AOL hat die Huffington Post gekauft. Kenner der Materie wissen: Das heißt Kündigungen und nicht zu knapp, da Kündigungen nun einmal offenbar das alleinige Heilmittel der Medienbranche sind. Das zieht sich durch, denn die News kommen eh aus den Presseabteilungen der Werbekunden.
Wenn AOL-Chef Tim Armstrong diesen Schritt – 1000 Rausschmisse – ankündigt, dann liest sich das so. Hier ein kleines Best Of… von einem der abschreckendsten Beispiele von corporate Schönsprech aller Zeiten.
Today, we are announcing an organizational structure that will significantly improve AOL’s ability to focus on growth. The structure will also impact areas of our team–making the decision to reduce staff levels is a necessary part of rebalancing our workforce to be competitive in our industry.
… bla bla bla…
There are three important aspects to the structural changes we are making today. The first is the architecture of our brand portfolio. The second is the organizational design of The Huffington Post Media Group. The third is our shift from India being a business process center to India being a consumer products group focused on the APAC market.
Ich kenne diese Sprache recht gut. Ich kann auch sehr gut Englisch. Ich verstehe obigen Absatz nicht. Ich glaube, es heißt, dass Indien zu teuer für die Produktion wird, aber als Konsumenten sind die Inder dann schon sehr willkommen.
We have a clear path to brand success–which is only turbo-charged with the addition of the Huffington Post to our brand portfolio.
AOL hat noch alles zerstört, was es in die Finger bekommen hat, inklusive sich selbst. Der Huffington Post wird es nicht anders ergehen.
With Arianna’s leadership and vision, HPMG will be fueled by high-quality editorial content, and will give AOL the enhanced ability to deliver a scaled and differentiated array of premium news, analysis, entertainment, information, and community…
Am besten ganz ohne Leute.
We are creating Department Editor positions for each of the editorial departments and their partners will be the General Managers (formerly our Mayors), who will continue to serve as CEOs, driving revenue, distribution and overall growth strategy for the departments they support.
In anderen Worten: Wir werfen jede Menge kleiner Fische raus, damit wir zum selben Gesamtpreis ein paar große Fische installieren können. Die dem Kunden/Leser präsentierte Arbeit wird eingeschränkt, dafür gibt es jetzt mehr Manager, die den ganzen Tag lang heiße Luft mit geilen Namen wie Brand Leading Strategy erzeugen.
Journalists are the heart and soul of a media company.
Und deswegen werfen wir sie raus.
Der Megahammer kommt aber ganz am Ende dieses unglaublichen Memos:
Overall, the structural changes in India will impact close to 700 jobs, with approximately 400 transitioning out of the company, and 300 transitioning to outsourcing partners to continue to work on the AOL business. AOL India has been a significant part of AOL, starting with call center outsourcing in 2002 and morphing into a business operations center. The employees of AOL India are talented, energetic, and hard-working – and we will be offering impacted people transition services. I would hope that India becomes a great future consumer market for AOL based on India-first product development.
Übersetzt heißt das: Ihr werdet entweder gekündigt oder an Billigstanbieter outgesourct, aber natürlich freuen wir uns recht, wenn ihr uns was abkauft.
Wow, kann man da nur sagen. Der Mann sollte sich nicht wundern, wenn nach so viel unehrlichem Geschwurbel vereinzelte Fackeln und Mistgabeln vor seinem Büro auftauchen. Selbst als in der PR arbeitender Schreiber habe ich noch nie so viel herablassenden Bullshit auf einen Haufen gelesen.
Ein Nationalratsabgeordneter und dafür karenzierter Polizist ist also erwischt worden. Und zwar mit dem Behindertenausweis seines vor 10 Jahren verstorbenen Schwiegervaters hinter der Windschutzscheibe. Es handelt sich um einen echten österreichischen Politiker, und damit ist es selbstverständlich, dass er jede Verantwortung von sich weist. Nicht nur das, er belastet außerdem seine eigene Ehegattin (die die Strafe für den Missbrauch schon beglichen hat). Der Mann hat sogar ein Alibi, er war zum fraglichen Zeitpunkt in Wien auf einer Sitzung. An sich keine große Sache, passiert vermutlich jeden Tag.
Trotzdem ergibt sich ein bitterer Nachgeschmack.
