AOL hat die Huf­fing­ton Post gekauft. Ken­ner der Mate­rie wis­sen: Das heißt Kün­di­gun­gen und nicht zu knapp, da Kün­di­gun­gen nun ein­mal offen­bar das allei­nige Heil­mit­tel der Medi­en­bran­che sind. Das zieht sich durch, denn die News kom­men eh aus den Pres­se­ab­tei­lun­gen der Werbekunden.

Wenn AOL-Chef Tim Arm­strong die­sen Schritt – 1000 Raus­schmisse – ankün­digt, dann liest sich das so. Hier ein klei­nes Best Of… von einem der  abschre­ckends­ten Bei­spiele von cor­po­rate Schön­sprech aller Zeiten.

Today, we are announ­cing an orga­niza­tio­nal struc­ture that will signi­fi­cantly improve AOL’s abi­lity to focus on growth. The struc­ture will also impact areas of our team–making the deci­sion to reduce staff levels is a necessary part of reb­a­lan­cing our work­force to be com­pe­ti­tive in our industry.

… bla bla bla…

There are three import­ant aspects to the struc­tu­ral chan­ges we are making today. The first is the archi­tec­ture of our brand port­fo­lio. The second is the orga­niza­tio­nal design of The Huf­fing­ton Post Media Group. The third is our shift from India being a busi­ness pro­cess cen­ter to India being a con­su­mer pro­ducts group focu­sed on the APAC market.

Ich kenne diese Spra­che recht gut. Ich kann auch sehr gut Eng­lisch. Ich ver­stehe obi­gen Absatz nicht. Ich glaube, es heißt, dass Indien zu teuer für die Pro­duk­tion wird, aber als Kon­su­men­ten sind die Inder dann schon sehr willkommen.

We have a clear path to brand success–which is only turbo-charged with the addi­tion of the Huf­fing­ton Post to our brand portfolio.

AOL hat noch alles zer­stört, was es in die Fin­ger bekom­men hat, inklu­sive sich selbst. Der Huf­fing­ton Post wird es nicht anders ergehen.

With Arianna’s lea­dership and vision, HPMG will be fueled by high-quality edi­to­rial con­tent, and will give AOL the enhan­ced abi­lity to deli­ver a sca­led and dif­fe­ren­tia­ted array of pre­mium news, ana­ly­sis, enter­tain­ment, infor­ma­tion, and community…

Am bes­ten ganz ohne Leute.

We are crea­ting Depart­ment Edi­tor posi­ti­ons for each of the edi­to­rial depart­ments and their part­ners will be the Gene­ral Mana­gers (for­merly our Mayors), who will con­ti­nue to serve as CEOs, dri­ving reve­nue, dis­tri­bu­tion and over­all growth stra­tegy for the depart­ments they support.

In ande­ren Wor­ten: Wir wer­fen jede Menge klei­ner Fische raus, damit wir zum sel­ben Gesamt­preis ein paar große Fische instal­lie­ren kön­nen. Die dem Kunden/Leser prä­sen­tierte Arbeit wird ein­ge­schränkt, dafür gibt es jetzt mehr Mana­ger, die den gan­zen Tag lang heiße Luft mit gei­len Namen wie Brand Lea­ding Stra­tegy erzeugen. 

Jour­na­lists are the heart and soul of a media company.

Und des­we­gen wer­fen wir sie raus.

Der Mega­ham­mer kommt aber ganz am Ende die­ses unglaub­li­chen Memos:

Over­all, the struc­tu­ral chan­ges in India will impact close to 700 jobs, with appro­xi­mately 400 tran­si­tio­ning out of the com­pany, and 300 tran­si­tio­ning to out­sour­cing part­ners to con­ti­nue to work on the AOL busi­ness. AOL India has been a signi­fi­cant part of AOL, star­ting with call cen­ter out­sour­cing in 2002 and mor­phing into a busi­ness ope­ra­ti­ons cen­ter. The employees of AOL India are talen­ted, ener­ge­tic, and hard-working – and we will be offe­ring impac­ted people tran­si­tion ser­vices. I would hope that India beco­mes a great future con­su­mer mar­ket for AOL based on India-first pro­duct development.

