich kei­nen Eklat. Natür­lich, ein Film­fes­ti­val ist nicht unbe­dingt der rich­tige Ort für sowas, aber hit­ler­freund­lich? Bitte wo denn? Von Trier — des­sen Filme ich ob ihrer krampf­haf­ten Art nicht lei­den kann — spricht nur aus, was wahr­schein­lich auch dem gutes­ten Super­gut­men­schen ver­ständ­lich sein sollte: Auch Hit­ler war nur ein Mensch. Ein böser, aber er war keine mythi­sche Figur, kein Satan, kein Halb­gott. Und ver­mut­lich hat er sich so rich­tig Scheiße gefühlt am Ende. Das ist nach­voll­zieh­bar. Für alle, die das nicht kön­nen, gibt es den Film ‚Der Unter­gang’. Und dass einem Israel als Staat auf die Ner­ven gehen kann, muss wohl auch noch erlaubt sein. Mir geht Pakis­tan auf die Ner­ven, des­we­gen hasse ich auch keine Moslems.

Die Aus­sage, ein Nazi zu sein, trieft vor Spott. Der wurde aber in der ein­set­zen­den Hän­de­rin­ge­rei schon überhört.

Natür­lich weiß von Trier, wie die so sehr in sich selbst ver­liebte Welt von Can­nes auf diese Aus­sage rea­gie­ren wird. Melan­cho­lia, sein neuer Film, klingt auch schon wie­der fad. Ja, natür­lich kann man sich in dra­ma­ti­schen Nah­auf­nah­men erschreck­ter Frau­en­ge­sich­ter erge­hen, wenn das klas­si­sche SciFi-Szenario ein­tritt (nein, ich habe den Film noch nicht gese­hen). Hin­ter dem Ofen wird es aber nur wen her­vor­ho­len, wenn er Anti­christ toppt und eine lesbisch-inzestiöse Bezie­hungs­kiste mit einen Hauch Ampu­ta­ti­ons­stümp­fe­fe­tisch dar­aus macht. Tut er aber nicht. Folg­lich ist ein biss­chen PR ange­sagt. Die hat er bekom­men, und zwar mit einer Aus­sage, die wirk­lich jeder nach­emp­fin­den und nur selbst­er­ko­rene Geis­tes­zom­bies ‚falsch’ ver­ste­hen kön­nen. Man kann sich dar­auf ver­las­sen, dass er nach adäqua­ter Jury­be­schimp­fung zurück­ru­dern und wie­der mit offe­nen Armen emp­fan­gen wer­den wird.

Der wirk­li­che Skan­dal an der gan­zen Sache ist: Die Skan­dale an der Cote d’Azur wer­den auch immer öder.

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