Diese Sache wirft nämlich ein interessantes aber nicht weiter überraschendendes Bild auf die charakterliche Ausstattung eines Volksvertreters, der wahrscheinlich stellvertretend für einen Großteil der momentanen politischen Kultur steht. Über den Hergang kann spekuliert werden. Er sieht jedoch bei Betrachtung aus der Ferne folgendermaßen aus: Den Behindertenausweis haben die trauernden Eheleute wohl dem toten Schwiegervater aus dem Geldbörsl genommen, als der noch warm war. Als NR-Abgeordneter ist man schließlich wer, und warum nicht die vielen Vorteile – gut gelegene Parkplätze – ausnutzen, die der gemeine behinderte Pöbel hinterhältiger Weise bekommt und Parlamentarier außerhalb Wiens nicht. Egal, dass man damit einem wirklich Bedürftigen den Platz verstellt. Egal, dass man das zehn Jahre lang macht und sich dann, wenn man erwischt wird, auf einen Fehler hinausredet. Egal, dass man die eigene Frau belastet. Egal, ob sogar dem Dümmsten klar ist, dass der Herr Nationalrat das selbstverständlich bewusst gemacht hat. Und dann die Verteidigung, das Abschieben, das Herauslavieren auf unterstem Niveau. Dabei hätte man diese Angelegenheit mit mit zwei Sätzen erledigen können: ‘Ja, das war so. Es tut mir leid, es kommt nicht mehr vor und ich spende an irgend eine Behindertenorganisation.’ Das würde nicht nur dem politischen Gegner den Wind aus den Segeln nehmen, es würde zumindest ein Mindestmaß an Rückgrat und Integrität belegen.
Die Peinlichkeit wirft auch eine andere Frage auf: Wie geht der Mann mit echten, politischen Krisen um? Ist er etwa ein integraler Bestandteil des österreichischen Parlamentarismus, der ausschließlich aus Handheben auf Parteigeheiß besteht? Vielleicht sollte man sich mal ansehen, ob er außer angriffigen Presseaussendungen noch irgend was zustande gebracht hat – und dann eine Kosten-Nutzen-Rechnung anstellen. Ist er gar ein Hinterbänkler mit recht überschaubaren parlamentarischen Aktivitäten, der aus undurchsichtigen Gründen einen schönen Versorgungsposten geschenkt bekommen hat? Man weiß es nicht. Vielleicht kann er ja was und ist aufgrund großartiger Verdienste auf seinem gut bezahlten Posten. Vielleicht auch nicht.
Rückgrat und Integrität als Grundpfeiler einer menschlichen Minimalehre sind jedoch nicht, was die momentane politische ‘Elite’ auszeichnet. Bei vielen scheint es ausschließlich um die Anhäufung persönlicher Vorteile zu gehen. Manche sind dabei geschickt, manche weniger. Norbert Kapeller gehört zu zweiterer Spezies.
30 Jahre sind keine so lange Zeit. Ich kann mich noch sehr genau an den ersten Start eines Space Shuttle erinnern: weiß, elegant, so vollkommen anders als die engen Raumkapseln der Vergangenheit. Mehr Flugzeug als Raumschiff, eine Maschine, die neue Horizonte erschließen würde. Und natürlich hatte ich ein Modell der Columbia in meinem Kinderzimmer stehen – das Gefährt, scheinbar unsicher und sicher nicht windschlüpfrig montiert auf dem Rücken einer Boeing 747, recht offensichtlich nicht in seiner natürlichen Umgebung.
30 Jahre später endet die Ära der Space Shuttles mit den letzten beiden Flügen der Atlantis und Endeavour noch 2011. Man kann ihnen kritisch gegenüber stehen – manche sagen, das Programm hätte aufgrund der finanziellen Situation der NASA größere Missionen, zum Mars, vielleicht sogar weiter hinaus, aufgehalten. Fakt ist jedoch, dass die Shuttles den Erdorbit zu einer Erweiterung des menschlichen Lebensbereiches gemacht haben. Konkurrenz gibt es bis heute keine – der sowjetische Buran, eine 1:1-Kopie, hob nur ein Mal ab, unbemannt, und beendete seine traurige Existenz bei einem Hangareinsturz. Die ATVs der ESA sind zwar eine nette Entwicklung als Mülltransporter, verglühen aber beim Wiedereintritt in die Atmosphäre und sind auch nicht für EVA und wissenschaftliche Missionen vorgesehen. Die russische Soyuz ist deutlich kleiner, kann aber zumindest landen und Menschen sicher wieder auf die Erde zurückbringen.