Über­setzt heißt das: Ihr wer­det ent­we­der gekün­digt oder an Bil­ligs­t­an­bie­ter out­ge­sourct, aber natür­lich freuen wir uns recht, wenn ihr uns was abkauft.

Wow, kann man da nur sagen. Der Mann sollte sich nicht wun­dern, wenn nach so viel unehr­li­chem Geschwur­bel ver­ein­zelte Fackeln und Mist­ga­beln vor sei­nem Büro auf­tau­chen. Selbst als in der PR arbei­ten­der Schrei­ber habe ich noch nie so viel her­ab­las­sen­den Bull­s­hit auf einen Hau­fen gelesen.

bei meiner ehr’!

Mrz
2011
10

Ein Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­ter und dafür karen­zier­ter Poli­zist ist also erwischt wor­den. Und zwar mit dem Behin­der­ten­aus­weis sei­nes vor 10 Jah­ren ver­stor­be­nen Schwie­ger­va­ters hin­ter der Wind­schutz­scheibe. Es han­delt sich um einen ech­ten öster­rei­chi­schen Poli­ti­ker, und damit ist es selbst­ver­ständ­lich, dass er jede Ver­ant­wor­tung von sich weist. Nicht nur das, er belas­tet außer­dem seine eigene Ehe­gat­tin (die die Strafe für den Miss­brauch schon begli­chen hat). Der Mann hat sogar ein Alibi, er war zum frag­li­chen Zeit­punkt in Wien auf einer Sit­zung. An sich keine große Sache, pas­siert ver­mut­lich jeden Tag.

Trotz­dem ergibt sich ein bit­te­rer Nachgeschmack.

Diese Sache wirft näm­lich ein inter­es­san­tes aber nicht wei­ter über­ra­schen­den­des Bild auf die cha­rak­ter­li­che Aus­stat­tung eines Volks­ver­tre­ters, der wahr­schein­lich stell­ver­tre­tend für einen Groß­teil der momen­ta­nen poli­ti­schen Kul­tur steht. Über den Her­gang kann spe­ku­liert wer­den. Er sieht jedoch bei Betrach­tung aus der Ferne fol­gen­der­ma­ßen aus: Den Behin­der­ten­aus­weis haben die trau­ern­den Ehe­leute wohl dem toten Schwie­ger­va­ter aus dem Geld­börsl genom­men, als der noch warm war. Als NR-Abgeordneter ist man schließ­lich wer, und warum nicht die vie­len Vor­teile – gut gele­gene Park­plätze – aus­nut­zen, die der gemeine behin­derte Pöbel hin­ter­häl­ti­ger Weise bekommt und Par­la­men­ta­rier außer­halb Wiens nicht. Egal, dass man damit einem wirk­lich Bedürf­ti­gen den Platz ver­stellt. Egal, dass man das zehn Jahre lang macht und sich dann, wenn man erwischt wird, auf einen Feh­ler hin­aus­re­det. Egal, dass man die eigene Frau belas­tet. Egal, ob sogar dem Dümms­ten klar ist, dass der Herr Natio­nal­rat das selbst­ver­ständ­lich bewusst gemacht hat. Und dann die Ver­tei­di­gung, das Abschie­ben, das Her­aus­la­vie­ren auf unters­tem Niveau. Dabei hätte man diese Ange­le­gen­heit mit mit zwei Sät­zen erle­di­gen kön­nen: ‘Ja, das war so. Es tut mir leid, es kommt nicht mehr vor und ich spende an irgend eine Behin­der­ten­or­ga­ni­sa­tion.’ Das würde nicht nur dem poli­ti­schen Geg­ner den Wind aus den Segeln neh­men, es würde zumin­dest ein Min­dest­maß an Rück­grat und Inte­gri­tät belegen.