Bei aller Kritik war das Shuttle ein Meilenstein im bemannten Raumflug. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Die Aufbruchsstimmung von damals ist einer Art neuem Biedermeier gewichen, in dem sich der Mensch vorwiegend auf seine eigene Umgebung konzentriert. Fortschritt? Ist höchstens ein größerer Fernseher im Wohnzimmer. Die urösterreichische Einstellung ‘zawos brauchma denn des?!’ scheint sich global verbreitet zu haben. Und gäbe es nicht findige private Unternehmer wie Richard Branson, die dem Weltraum nicht den Rücken kehren, sondern noch ein paar (wenn auch finanzielle) Visionen haben, würden wir uns wohl mit dem heutigen Tag wieder ausschließlich im eigenen Mist suhlen.
In diesem Sinne: goodbye Discovery, goodbye Space Shuttle. Wie passend, dass die NASA eine schöne Klammer gefunden hat, um das Raumschiff gebührend zu verabschieden.
Das allererste Shuttle-Modell war die Enterprise.
Die Abschiedsworte kommen vom Captain des ersten Raumschiff Enterprise, James T. Kirk (William Shatner).
Aus irgend einem Grund stürzt sich die heimische Politik im Moment auf die paar Linzer Bettler. Ein Verbot wird beschlossen, die anständigen, ehrlichen Stammtischrecken jubeln und bestellen das 12. Bier. Und natürlich gehen die üblichen Verdächtigen auf die Barrikaden.
Punkt ist: In Linz ist die Bettelei wirklich kein Problem, das Verbot eine reine Law-and-Order-Aktion im Zwischenwahlkampf. Aber: Wien ist ein abschreckendes Beispiel. Es gibt kaum eine Straße, auf der Passanten nicht alle paar Meter angeschnorrt werden. Es gibt kaum ein Lokal, in dem nicht alle paar Minuten jemand am Tisch steht und von Haarspangerl bis zur obskuren Roma-Zeitung irgend was mehr oder weniger aggressiv verkaufen will. In den Pausen zwischen den Bettlern springen die bezahlten Agentur-Nervensägen von ‘Heeeeeee-kennst-du-die Umwelt?!’–Greenpeace aus ihren Verstecken hervor und sind lästig wie eh und je. An manchen U-Bahn-Stationen kämpft sich der öffentlich Fahrwillige durch eine obdachlose Zombieherde, die nach Kleingeld statt menschlicher Hirnmasse verlangt.
Betteln ist wohl einer der ältesten ‘Berufe’ der Menschheit und daher ersessenes Menschenrecht. Genauso ein Menschenrecht ist es, nichts zu geben und sich dabei nicht wie eine herzlose Drecksau vorzukommen. Aber die enthusiastische Unterstützung der Bettelei von manchen Seiten ist wahrlich unnötig. Menschen, die sich zu Bettlern degradieren (müssen), wäre auf andere Weise deutlich mehr geholfen. Jene, die unbedingt so leben wollen - die Linzer Punks — brauchen keine Lobby.
Obwohl natürlich gerade die Präsentation, nein, das Jobs’sche Hochamt zu Apples neuem iPad2 läuft, höre ich mir doch lieber die neue REM an. Kurz gesagt: Keine Schwächen oder Längen wie die letzten paar Scheiben, bewegt sich auf dem Niveau der Klassiker aus den 80ern. Die ganz großen und offensichtlichen Höhepunkte fehlen oder erschließen sich erst nach mehrmaligem Hören. Absoluter Kauftipp.
In den deutschsprachigen Medien wird über das scheinbar schwache Statement Barack Obamas gelästert, dass die Gewalt in Libyen inakzeptabel sei. Das ist richtig, auch wenn es starke Worte sind in der diplomatischen Welt, die jeden Beistrich hundertfach interpretiert.
Was Obama aber noch gesagt hat, geht unter. Absichtlich oder nicht, in seiner Rede zur Lage in Libyen kam in der Mitte folgender Absatz:
I’ve also asked my administration to prepare the full range of options that we have to respond to this crisis. This includes those actions we may take and those we will coordinate with our allies and partners, or those that we’ll carry out through multilateral institutions.
(Ich habe meine Regierung angewiesen, unsere volle Bandbreite an Optionen als Antwort auf diese Krise vorzubereiten. Das beinhaltet eigene Aktionen sowie jene, die wir mit unseren Verbündeten, Partnern und über internationale Organisationen durchführen können.)
Eine noch klarere Aussage gibt es kaum. Die USA bereiten offensichtlich ein militärisches Eingreifen vor. So ungern man das sieht, es ist wohl die bessere Option – ein Flugzeugträger in der Großen Syrte und F/A-18 über Tripolis haben deutlich mehr Wirkung als die endlosen leeren Worte der Politik. Die Amerikaner werden jedenfalls sehr, sehr vorsichtig vorgehen müssen, um nicht als jener von Gaddafi beschworener äußerer Feind wahrgenommen zu werden.