Die Pein­lich­keit wirft auch eine andere Frage auf: Wie geht der Mann mit ech­ten, poli­ti­schen Kri­sen um? Ist er etwa ein inte­gra­ler Bestand­teil des öster­rei­chi­schen Par­la­men­ta­ris­mus, der aus­schließ­lich aus Hand­he­ben auf Par­tei­ge­heiß besteht? Viel­leicht sollte man sich mal anse­hen, ob er außer angrif­fi­gen Pres­se­aus­sen­dun­gen noch irgend was zustande gebracht hat – und dann eine Kosten-Nutzen-Rechnung anstel­len. Ist er gar ein Hin­ter­bänk­ler mit recht über­schau­ba­ren par­la­men­ta­ri­schen Akti­vi­tä­ten, der aus undurch­sich­ti­gen Grün­den einen schö­nen Ver­sor­gungs­pos­ten geschenkt bekom­men hat? Man weiß es nicht. Viel­leicht kann er ja was und ist auf­grund groß­ar­ti­ger Ver­dienste auf sei­nem gut bezahl­ten Pos­ten. Viel­leicht auch nicht.

Rück­grat und Inte­gri­tät als Grund­pfei­ler einer mensch­li­chen Mini­mal­ehre sind jedoch nicht, was die momen­tane poli­ti­sche ‘Elite’ aus­zeich­net. Bei vie­len scheint es aus­schließ­lich um die Anhäu­fung per­sön­li­cher Vor­teile zu gehen. Man­che sind dabei geschickt, man­che weni­ger. Nor­bert Kapel­ler gehört zu zwei­te­rer Spezies.

tempus fugit.

Mrz
2011
08
1981: Der erste Start des Space Shut­tle Columbia.

 

30 Jahre sind keine so lange Zeit. Ich kann mich noch sehr genau an den ers­ten Start eines Space Shut­tle erin­nern: weiß, ele­gant, so voll­kom­men anders als die engen Raum­kap­seln der Ver­gan­gen­heit. Mehr Flug­zeug als Raum­schiff, eine Maschine, die neue Hori­zonte erschlie­ßen würde. Und natür­lich hatte ich ein Modell der Colum­bia in mei­nem Kin­der­zim­mer ste­hen – das Gefährt, schein­bar unsi­cher und sicher nicht wind­schlüpf­rig mon­tiert auf dem Rücken einer Boe­ing 747, recht offen­sicht­lich nicht in sei­ner natür­li­chen Umgebung.

30 Jahre spä­ter endet die Ära der Space Shut­tles mit den letz­ten bei­den Flü­gen der Atlan­tis und Endea­vour noch 2011. Man kann ihnen kri­tisch gegen­über ste­hen – man­che sagen, das Pro­gramm hätte auf­grund der finan­zi­el­len Situa­tion der NASA grö­ßere Mis­sio­nen, zum Mars, viel­leicht sogar wei­ter hin­aus, auf­ge­hal­ten. Fakt ist jedoch, dass die Shut­tles den Erdor­bit zu einer Erwei­te­rung des mensch­li­chen Lebens­be­rei­ches gemacht haben. Kon­kur­renz gibt es bis heute keine – der sowje­ti­sche Buran, eine 1:1-Kopie, hob nur ein Mal ab, unbe­mannt, und been­dete seine trau­rige Exis­tenz bei einem Han­gar­ein­sturz. Die ATVs der ESA sind zwar eine nette Ent­wick­lung als Müll­trans­por­ter, ver­glü­hen aber beim Wie­der­ein­tritt in die Atmo­sphäre und sind auch nicht für EVA und wis­sen­schaft­li­che Mis­sio­nen vor­ge­se­hen. Die rus­si­sche Soyuz ist deut­lich klei­ner, kann aber zumin­dest lan­den und Men­schen sicher wie­der auf die Erde zurückbringen.

Bei aller Kri­tik war das Shut­tle ein Mei­len­stein im bemann­ten Raum­flug. Ein Nach­fol­ger ist nicht in Sicht. Die Auf­bruchs­stim­mung von damals ist einer Art neuem Bie­der­meier gewi­chen, in dem sich der Mensch vor­wie­gend auf seine eigene Umge­bung kon­zen­triert. Fort­schritt? Ist höchs­tens ein grö­ße­rer Fern­se­her im Wohn­zim­mer. Die urös­ter­rei­chi­sche Ein­stel­lung ‘zawos brauchma denn des?!’ scheint sich glo­bal ver­brei­tet zu haben. Und gäbe es nicht fin­dige pri­vate Unter­neh­mer wie Richard Bran­son, die dem Welt­raum nicht den Rücken keh­ren, son­dern noch ein paar (wenn auch finan­zi­elle) Visio­nen haben, wür­den wir uns wohl mit dem heu­ti­gen Tag wie­der aus­schließ­lich im eige­nen Mist suhlen.

In die­sem Sinne: good­bye Dis­co­very, good­bye Space Shut­tle. Wie pas­send, dass die NASA eine schöne Klam­mer gefun­den hat, um das Raum­schiff gebüh­rend zu verabschieden.

Das aller­erste Shuttle-Modell war die Enter­prise.

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Die Abschieds­worte kom­men vom Cap­tain des ers­ten Raum­schiff Enter­prise, James T. Kirk (Wil­liam Shatner).

zum betteln.

Mrz
2011
07

Aus irgend einem Grund stürzt sich die hei­mi­sche Poli­tik im Moment auf die paar Lin­zer Bett­ler. Ein Ver­bot wird beschlos­sen, die anstän­di­gen, ehr­li­chen Stamm­tisch­re­cken jubeln und bestel­len das 12. Bier. Und natür­lich gehen die übli­chen Ver­däch­ti­gen auf die Bar­ri­ka­den.

Punkt ist: In Linz ist die Bet­te­lei wirk­lich kein Pro­blem, das Ver­bot eine reine Law-and-Order-Aktion im Zwi­schen­wahl­kampf. Aber: Wien ist ein abschre­cken­des Bei­spiel. Es gibt kaum eine Straße, auf der Pas­san­ten nicht alle paar Meter ange­schnorrt wer­den. Es gibt kaum ein Lokal, in dem nicht alle paar Minu­ten jemand am Tisch steht und von Haar­span­g­erl bis zur obsku­ren Roma-Zeitung irgend was mehr oder weni­ger aggres­siv ver­kau­fen will. In den Pau­sen zwi­schen den Bett­lern sprin­gen die bezahl­ten Agentur-Nervensägen von ‘Heeeeeee-kennst-du-die Umwelt?!’–Green­peace aus ihren Ver­ste­cken her­vor und sind läs­tig wie eh und je. An man­chen U-Bahn-Stationen kämpft sich der öffent­lich Fahr­wil­lige durch eine obdach­lose Zom­bie­herde, die nach Klein­geld statt mensch­li­cher Hirn­masse verlangt.

Bet­teln ist wohl einer der ältes­ten ‘Berufe’ der Mensch­heit und daher erses­se­nes Men­schen­recht. Genauso ein Men­schen­recht ist es, nichts zu geben und sich dabei nicht wie eine herz­lose Dreck­sau vor­zu­kom­men. Aber die enthu­si­as­ti­sche Unter­stüt­zung der Bet­te­lei von man­chen Sei­ten ist wahr­lich unnö­tig. Men­schen, die sich zu Bett­lern degra­die­ren (müs­sen), wäre auf andere Weise deut­lich mehr gehol­fen. Jene, die unbe­dingt so leben wol­len - die Lin­zer Punks — brau­chen keine Lobby.

LOL!

Mrz
2011
03

Capture

Heute im Standard-Forum…

rem.

Mrz
2011
02

Obwohl natür­lich gerade die Prä­sen­ta­tion, nein, das Jobs’sche Hoch­amt zu App­les neuem iPad2 läuft, höre ich mir doch lie­ber die neue REM an. Kurz gesagt: Keine Schwä­chen oder Län­gen wie die letz­ten paar Schei­ben, bewegt sich auf dem Niveau der Klas­si­ker aus den 80ern. Die ganz gro­ßen und offen­sicht­li­chen Höhe­punkte feh­len oder erschlie­ßen sich erst nach mehr­ma­li­gem Hören. Abso­lu­ter Kauftipp.

In den deutsch­spra­chi­gen Medien wird über das schein­bar schwa­che State­ment Barack Oba­mas geläs­tert, dass die Gewalt in Libyen inak­zep­ta­bel sei. Das ist rich­tig, auch wenn es starke Worte sind in der diplo­ma­ti­schen Welt, die jeden Bei­strich hun­dert­fach interpretiert.