UPDATE 28. Februar: Langsam wird’s unheimlich, aber dieser Beitrag war offensichtlich mehr als nur Spekulation. Die USA bringen ihre Streitkräfte in Position…
Wüste Situation in Libyen und jetzt auch auf Malta: Ein libysches Kriegsschiff steht laut Al Jazeera vor der Küste. Keiner weiß, was es dort macht, wahrscheinlich überlaufen. Auf Malta befinden sich auch militärische Einheiten aus ganz Europa, darunter das österreichische Jagdkommando. Die sind natürlich dort, um den Rücktransport ihrer Staatsbürger aus Libyen zu sichern – das Bundesheer hat bereits am Montag, 21. Februar, eine Hercules-Maschine voller EU-Bürger ausgeflogen.
Interessant wird diese Situation, wenn Gaddafi beschließt, dass Überläufer bestraft werden müssen und sein Schiff bombardieren lässt. Oder, was ebenfalls nicht ganz aus der Welt ist, es dort positioniert hat, um Europa zu provozieren. Jedenfalls kann so etwas ganz schnell zu einer Auseinandersetzung mit militärischen Mitteln führen. Immerhin ist Malta Teil der EU, und ein Angriff auf sein Hoheitsgebiet muss eigentlich eine Reaktion der gesamten Gemeinschaft nach sich ziehen.
Was hier auffällt, sind zwei Dinge.
1. Vermutlich wären im Fall der Fälle die Kräfte auf Malta ziemlich unorganisiert, weil jeder EU-Staat sein eigenes Süppchen kocht. Es gibt kein gemeinsames Oberkommando, das einen eventuellen Einsatz koordinieren könnte.
2. Auch wenn man es nicht wahrhaben will, aber man braucht diese Einheiten. Libyen zeigt gerade sehr deutlich, was von jenen zu halten ist, die für eine Totalabschaffung des Bundesheeres und seiner Entsprechungen in anderen Staaten sind. Ja, natürlich sind wir von Freunden umgeben und ein offener Feldkrieg mit Liechtenstein ist eher unwahrscheinlich. Aber ein Staat kann sich nicht einigeln und globale Ereignisse ignorieren – die machen nämlich vor ihm auch nicht Halt.
Was lernen wir daraus? Ebenfalls zwei Dinge.
1. Europa muss gemeinsam auf Bedrohungen reagieren. Und damit ist nicht gemeint, dass es möglichst effizient dafür umso populistischer Flüchtlinge abwehrt (da ist man sich nämlich sehr einig). Natürlich ist das ein Teil der Sicherheitspolitik, aber eine, die erst nachträglich implementiert wird. Europa muss in der Lage sein, schnell und geschlossen auf… Probleme… in seinem eigenen Hinterhof zu reagieren. Es ist den USA nicht zu verdenken, dass sie hier stillhalten. Und wir können uns nicht für immer und ewig darauf verlassen, dass die transatlantischen Brüder und Schwestern sowieso alles für uns erledigen.
2. Das Bundesheer muss verkleinert und professionalisiert werden. Was nutzen Zehntausende Grundwehrdiener, wenn sämtliche Bedrohungsszenarien ein schnelles, professionelles Eingreifen erfordern. Heute Libyen, morgen der Yemen, dann Bahrain… und Saudi Arabien. Es wird genug zu tun geben, und die Struktur des Heeres ist einfach nicht auf die Projektion der Interessensdurchsetzung ausgelegt. Im Gegenteil: Im Fall des großen Krachs in der arabischen Welt werden Einheiten wie das Jagdkommando sehr schnell sehr ausgelaugt sein, während sich junge, unfreiwillig eingezogene Männer weiterhin in staubigen Schreibstuben langweilen. Ein kleines, schnelles Bundesheer im europäischen Verbund muss her und das hurtig. Auch wenn es nicht ins eigene Weltbild passen will, sind Winston Churchills Worte heute noch genauso wahr wie damals: We sleep soundly in our beds because rough men stand ready in the night to visit violence on those who would do us harm.