Was Obama aber noch gesagt hat, geht unter. Absicht­lich oder nicht, in sei­ner Rede zur Lage in Libyen kam in der Mitte fol­gen­der Absatz:

I’ve also asked my admi­nis­tra­tion to pre­pare the full range of opti­ons that we have to respond to this cri­sis.  This inclu­des those actions we may take and those we will coor­di­nate with our allies and part­ners, or those that we’ll carry out through mul­ti­la­te­ral institutions.

(Ich habe meine Regie­rung ange­wie­sen, unsere volle Band­breite an Optio­nen als Ant­wort auf diese Krise vor­zu­be­rei­ten. Das beinhal­tet eigene Aktio­nen sowie jene, die wir mit unse­ren Ver­bün­de­ten, Part­nern und über inter­na­tio­nale Orga­ni­sa­tio­nen durch­füh­ren können.)

Eine noch kla­rere Aus­sage gibt es kaum. Die USA berei­ten offen­sicht­lich ein mili­tä­ri­sches Ein­grei­fen vor. So ungern man das sieht, es ist wohl die bes­sere Option – ein Flug­zeug­trä­ger in der Gro­ßen Syrte und F/A-18 über Tri­po­lis haben deut­lich mehr Wir­kung als die end­lo­sen lee­ren Worte der Poli­tik. Die Ame­ri­ka­ner wer­den jeden­falls sehr, sehr vor­sich­tig vor­ge­hen müs­sen, um nicht als jener von Gad­dafi beschwo­re­ner äuße­rer Feind wahr­ge­nom­men zu werden.

UPDATE 28. Februar: Lang­sam wird’s unheim­lich, aber die­ser Bei­trag war offen­sicht­lich mehr als nur Spe­ku­la­tion. Die USA brin­gen ihre Streit­kräfte in Position…

Wüste Situa­tion in Libyen und jetzt auch auf Malta: Ein liby­sches Kriegs­schiff steht laut Al Jazeera vor der Küste. Kei­ner weiß, was es dort macht, wahr­schein­lich über­lau­fen. Auf Malta befin­den sich auch mili­tä­ri­sche Ein­hei­ten aus ganz Europa, dar­un­ter das öster­rei­chi­sche Jagd­kom­mando. Die sind natür­lich dort, um den Rück­trans­port ihrer Staats­bür­ger aus Libyen zu sichern – das Bun­des­heer hat bereits am Mon­tag, 21. Februar, eine Hercules-Maschine vol­ler EU-Bürger ausgeflogen.

Inter­es­sant wird diese Situa­tion, wenn Gad­dafi beschließt, dass Über­läu­fer bestraft wer­den müs­sen und sein Schiff bom­bar­die­ren lässt. Oder, was eben­falls nicht ganz aus der Welt ist, es dort posi­tio­niert hat, um Europa zu pro­vo­zie­ren. Jeden­falls kann so etwas ganz schnell zu einer Aus­ein­an­der­set­zung mit mili­tä­ri­schen Mit­teln füh­ren. Immer­hin ist Malta Teil der EU, und ein Angriff auf sein Hoheits­ge­biet muss eigent­lich eine Reak­tion der gesam­ten Gemein­schaft nach sich ziehen.

Was hier auf­fällt, sind zwei Dinge.

1. Ver­mut­lich wären im Fall der Fälle die Kräfte auf Malta ziem­lich unor­ga­ni­siert, weil jeder EU-Staat sein eige­nes Süpp­chen kocht. Es gibt kein gemein­sa­mes Ober­kom­mando, das einen even­tu­el­len Ein­satz koor­di­nie­ren könnte.

2. Auch wenn man es nicht wahr­ha­ben will, aber man braucht diese Ein­hei­ten. Libyen zeigt gerade sehr deut­lich, was von jenen zu hal­ten ist, die für eine Total­ab­schaf­fung des Bun­des­hee­res und sei­ner Ent­spre­chun­gen in ande­ren Staa­ten sind. Ja, natür­lich sind wir von Freun­den umge­ben und ein offe­ner Feld­krieg mit Liech­ten­stein ist eher unwahr­schein­lich. Aber ein Staat kann sich nicht ein­igeln und glo­bale Ereig­nisse igno­rie­ren – die machen näm­lich vor ihm auch nicht Halt.

Was ler­nen wir dar­aus? Eben­falls zwei Dinge.

1. Europa muss gemein­sam auf Bedro­hun­gen rea­gie­ren. Und damit ist nicht gemeint, dass es mög­lichst effi­zi­ent dafür umso popu­lis­ti­scher Flücht­linge abwehrt (da ist man sich näm­lich sehr einig). Natür­lich ist das ein Teil der Sicher­heits­po­li­tik, aber eine, die erst nach­träg­lich imple­men­tiert wird. Europa muss in der Lage sein, schnell und geschlos­sen auf… Pro­bleme… in sei­nem eige­nen Hin­ter­hof zu rea­gie­ren. Es ist den USA nicht zu ver­den­ken, dass sie hier still­hal­ten. Und wir kön­nen uns nicht für immer und ewig dar­auf ver­las­sen, dass die trans­at­lan­ti­schen Brü­der und Schwes­tern sowieso alles für uns erledigen.

2. Das Bun­des­heer muss ver­klei­nert und pro­fes­sio­na­li­siert wer­den. Was nut­zen Zehn­tau­sende Grund­wehr­die­ner, wenn sämt­li­che Bedro­hungs­sze­na­rien ein schnel­les, pro­fes­sio­nel­les Ein­grei­fen erfor­dern. Heute Libyen, mor­gen der Yemen, dann Bah­rain… und Saudi Ara­bien. Es wird genug zu tun geben, und die Struk­tur des Hee­res ist ein­fach nicht auf die Pro­jek­tion der Inter­es­sens­durch­set­zung aus­ge­legt. Im Gegen­teil: Im Fall des gro­ßen Krachs in der ara­bi­schen Welt wer­den Ein­hei­ten wie das Jagd­kom­mando sehr schnell sehr aus­ge­laugt sein, wäh­rend sich junge, unfrei­wil­lig ein­ge­zo­gene Män­ner wei­ter­hin in stau­bi­gen Schreib­stu­ben lang­wei­len. Ein klei­nes, schnel­les Bun­des­heer im euro­päi­schen Ver­bund muss her und das hur­tig. Auch wenn es nicht ins eigene Welt­bild pas­sen will, sind Wins­ton Chur­chills Worte heute noch genauso wahr wie damals: We sleep soundly in our beds because rough men stand ready in the night to visit vio­lence on those who would do us harm.

Hier ist ein gewag­ter Plan für Nicht-Weicheier: Sil­vio Ber­lus­coni hat Pro­bleme. Seine mafiö­sen Machen­schaf­ten gehen wohl durch, aber er stol­pert gerade über eine min­der­jäh­rige Pro­sti­tu­ierte. Dabei wäre es so ein­fach, die Welt­öf­fent­lich­keit auf der Stelle auf andere Gedan­ken zu brin­gen: Wie wäre es, wenn die top­mo­derne ita­lie­ni­sche Luft­waffe jene Kampf­jets, die in Libyen die eigene Bevöl­ke­rung bom­bar­die­ren, ein­fach abschie­ßen? Natür­lich im Ein­ver­neh­men mit den europäischen/NATO-Partnern. Die Aero­nautica Mili­tare könnte die Fin­ger­übung gegen die 40 Jahre alten liby­schen MIGs und Mira­ges brau­chen, und das schwei­gende Ein­ver­ständ­nis der Euro­päer und Ame­ri­ka­ner wäre ein star­kes Zeichen.

Natür­lich wäre das eine Kriegs­er­klä­rung gegen Libyen. Ver­mut­lich egal, da die Tage von Gad­dafi gezählt sind. Aber natür­lich ist Don Sil­vio ein per­sön­li­cher Freund Gad­da­fis und man macht beste Geschäfte, no na.

In ande­ren News sind zwei die­ser anti­ken liby­schen Mira­ges auf Malta gelan­det. Die Pilo­ten haben poli­ti­sches Asyl ver­langt, da sie ihre eige­nen Lands­leute nicht bom­bar­die­ren woll­ten. So schnell kann’s gehen, liebe Bundesheer-Komplettabschaffer. Ganz plötz­lich ist der Krieg vor der Haus­tür, und dann sollte man die Unter­ho­sen bes­ser nur bis zu den Knien unten haben statt ganz.

soso.