Hier ist ein gewagter Plan für Nicht-Weicheier: Silvio Berlusconi hat Probleme. Seine mafiösen Machenschaften gehen wohl durch, aber er stolpert gerade über eine minderjährige Prostituierte. Dabei wäre es so einfach, die Weltöffentlichkeit auf der Stelle auf andere Gedanken zu bringen: Wie wäre es, wenn die topmoderne italienische Luftwaffe jene Kampfjets, die in Libyen die eigene Bevölkerung bombardieren, einfach abschießen? Natürlich im Einvernehmen mit den europäischen/NATO-Partnern. Die Aeronautica Militare könnte die Fingerübung gegen die 40 Jahre alten libyschen MIGs und Mirages brauchen, und das schweigende Einverständnis der Europäer und Amerikaner wäre ein starkes Zeichen.
Natürlich wäre das eine Kriegserklärung gegen Libyen. Vermutlich egal, da die Tage von Gaddafi gezählt sind. Aber natürlich ist Don Silvio ein persönlicher Freund Gaddafis und man macht beste Geschäfte, no na.
In anderen News sind zwei dieser antiken libyschen Mirages auf Malta gelandet. Die Piloten haben politisches Asyl verlangt, da sie ihre eigenen Landsleute nicht bombardieren wollten. So schnell kann’s gehen, liebe Bundesheer-Komplettabschaffer. Ganz plötzlich ist der Krieg vor der Haustür, und dann sollte man die Unterhosen besser nur bis zu den Knien unten haben statt ganz.
Scheint’s, als hätten die Rating-Geier von Moody’s neue Leute eingestellt, um sich auch andere Länder als die der EU angreifen zu können. Man muss sich das eigentlich auf der Zunge zergehen lassen: Moody’s ‘warnt’ vor einer Schuldenkrise in Japan. Dafür braucht man eine Ratingagentur und die vielen Millionen, die so eine Feststellung kostet? Das Land hat, nur zur Erinnerung, 192 Prozent des BIP an Staatsschulden angehäuft (Griechenland liegt bei vergleichsweise kuscheligen 115 Prozent, die USA auf Bundesebene bei knapp unter 90 Prozent). Dazu kommen rund acht Prozent Budgetdefizit und null Sparwille. Ach nein, hier dräut eine Krise herauf? Sehr hurtig, Moody’s! Und doch wird Japan mit der Bestnote AAA bewertet.
Zum Vergleich Spanien, das hier als stellvertretendes Beispiel dienen soll, weil es die EU tatsächlich schädigen kann. Spaniens Rating jedenfalls wird alle paar Wochen angesprochen, wohl in der Hoffnung, dass die Zinsen auf Staatsanleihen steigen. Spanien hat im Gegensatz zu Japan ein eisernes Sparprogramm und läppische 53 Prozent des BIP an Schulden. Es hat ein AA1–Rating (Link auf PDF). Das ist an sich nicht schlecht, wenn man die Unsicherheiten im Bereich der Cajas (Kreissparkassen) mit einbezieht. Doch Spanien hat auch die EU hinter sich, die ihre viertgrößte Volkswirtschaft keinesfalls pleite gehen lassen kann oder wird. Diese Faktoren sollten eigentlich für ein klares AAA sorgen.
Der offensichtliche Schluss ist: Die Überweisungen aus Tokyo sind höher als die aus Madrid. Beziehungsweise, der EU wird zugetraut, im Notfall sehr viel Geld in Wackelkandidaten zu pumpen, während Japan allein steht. Der aufgeweckte Laienökonom fragt sich nun… ist das dann nicht alles verkehrt herum?
Hier muss man umdenken. Um den berühmten Spruch aus dem Film All the President’s Men zu bemühen: Follow the Money! Wovon profitieren Moody’s und seine Geschäftspartner eher? Der Billion, die die EU in marode Banken pumpen kann (die sich dann gegen eben jenen Cash hinaufraten lassen), oder Japan, das schlicht und ergreifend Bankrott gehen kann? An einem Bankrott in Japan verdient Moody’s nichts, sondern nur, wenn das Land weiterläuft. An einer europäischen Rettungsaktion in Spanien verdient es sehr wohl. Also arbeitet es – wie übrigens natürlich auch die ebenso schmierigen Kollegen von Fitch und S&P – genau dorthin.
Ein Gutes hat diese offensichtliche Parteilichkeit der Ratingagenturen allerdings: Nicht einmal der Markt nimmt sie mehr allzu ernst. Der letzte Angriff auf Spanien entlockten den Märkten nicht einmal ein müdes Achselzucken. Diese Agenturen sollten aufgrund ihrer Käuflichkeit und ihrer Komplizenschaft zur Finanzkrise 2008–2010 (sehr genau filetiert in dieser ausgezeichneten oscarprämierten Dokumentation) eigentlich nur noch verlacht werden.
UPDATE: Auch Griechenland.