Feb
2011
20

Scheint’s, als hät­ten die Rating-Geier von Moody’s neue Leute ein­ge­stellt, um sich auch andere Län­der als die der EU angrei­fen zu kön­nen. Man muss sich das eigent­lich auf der Zunge zer­ge­hen las­sen: Moody’s ‘warnt’ vor einer Schul­den­krise in Japan. Dafür braucht man eine Rating­agen­tur und die vie­len Mil­lio­nen, die so eine Fest­stel­lung kos­tet? Das Land hat, nur zur Erin­ne­rung, 192 Pro­zent des BIP an Staats­schul­den ange­häuft (Grie­chen­land liegt bei ver­gleichs­weise kusche­li­gen 115 Pro­zent, die USA auf Bun­des­ebene bei knapp unter 90 Pro­zent). Dazu kom­men rund acht Pro­zent Bud­get­de­fi­zit und null Spar­wille. Ach nein, hier dräut eine Krise her­auf? Sehr hur­tig, Moody’s! Und doch wird Japan mit der Best­note AAA bewertet.

Zum Ver­gleich Spa­nien, das hier als stell­ver­tre­ten­des Bei­spiel die­nen soll, weil es die EU tat­säch­lich schä­di­gen kann. Spa­ni­ens Rating jeden­falls wird alle paar Wochen ange­spro­chen, wohl in der Hoff­nung, dass die Zin­sen auf Staats­an­lei­hen stei­gen. Spa­nien hat im Gegen­satz zu Japan ein eiser­nes Spar­pro­gramm und läp­pi­sche 53 Pro­zent des BIP an Schul­den. Es hat ein AA1–Rating (Link auf PDF). Das ist an sich nicht schlecht, wenn man die Unsi­cher­hei­ten im Bereich der Cajas (Kreis­spar­kas­sen) mit ein­be­zieht. Doch Spa­nien hat auch die EU hin­ter sich, die ihre viert­größte Volks­wirt­schaft kei­nes­falls pleite gehen las­sen kann oder wird. Diese Fak­to­ren soll­ten eigent­lich für ein kla­res AAA sorgen.

Der offen­sicht­li­che Schluss ist: Die Über­wei­sun­gen aus Tokyo sind höher als die aus Madrid. Bezie­hungs­weise, der EU wird zuge­traut, im Not­fall sehr viel Geld in Wackel­kan­di­da­ten zu pum­pen, wäh­rend Japan allein steht. Der auf­ge­weckte Lai­e­n­öko­nom fragt sich nun… ist das dann nicht alles ver­kehrt herum?

Hier muss man umden­ken. Um den berühm­ten Spruch aus dem Film All the President’s Men zu bemü­hen: Fol­low the Money! Wovon pro­fi­tie­ren Moody’s und seine Geschäfts­part­ner eher? Der Bil­lion, die die EU in marode Ban­ken pum­pen kann (die sich dann gegen eben jenen Cash hin­auf­ra­ten las­sen), oder Japan, das schlicht und ergrei­fend Bank­rott gehen kann? An einem Bank­rott in Japan ver­dient Moody’s nichts, son­dern nur, wenn das Land wei­ter­läuft. An einer euro­päi­schen Ret­tungs­ak­tion in Spa­nien ver­dient es sehr wohl. Also arbei­tet es – wie übri­gens natür­lich auch die ebenso schmie­ri­gen Kol­le­gen von Fitch und S&P – genau dorthin.

Ein Gutes hat diese offen­sicht­li­che Par­tei­lich­keit der Rating­agen­tu­ren aller­dings: Nicht ein­mal der Markt nimmt sie mehr allzu ernst. Der letzte Angriff auf Spa­nien ent­lock­ten den Märk­ten nicht ein­mal ein müdes Ach­sel­zu­cken. Diese Agen­tu­ren soll­ten auf­grund ihrer Käuf­lich­keit und ihrer Kom­pli­zen­schaft zur Finanz­krise 2008–2010 (sehr genau file­tiert in die­ser aus­ge­zeich­ne­ten oscar­prä­mier­ten Doku­men­ta­tion) eigent­lich nur noch ver­lacht werden.

UPDATE: Auch Grie­chen­land.

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